1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Hospizverein sucht ehrenamtliche Begleiter

Neuburg

17.09.2019

Hospizverein sucht ehrenamtliche Begleiter

Die Palliativfachkräfte Anita Arndt (links) mit Hund Lotti und Claudia Heinrich vom Hospizverein Neuburg-Schrobenhausen suchen Menschen, die sich ehrenamtlich als Hospizbegleiter engagieren möchten.
Bild: Marcel Rother

Plus Der Hospizverein Neuburg-Schrobenhausen sucht ehrenamtliche Begleiter. Was diese Arbeit so besonders macht und wer dafür geeignet ist.

Frau Arndt, Frau Heinrich, für alle, die mit dem Thema Hospizbegleitung bislang noch keine Berührungspunkte hatten: Können Sie kurz zusammenfassen, um was es sich dabei handelt?

Anita Arndt: Es geht darum, Schwerstkranken, Sterbenden und deren Angehörigen die letzte Lebenszeit so schön und gut wie möglich zu gestalten.

Das klingt im ersten Moment nach einer eher traurigen Aufgabe?

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Claudia Heinrich: Über die Zeit entstehen zum Teil enge Bindungen, die die Lebensqualität aller Beteiligten bereichern. Natürlich wird auch zusammen mit den Patienten geweint – und auch gelacht.

Wie muss man sich die Arbeit als Hospizbegleitung konkret vorstellen?

Claudia Heinrich: Die Begleitung fängt an, wenn eine Erkrankung vorliegt, bei der klar ist, dass keine Aussicht auf Heilung besteht. Ab dann schenken Hospizbegleiter den Menschen im Wesentlichen eines: Zeit. Je nachdem, was den Betroffenen gefällt, hören sie zu, lesen aus der Zeitung vor oder bringen ihnen Blumen aus dem Garten mit – beispielsweise weil sie früher leidenschaftliche Gärtner waren. Oft genügt es auch, einfach nur da zu sein.

Weil die Menschen sonst alleine wären?

Anita Arndt: Ja, auch. Die Menschen werden immer älter und haben als Hochbetagte oft keine Angehörigen mehr. Oder die Familienangehörigen wohnen weit verstreut und haben nur selten Zeit, sich zu kümmern. Dann sind wir manchmal die Einzigen, die sich intensiv Zeit für sie nehmen.

Wo begleiten Sie die Menschen?

Claudia Heinrich: Zu einem Drittel bei ihnen zu Hause, zu einem Drittel in Krankenhäusern und zum anderen Drittel in den Pflegeheimen des Landkreises.

Wie lange dauert eine Hospizbegleitung durchschnittlich?

Anita Arndt: Das kann mit nur einem Treffen sehr kurz sein, aber auch fünf Jahre dauern. Oft haben wir beobachtet, dass die Menschen noch einmal richtig aufblühen, wenn sie merken, da ist jemand, der sich um sie kümmert und einfach für sie da ist. Ohne jegliche Erwartungshaltung.

Wie hat sich die Nachfrage nach einer Hospizbegleitung in den vergangenen Jahren entwickelt?

Claudia Heinrich: Die Nachfrage hat stark zugenommen. Im Jahr 2014 haben wir noch 20 Menschen bis zu ihrem Tod begleitet, 2018 waren es bereits 103.

Wie viele ehrenamtliche Hospizbegleiter hat ihr Verein?

Anita Arndt: Der Hospizverein Neuburg-Schrobenhausen hat 200 Mitglieder, davon sind 70 als ehrenamtliche Hospizbegleiter aktiv.

Interessieren sich mehr Männer oder mehr Frauen für das Ehrenamt?

Claudia Heinrich: Eindeutig Frauen. Wir haben nur sechs Männer – es dürfen aber gerne mehr werden (lacht).

Welche Voraussetzungen brauchen Hospizbegleiter?

Anita Arndt: Eigentlich keine, sie sollten lediglich offen sein und bereit, sich auf andere Menschen einzulassen.

Spielt das Alter eine Rolle für die Hospizbegleitung?

Anita Arndt: Nein, überhaupt nicht. Unsere Hospizarbeiter sind im Schnitt Mitte 40, darunter sind junge Mütter in ihren Dreißigern genauso wie Rentner. Auch das Geschlecht, Religion oder Hautfarbe spielen keine Rolle – ebenso wenig wie bei den Menschen, die wir begleiten. Je mehr Deckel wir haben, desto mehr Töpfe freuen sich über einen passenden Begleiter.

Der Rest kommt von allein?

Claudia Heinrich: Nicht ganz. Bevor unsere Hospizbegleiter ihre Tätigkeit aufnehmen, durchlaufen sie eine zweistufige Ausbildung, die insgesamt ein Jahr dauert. Danach können sie entscheiden, ob sie bereit sind für dieses besondere Ehrenamt.

Warum „besonderes“ Ehrenamt?

Anita Arndt: Zum einen ist es das größte Ehrenamt Deutschlands. In keinem anderen Bereich engagieren sich zahlenmäßig so viele Menschen. Zum anderen ist es eine sehr verantwortungsvolle, bereichernde und sinnstiftende Aufgabe, einen Menschen auf dem letzten Stück seines Lebens zu begleiten. Nicht zuletzt gewinnt man in der Auseinandersetzung mit der Endlichkeit einen neuen Blick auf das eigene Leben. Nach der Ausbildung zum Hospizbegleiter ist keiner mehr der Mensch, der er vorher war. Und zwar im positiven Sinne.

Macht das für Sie den Reiz dieser Arbeit aus?

Claudia Heinrich: Nicht nur. Ich arbeite schon lange in der Pflege. In keinem anderen Bereich ist der Dank und die Wertschätzung, die man zurückbekommt – auch von den Angehörigen – so groß, wie in der Hospizarbeit. Und das, obwohl man eigentlich nichts anderes tut als da zu sein und mit einem anderen Menschen Lebenszeit zu teilen.

Sie sprechen die Angehörigen an, sind Sie auch für sie da?

Anita Arndt: Selbstverständlich. Es gibt auch Fälle, in denen wir uns ausschließlich den Angehörigen widmen. Zum Beispiel, wenn der Mann betagt und dement ist und die Ehefrau einfach jemanden zum Reden braucht. Natürlich stehen wir neben der moralischen Unterstützung auch mit professionellem Rat zur Seite und geben etwa Pflegetipps. All das umfasst die Hospizbegleitung. Unser Verein hat zwölf ausgebildete Trauerbegleiterinnen, die über den Tod eines Patienten hinaus für Angehörige da sind.

Infoabende Der Hospizverein Neuburg-Schrobenhausen informiert an zwei Infoabenden über die Ausbildung zur Hospizbegleitung, die im Herbst beginnt. Am Freitag, 20. September, um 19 Uhr im Hospizbüro Neuburg, Münchener Straße 22 (über dem Subway) und am Montag, 14. Oktober, um 19 Uhr in der Volkshochschule Schrobenhausen, Lenbachstraße. Weitere Informationen gibt es telefonisch unter 08431/4364061 oder 0175-8347974, per Mail unter info@hospizverein-neusob.de oder im Internet unter www.hospizverein-neusob.de.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren