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Neuburg

10.06.2019

Hoch zu Ross geht es um die Ehre

Erhobenes Haupt, stolz der Blick: Lothar Gerhard hat 1995 ein Ringerl aufgespießt und präsentiert es dem Publikum.
Bild: Gerhard

Plus Mit Lanzen, zusammengeschweißt aus alten Helo-Lampen, zogen die Reiter in den Anfangsjahren in den Wettkampf. Heute hat sich einiges geändert.

Das Neuburger Schloßfest feiert heuer ein Jubiläum. Zum 25. Mal findet das Fest der Renaissance vor der historischen Kulisse der Altstadt statt. Es gibt einige Gruppen, die von Anfang an dabei waren, viele kamen spätestens zur zweiten Auflage dazu. Die Neuburger Rundschau stellt bis zum Schloßfest einige Gruppen vor.

Was wäre das Neuburger Schloßfest ohne die Reiter? Hoch zu Ross kämpfen sie bei den Reiterspielen im Marstall um Ruhm und Ehre, unterhalten das Publikum mit allerlei spektakulären Kunststücken und begeistern Klein und Groß, wenn sie – begleitet von der Stadtwache – erhaben durch die Altstadt ziehen.

Was leicht ausschaut, ist harte Arbeit und langes Training. Nicht nur für die Reiter, die beim Ringerlstechen, dem Melonenköpfen oder dem Türkenschlagen Geschick und Treffsicherheit an den Tag legen müssen, sondern auch für die Pferde, die mit den Menschenmassen sowie dem allgegenwärtigen Getrommel und Fanfarenblasen zurechtkommen müssen. Deswegen wird schon Wochen vorher geprobt. Pferde, Reiter und Mitglieder des Fanfarenzugs treffen sich, um die Tiere an die laute Musik zu gewöhnen. Reiterhauptmann Rainer Martin organisiert die Proben und er sagt: „Da merkt man dann schnell, welches Pferd geeignet ist und welches nicht.“ Viele Tiere und Reiter sind seit Jahren beim Schloßfest dabei, aber es kommen auch immer ein paar neue dazu. Drei bis vier neue Reiter seien es heuer und fünf neue Pferde.

Heute ist Rainer Martin der Hauptmann der Reiter, seit 1991 ist er aktiv mit dabei. 2003 übernahm er die Gruppenleitung von Lothar Gerhard.
Bild: Martin Gerhard

So proben die Reiter kurz vor dem Schloßfest

Kurz vor dem Schloßfest wird dann auch der Einzug in die Altstadt geprobt. Die Stadtwache holt die Reiter an jedem Schloßfesttag an der Schlösslwiese ab, wo die Pferdetransporter ankommen, und führt sie über die Donaubrücke hinauf in die Obere Stadt. Dort werden die Tiere dann im hinteren Marstallhof untergebracht und den Tag über versorgt, bis sie am Abend wieder zu ihren Transportern hinuntergetrommelt werden und zurück in ihren Stall gefahren werden. Für die Pferde sei das Schloßfest schon eine große Herausforderung. Schreiende Kinder, Menschen, die plötzlich die Straße queren und dann natürlich die Geräuschkulisse. „Da kann auch das bravste Tier mal Rabatz machen“, sagt Martin. Deswegen stehe die Sicherheit an erster Stelle. Wird es zu voll, fallen die Einzugsrunden durch die Altstadt weg.

Lothar Gerhard jun. (vorne) trägt die Lanze, deren Unterteller sein Vater aus ausrangierten Lampen gebaut hat.
Bild: Lothar Gerhard

Auch der Tierarzt begutachtet die Tiere schon während der Proben mehrmals, denn nur ein gesundes Tier darf mitmachen. Ob Pony, Spanier oder Warmblüter – die Rasse spiele dabei keine Rolle, sagt Martin.

Aber nicht nur die Tiere müssen trainieren, auch die Reiter. 2,50 Meter lang ist die Lanze, die sie auf dem Pferd unter voller Geschwindigkeit kontrollieren müssen. Gar nicht so einfach. Mit einem Besenstil haben Lothar Gerhard und der bereits verstorbene Gerhard Seebauer 1978 getestet, um das richtige Längenmaß für die Lanzen zu bekommen. Schließlich bauten sie unten ein Bleigewicht ein, damit die Lanze gerade gehalten werden kann. Als Handteller verwendeten sie die Unterteller von Helo-Lampen aus dem eigenen Geschäft.

Eines der ersten Reiterturniere in der Geschichte des Neuburger Schloßfestes 1997 mit dem selbstgebauten Türken, der getroffen werden muss.
Bild: Lothar Gerhard

So ist die Idee zu den Reitern in Neuburg entstanden

Die beiden Gerhards waren es auch, die vor über 40 Jahren die Gruppe gründeten. Die Idee stammte von den Ritterspielen in Kaltenberg. Also wälzten Lothar Gerhard und Gerhard Seebauer alte Ritterbücher, um sich schlauzumachen, wie Reiterspiele zur Zeit der Renaissance abgehalten wurden. Es sollten Ringerl gestochen werden und ein Türke getroffen werden. Wobei es Zeiten gegeben habe, da habe man den Türken gar nicht Türken nennen dürfen, erinnert sich Gerhard. Neben den Lanzen wurde auch dieser im eigenen Geschäft zusammengeschweißt. Noch heute ist der Türke das Original von 1978, die Lanzen wurden vor vier Jahren ausgetauscht.

Bis 2003 organisierte der Neuburger Pferdenarr die Reiter, die sich inzwischen hauptsächlich aus den Reihen des Reit- und Fahrvereins Neuburg zusammensetzen. Die Knappen sind meist junge Reitschüler, die sich untertags um die Pferde kümmern, dazu kommen der Hofstaat mit rund zwölf Personen, die Wettkampf-Reiter mit ebenfalls zwölf bis 15 Personen und dann noch 15 bis 20 Reiter, die nur den Umzug mitreiten. Eine stolze Truppe also, die seit 16 Jahren nun Rainer Martin als Reiterhauptmann zusammenhält.

Die Reiterspiele im Marstall sind nach wie vor ein Publikumsmagnet und zu den meisten Vorstellungen ausverkauft. Das Schiedsgericht zählt die Punkte und ermittelt den Sieger, der Herold Wolfgang Rüppel, führt durch das Programm und die Hofdamen jubeln den stolzen Reitern zu – alles, wie damals zu Zeyten Ottheinrichs.

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