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Mordfall Franziska

11.05.2015

Höchststrafe für den Mörder von Franziska

Lebenslang für Mörder von Franziska
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Das Schwurgericht Ingolstadt hat den 27-jährigen Stefan B. am Montag wegen Mordes an der zwölfjährigen Franziska zu lebenslanger Haft verurteilt.
Bild: Armin Weigel, dpa

Sogar der Verteidiger hatte auf Mord plädiert. Für den grausamen Tod der zwölfjährigen Franziska muss der Angeklagte lebenslang hinter Gitter. Zum Ende zeigte er noch eine Regung.

Am Ende zeigt Stefan B. dann doch noch eine Regung. Während der 27-Jährige die Urteilsverkündung - wie den gesamten Prozess - nach außen hin ungerührt verfolgte, platzt es dann beim Verlassen des Gerichtsgebäudes aus ihm heraus. In die Kamera einer Fotografin zeigt er den Mittelfinger.

Es wird vermutlich das Letzte sein, was man für lange Zeit von Stefan B. gesehen hat. Seit Montagmorgen steht fest, woran schon in den vergangenen Wochen kaum mehr Zweifel bestanden: Stefan B. ist der Mörder der kleinen Franziska - und muss dafür lebenslang hinter Gitter.

Stefan B. muss für lange Zeit hinter Gitter

Für die Höchststrafe hatte neben der Staatsanwaltschaft auch der Verteidiger plädiert. Wie von der Anklage gefordert stellten die Richter auch eine besondere Schwere der Schuld fest. Stefan B. kommt daher nicht nach 15 Jahren im Gefängnis frei, sondern wohl erst deutlich später. Im Durchschnitt dauert eine lebenslange Haftstrafe in Bayern 22 Jahre. Eine Sicherungsverwahrung nach Absitzen der Haft scheidet allerdings aus formalen Gründen aus. Das Urteil ist rechtskräftig, da der Angeklagte, die Staatsanwaltschaft und die als Nebenkläger auftretenden Eltern darauf verzichteten, Rechtsmittel einzulegen.

Stefan B., von dem der Prozess ein erschütterndes Bild gezeichnet hatte und der zuletzt in einer Obdachlosenunterkunft lebte, sei in vollen Maße schuldfähig, erklärte der Vorsitzende Richter Jochen Bösl in der Urteilsverkündung. Erklären lasse sich die Tat durch eine von einem Gutachter festgestellte Persönlichkeitsstörung des Angeklagten, die sich etwa durch eine besonders niedrige Aggressionsschwelle und eine niedrige Frustrationstoleranz zeige. Zu den Gunsten des Angeklagten spreche nur, dass er ein Geständnis abgelegt habe. Obwohl man schon früher Kinderpornos bei Stefan B. gefunden worden waren, sprach das Gericht aber lediglich von "pädophilen Neigungen" beim 27-Jährigen.

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Der Mord an der zwölfjährigen Franziska
Bild: Andreas Gebert, Xaver Habermeier

Bösl wandte sich auch an die Eltern von Franziska, die dem Prozess am Montag erstmals beiwohnten. Ihr "unermessliches Leid" könne der Schuldspruch nicht lindern. "So etwas kann man nicht wieder gut machen", sagte der Richter. Beide Elternteile rangen sichtlich bemüht um Fassung, Franziskas Mutter kämpfte mit den Tränen. Nach Angaben ihrer Rechtsanwältin wollten sie den Mörder ihrer Tochter sehen. Auch fünfzehn Monate nach der Tat seien sie immer noch in "Schockstarre", ihr Leben sei zerstört.

Urteil nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Stefan B. hatte Franziska im Februar 2014 entführt, an einem Weiher in Neuburg a.d. Donau auf grausame Weise sexuell missbraucht und mit einem Holzscheit erschlagen. Der Mord erschütterte die Menschen auch deshalb, weil Franziska vor ihrem stundenlangen Martyrium mehrere Kurznachrichten von ihrem Smartphone an Freundinnen schickte, dass sie verfolgt werde. Den Hilferufen wurde aber fatalerweise nicht nachgegangen.

Zu Beginn des letzten Prozesstages hatte das Gericht einen Antrag der Verteidigung abgelehnt, das Urteil unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu verkünden. Stefan B.s Anwalt Adam Ahmed begründete den Antrag damit, dass die Intimsphäre der Zeuginnen geschützt werden müssten. Das Gericht folgte dieser Argumentation aber nicht. Zuvor waren bereits die Plädoyers unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorgetragen worden. Auch bei einzelnen Zeugenaussagen und dem psychiatrischen Gutachten über den Angeklagten waren keine Zuhörer zugelassen.  

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