Neuburg

28.10.2013

Immer noch gut drauf

Mit 91 Jahren trat Hugo Strasser am Samstag im Birdland auf.
Bild: Christian Wurm

Hugo Strasser beim Birdland Radio-Jazz-Festival im Neuburger Jazzkeller

„Ich bin froh, dass ich noch dabei sein darf.“ 91 Lenze zählt Hugo Strasser, doch beim Birdland Radio-Jazz-Festival steht er auf der Bühne wie eine Eins. Nicht nur, dass er seine Soli mit virtuoser Fingerfertigkeit und erstaunlich stabilem, ausdrucksstarkem, weich pointiertem Ton in eleganter Zeitlosigkeit präsentiert. Er geht auch bei jedem Beitrag der Kollegen lebendig mit, jeder Zoll ein Bandleader, jede Sekunde präsent, dabei charmant, gelassen, mit ein bisschen Schmäh. „Neulich hat mich am Viktualienmarkt jemand begrüßt: Das ist ja der Hugo Strasser. Ja lebst du noch?“ Und wie er lebt! Seine Klarinette klingt so rund und wohlig wie eh und je. Vom Sternenstaub des Jazz kann man halt nicht genug bekommen, nicht von ungefähr ist Hoagy Carmichaels „Stardust“ eines seiner Lieblingsstücke.

Nach Tanzmusik zurück zum Jazz

Der Klarinetten-Gentleman ist ein Kind jener Zeit, als Swing und Tanzmusik noch ganz nah beieinander waren, sozusagen „Cheek to Cheek“ durch die Ballsäle schwebten. Heute zieht es ihn vom Tanzorchester zu den Hot Five: Nach einer beispiellosen Karriere als musikalischer Tanzlehrer der Nation – welcher bundesrepublikanische Bürgerhaushalt hätte keine seiner Tanzplatten des Jahres in der Musiktruhe gehabt? – entschied sich Hugo Strasser im gesetzten Alter wie seine Kollegen Paul Kuhn und Max Greger wieder für die alte Liebe Jazz. Den hat er auch wirklich noch drauf, ohne Fake und Schwindel, ohne Netz und doppelten Boden, mit „Jumpin’ At The Woodside“ und „Honeysuckle Rose“. Natürlich sind die süffigen, flüssigen Soli ungeheuer routiniert. Immer wieder jedoch blitzt der spritzig-spontane Geist der Improvisation durch, nicht zuletzt in einer wunderbar swingenden Version von Charlie Shavers Klassiker „Undecided“.

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Wobei: So unentschlossen sind diese Hot Five nun wirklich nicht. Dizzy Krisch am wirbelnden Vibraphon, Heinrich Haas am herrlich perlenden Flügel, Karsten Gnettner am stetig walkenden Kontrabass und Werner Schmitt am dezent köchelnden Schlagzeug unterstützen, unterfüttern, ergänzen die Klarinette Hugo Strassers, bisweilen auch die Stimme seiner Lebensgefährtin Eva Pantelli, aufs Vorzüglichste, ganz im Geist des Swing und einer lässig entspannten Musikalität: „All of Me“!

Und wenn Hugo Strasser Duke Ellingtons „Creole Love Call“ anstimmt oder ganz zum Schluss noch Sidney Bechets „Petite Fleur“ intoniert, schmilzt sowieso jeder Gedanke an Zeit, Raum, Alter und Vergänglichkeit dahin.

Sendeterminedes 3. Birdland Radio-Jazz-Festivals: Hugo Strasser Hot Five am 20. Dezember und Joe Barbieri „Chet Lives“ am 21. Januar 2014, jeweils um 23.05 Uhr in der Jazztime auf BR-Klassik. Am 23. November überträgt Bayern 2 ab 22.05 Uhr die Jazznacht live aus dem Birdland.

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