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Neuburg an der Donau

28.11.2018

Im Sehensander Forst kommt Gutes aus der Tiefe

Neuburgs Oberbürgermeister Bernhard Gmehling (links) und Oberhausens Bürgermeister Fridolin Gößl (Mitte) stoßen zusammen mit (von links) Paul Leikam, der früher für das Trinkwasser und die Abwasserbeseitigung in Neuburg zuständig war, Stephan Strehle, Leiter Gas-, Wasser- und Wärmenetze bei den Neuburger Stadtwerken, Ernst Reng, technischer Leiter Gas, Wasser und Wärme bei den Stadtwerken, und Georg von Großmann, Leiter Netzwirtschaft bei den Stadtwerken, auf ein Vierteljahrhundert Wasserwerk im Sehensander Forst an.
Bild: Manfred Dittenhofer

Seit 25 Jahren wird Neuburg mit Tiefenwasser unter dem Sehensander Forst versorgt. Was dieses 8000 bis 12000 Jahre alte Trinkwasser besonders auszeichnet.

Schon das Wasserwerk selbst liegt etwas ab vom Schuss. Ist man im Neuburger Ortsteil Sehensand, ist man noch lange nicht dort. Das Trinkwasser, das im Sehensander Forst gefördert wird, aber kommt aus einer anderen Welt. Es wird aus drei bis zu 220 Meter tiefen Brunnen geholt. Und das nun seit 25 Jahren. Grund genug, kurz innezuhalten und sich zurückzuerinnern.

Und wer könnte das besser als Paul Leikam. Der ehemalige Amtsleiter im Neuburger Rathaus war von Beginn an an vorderster Front dabei, übernahm sogar die Projektleitung in Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt. Inzwischen im Ruhestand erinnert er sich an die damalige Kostenschätzung von 8,8 Millionen Mark, die nicht zu halten gewesen sei und auf 13 Millionen Euro anstieg. Dafür wurden im Sehensander Forst drei Tiefbrunnen, die in über 220 Meter Tiefe reichen, gebohrt und ein Wasserwerk mit zwei Filterstrecken.

Trinkwasser aus dem Sehensander Forst hat keine Pestizide oder Hormone

Wobei das Tiefenwasser nur von Eisen befreit werden muss, wovon nicht sehr viel anfalle, wie Ernst Reng, technischer Leiter bei den Neuburger Stadtwerken, berichtete. Das sauerstoffarme Wasser werde dann nur noch mit Sauerstoff angereichert. Das Neuburger Trinkwasser ist, je nach wissenschaftlichen Schätzungen, zwischen 8000 und 12000 Jahre alt. Entsprechend gering ist die Schadstoffbelastung. Keine Pestizide, keine Hormone, keine per- und polyfluorierten Chemikalien, kurz PFC. Den relativ hohen Kalkgehalt hat es vom Karst, der es vor Umwelteinflüssen schützt. Darüber liegt eine rund 60 Meter dicke Tonschicht, die als Filter fungiert.

Wie wichtig eine ungefährdete und qualitativ hochwertige Trinkwasserversorgung ist, zeigen der vergangene trockene Sommer und Herbst, die so manche Trinkwasserquelle versiegen ließen. Auch die Qualität leide stark unter den fehlenden Regenfällen. Neuburger Trinkwasser habe noch nie gechlort oder chemisch aufbereitet werden müssen, so Neuburgs Oberbürgermeister Bernhard Gmehling.

Die Tiefenbrunnen in Sehensand liefern 200 Liter pro Sekunde

Seit das Wasserwerk und die Brunnen im Oktober 1993 fertiggestellt wurden, versorgen sie große Teile der Ottheinrichstadt. Pro Jahr liefern die Brunnen rund 2,2 Millionen Kubikmeter Trinkwasser – rund 200 Liter pro Sekunde. Zusätzlich zu den Neuburgern genießen auch die Oberhausener dieses Trinkwasser. Die Gemeinde war schon vorher Wassergast in Neuburg und überschrieb zudem 2006 das Trinkwasserleitungsnetz in den Verbund der Stadtwerke.

Die Enterokokkenbelastung im vergangenen Jahr konnte, so Gmehling, tatsächlich einer Mücke zugeordnet werden, die durch ein Lüftungsgitter in das Trinkwasser gelangt war. Damals gab es ein Abkochgebot. Das Gitter ist inzwischen auch für kleinste Mücken nicht mehr passierbar.

Zur guten Qualität des Trinkwassers kommt der günstige Preis

Zur guten Qualität des Trinkwassers käme sein günstiger Preis, so Gmehling. Der Kubikmeter Trinkwasser kostet den Neuburgern momentan 1,54 Euro und ist damit im Vergleich zu mancher Gemeinde, die ihr Wasser aufwendig aufbereiten muss, günstig. Trotzdem forderte Paul Leikam einen sorgsamen Umgang mit der wertvollen Ressource Trinkwasser. Mithilfe von Regenwasserzisternen könne viel Wasser für die Gartenberegnung oder für Toilettenspülungen gespart werden. Dafür sei es einfach zu wertvoll. Und unendlich sei auch das Tiefenwasser nicht vorhanden.

Bevor das Trinkwasser aus dem Sehensander Forst kam, erinnerte sich Leikam, förderten sogenannte Flachbrunnen am Brandl das Trinkwasser für Neuburg aus Tiefen von zehn bis 20 Metern. Da dieses Reservoir aber durch Niederschlagswasser und Wasser der Donau aufgefüllt wurde, war die Keimbelastung hoch. Das Wasserwirtschaftsamt drängte damals die Stadt zum Bau der Tiefbrunnen.

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