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Jubiläum

09.04.2013

„Ich bin zufrieden!“

Auch Landrat Roland Weigert, Dekan Werner Dippel und Bürgermeister Albin Kaufmann (von links) waren gekommen, um Sophie Schuster zu ihrem 107. Geburtstag zu gratulieren.
Bild: Reichl

Sophie Schuster ist die älteste Bürgerin im Landkreis. Im Seniorenstift Straß feierte sie ihren 107. Geburtstag

Burgheim-Straß Am Sonntag feierte die im Burgheimer Ortsteil Illdorf geborene Sofie Schuster zusammen mit ihrer großen Familie, zu der mittlerweile mehr als 30 Enkel, Urenkel sowie Ururenkel zählen, im Seniorenstift Schloss Straß zum 107. Mal ihren Geburtstag. Damit ist sie die älteste Bürgerin im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Da ließ es sich Landrat Roland Weigert natürlich nicht nehmen, der Jubilarin persönlich die Hand zu drücken. Und auch Regionaldekan Werner Dippel sowie Bürgermeister Albin Kaufmann waren gekommen, um zusammen mit der Jubilarin und der Verwandtschaft das Glas zu heben.

Natürlich sind deren schlohweiße Haare dünner geworden und die Wangen etwas eingefallen. Und unter der Haut ihrer knochigen Arme zeichnet sich auch schon so manche blaue Ader ab. Doch wenn Sofie Schuster ihre Gäste willkommen heißt, fällt zuallererst ihr freundliches Wesen auf. „Ich grüße Sie, aber ich will gar nichts haben, nein, ich will gar nichts“, bekennt sie mit leicht knarzender Stimme. Dabei ist aus ihren dunklen, aber stets wachen Augen vor allem eines herauszulesen: eine unbändige Neugierde.

Im Laufe ihres langen Lebens hat Sofie Hudler – so ihr Mädchenname – zwei Weltkriege und fünf verschiedene Staatsformen in Deutschland mitgemacht. Sieben Kinder hat die Geburtstagsjubilarin mit ihrem bereits vor 40 Jahren verstorbenen Mann Theo groß gezogen. Nebenbei kümmerte sie sich aber auch noch um die Nachbarskinder, während deren Eltern der mühsamen Feldarbeit nachgingen. Schließlich war die Zeit damals ein Kampf ums nackte Überleben.

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Kennengelernt hat Sofie Schuster ihren Ehemann in Ludwigshafen. Bereits 1936 wurden die beiden in Burgheim ansässig, schließlich fühlte sich die Jubilarin in ihrer Heimat am wohlsten. Kein Grund jedoch, um nicht auch ein paar Reisen in die Fremde zu unternehmen. Rom und Lourdes standen dabei ebenso auf dem Programm wie eine Reise im Alter von 90 Jahren in die Toskana. Begleitet wurde sie dabei von ihrer ältesten in Augsburg lebenden Tochter Wilfriede.

Ihren 100. Geburtstag hat die Jubilarin noch bei ihrem ältesten Sohn in Burgheim gefeiert. Doch schon kurz darauf war es mit ihrer Selbstständigkeit aufgrund eines unglücklichen Sturzes vorbei. Sie zog ins Seniorenstift nach Straß, wo sie so etwas wie ein „Star“ ist. Schließlich ist eine 107-Jährige auch in einem Altenheim etwas Außergewöhnliches.

Natürlich ist es nicht immer einfach, mit ihr ins Gespräch zu kommen. Während sie den Heimbewohnern und dem Pflegepersonal mitunter noch laut aus der Zeitung vorliest, haben die Ohren zuletzt etwas nachgelassen. Und sie ist auch schon ein bisschen vergesslich geworden. Man merkt es, wenn sie erzählt, weil sich vieles wiederholt. In ihrem Rollstuhl wirkt die Jubilarin manchmal so klein und zerbrechlich. Aber der äußere Anschein täuscht darüber hinweg, was Sofie Schuster auch ausmacht: ihre große innere Zufriedenheit und Gelassenheit, die womöglich nur Menschen zu eigen ist, die schon sehr viel gesehen, erlebt, ausgehalten, ertragen, überstanden und gemeistert haben.

Vielleicht ist es auch das, was man gemeinhin als altersweise bezeichnet. Bei der Geburtstagsjubilarin klingt das „Ich bin zufrieden!“ nicht pathetisch, sondern überzeugend.

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