Newsticker

Zahl der Corona-Todesfälle binnen 24 Stunden fast auf Rekordhoch
  1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Immer mehr Eschen sterben ab

Neuburg

22.02.2018

Immer mehr Eschen sterben ab

Das Falsche Weiße Stengelbecherchen befällt junge wie alte Bäume. Die Symptome des Befalls sind schüttere Kronen sowie vertrocknende Blätter und Zweige. Da der Pilz die Leitungsbahnen befällt, stirbt der Baum von oben her ab. An der Rinde bilden sich gelblich- oder rötlich-braune Stellen.
2 Bilder
Das Falsche Weiße Stengelbecherchen befällt junge wie alte Bäume. Die Symptome des Befalls sind schüttere Kronen sowie vertrocknende Blätter und Zweige. Da der Pilz die Leitungsbahnen befällt, stirbt der Baum von oben her ab. An der Rinde bilden sich gelblich- oder rötlich-braune Stellen.

Ein Pilz macht seit Jahren den Bäumen zu schaffen. Auch im Auwald steht ein Viertel des Bestandes auf der Kippe. Welche Gegenmaßnahmen ergriffen werden können.

Der deutsche Wald hat es schwer. Eine Baumart nach der anderen kämpft ums Überleben: Zuerst machte ein Schlauchpilz zusammen mit dem Ulmensplintholzkäfer fast allen Ulmen den Garaus, dann sorgte saurer Regen für das Tannensterben. Kaum hatte sich diese Art erholt, rückten Borkenkäfer den Fichten zu Leibe und lichteten immer mehr die Bestände. Seit 2005 breitete sich von Osteuropa ein unscheinbarer Schlauchpilz aus, das Falsche Weiße Stängelbecherchen, befällt seitdem die Eschen und hat in voller Härte auch den hiesigen Auwald erreicht.

Am gestrigen Donnerstag trafen sich Wissenschaftler und Forstpraktiker der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft Weihenstephan (LWF), der Forstämter Eichstätt und Pfaffenhofen und der Forstdirektion des Wittelsbacher Ausgleichfonds, um sich über ihre Erfahrungen mit dem Schadpilz auszutauschen und über Lösungsansätze für den Auwald der Zukunft zu diskutieren. Denn eines ist sicher: Die Esche wird nicht nur ihre Rolle als Hauptbaumart des Auwalds verlieren, sondern bis auf ein paar resistente Exemplare ganz aus dem Auwald verschwinden.

„Es ist eine Katastrophe! Ein Viertel des Waldbestandes stirbt uns weg“, analysiert Dr. Harald Textor, der Leiter der Forstdirektion des Wittelsbacher Ausgleichfonds, den Schadenszustand. Zusammen mit Revierleiter und Auenexperte Lorenz Biller führte er die Gruppe von Wald-Fachleuten zu den Waldabteilungen im Auwald bei Schloss Grünau, die am schlimmsten vom Eschentriebsterben betroffen sind. Rund 300 Hektar Eschenbestand in der größten zusammenhängenden Hartholzaue Bayerns sind betroffen. Die zwei- bis dreijährigen Bäumchen und der Jungbestand sterben flächenmäßig weg – der Forstmann spricht hier vom „Kälbertod“. Und auch ältere Bäume gehen von außen nach innen kaputt, zuerst einzelne Triebe, dann Zweige und stärkere Äste, schließlich der ganze Baum. Sekundärschädlinge wie der Eschenbastkäfer schlagen zu, wenn der Baum geschwächt ist und besorgen den Rest. Auch von unten greift ein gefürchteter Holzschädling, der Hallimasch-Pilz, an. Er durchwandert, zersetzt und tötet die Wurzeln und destabilisiert den Baum. Er bewirkt aber auch eine Graufärbung des Holzes und damit eine Wertminderung. Befallenes Holz kann nur noch als Brennholz abgesetzt werden bzw. bleibt als ökologisch wertvolles Totholz liegen.

Man sieht es dem Baum nicht an, wie instabil er ist. Ein Windstoß kann dürre Äste abbrechen und den Baum zu Fall bringen. Weil die Gefahr für Waldbesucher allgegenwärtig sei und nicht unterschätzt werden dürfe, mahnt Textor alle Waldbesucher, auf den Wegen zu bleiben, denn der Wittelsbacher Ausgleichsfond könne als Waldbesitzer seiner Pflicht zur Verkehrssicherheit nur auf den Wegen nachkommen. Die kreuz und quer liegenden gestürzten Eschen mit ihren Wurzelstümpfen verdeutlichen diese Warnung. Textor sieht auch einen Zusammenhang des Eschensterbens in der Klimaerwärmung, denn Pilze lieben es nicht nur feucht, sondern auch warm.

„Was wir hier tun können, ist nur Symptombekämpfung“, sagt Textor. Jeder Baum werde begutachtet und nach Gefahrenpotenzial entnommen. Es gelte „Menschenschutz vor Natur- und Vogelschutz“. Doch spricht er auch als Ökonom: 10000 Euro pro Hektar müssten für Bestandsgründung und Pflege aufgewendet werden, bis nach 80 bis 120 Jahren geerntet werden könnte. Deswegen werden die Eschen gefällt, bevor sie der Pilz ganz absterben lässt. Die links und rechts des Weges liegenden riesigen Polder von Eschenstämmen zeigen, dass der Forstbetrieb auf das Eschensterben reagiert.

Weil sich bis heute kein Hoffnungsschimmer abzeichnet, dass die Eschen eine Resistenz gegen den Pilz entwickeln, auch wenn bei einzelnen Exemplaren die Anfälligkeit gegenüber dem Pilz aus bisher ungeklärten Gründen weniger ausgeprägt scheint, denken die Fachleute auch darüber nach, welche Baumarten unter Berücksichtigung von Ökonomie und Ökologie den Platz der Esche einnehmen könnten: Eiche, Linde, Ahorn würden ihre Stellung im Portfolio behalten. Neu bzw. verstärkt hinzukommen könnten Schwarznuss, Sandbirke, Elsbeere, Speierling und Vogelbeere. Bei den FFH- und Natura-2000-Fachleuten sind dagegen Exoten wie Pekannuss, Platane oder Hickory-Arten nicht gerne gesehen. Diese und weitere Fragen sollen in künftigen länderübergreifenden Symposien thematisiert und geklärt werden, war man sich einig.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren