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Maskenpflicht gilt in Deutschland weiterhin - auch im Einzelhandel
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Coronavirus

22.04.2020

In Burgheim wird Mundschutz im Akkord genäht

Die Nähmaschinen von Arnold Fischer (rechts) stehen nicht still. Seine fleißigen Frauen fertigen in seinem Betrieb in Burgheim 40.000 Masken täglich – und es ist noch kein Ende in Sicht.
Bild: Winfried Rein

Plus Arnold Fischer läuft in der Viruskrise mit seinem Betrieb zu Hochform auf. In Burgheim produziert er 40.000 Stück täglich und will noch mehr. 

Masken, Masken, Masken – das Thema ist in aller Munde. Ministerpräsident Markus Söder hat angekündigt, ab Montag müssen alle Bürger im öffentlichen Raum einen Mundschutz tragen. Spätestens jetzt wird genäht, was das Zeug hält – gewerblich wie privat.

Im ganzen Landkreis Neuburg-Schrobenhausen nähen inzwischen tatkräftige Frauen einfache Mund-und-Nasenschutz-Masken aus diversen Stoffen. Nähkreise haben sich gebildet und vernetzt. Unter ihnen ist auch Tanja Kolb. Zusammen mit den Schülern des „Traumtheaters“ hat sie bereits unglaubliche 1500 Masken hergestellt. Das Material organisierte und vermittelte das Landratsamt. „Wir sind für jede Hilfe dankbar, was die Bereitstellung von Bändern, Gummi, Drähten und Garn angeht,“ sagt Sissy Schafferhans von den Freien Wählern. Die Neu-Stadträtin knüpft die Fäden zwischen den einzelnen Akteuren.

Stadträtin Elfriede Müller näht und näht. Die Stoffprodukte ihres Nähkreises gehen ans Rote Kreuz, werden aber auch an Einzelinteressenten abgegeben.
Bild: Winfried Rein

Auch Stadträtin Elfriede Müller hat schon 300 Stoffmasken genäht

Elfriede Müller, die den Neuburger Stadtrat jetzt nach 24 Jahren verlässt, näht ebenfalls seit drei Wochen am laufenden Band. 300 Stoffmasken aus Baumwolle hat sie mit Kolleginnen aus Bittenbrunn und darüber hinaus geschafft. Das Gros geht ans Rote Kreuz. Manchmal streiken die Schultern vom vielen Nähen, „aber wir machen weiter“. Ehemann Fritz muss die Bänder zuschneiden.

In Burgheim wird Mundschutz im Akkord genäht

Masken befeuern den Gemeinschaftsgeist. Angesichts des von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier geschätzten Bedarfes von einer Milliarde Masken pro Monat wirken diese Initiativen allerdings nur wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Es bräuchte mehr Unternehmer wie den Neuburger Arnold Fischer. Der 41-Jährige aus Bergen hat in seinem Betrieb „Symto“ in Burgheim und Neuburg in kürzester Zeit eine regelrechte Nähmaschinerie ins Laufen gebracht. Mit einem Partner in Wolnzach produziert er derzeit 40.000 Masken täglich.

Arnold Fischer würde am liebsten eine Million Masken am Tag produzieren

Das seien aber zu wenig, sagt Arnold Fischer, „ich bräuchte eine Million am Tag.“ Die Anfragen eskalieren, zuletzt gingen 130 an einem einzigen Tag ein. Fischers Handy steht kaum still. Firmen, Fachhandel und Kommunen brauchen jetzt Masken. Die Symto-Mannschaft stellt sie aus Leinenstoff her, mit Aufdruck und gefalzt mit widerstandsfähigen Bändern. Die Näherinnen arbeiten in drei Schichten, auch in der Nacht. Die Besten schaffen 120 Exemplare in der Stunde, einzelne Kolleginnen – auch von Leiharbeitsfirmen – geben dagegen entnervt auf.

Langweilig müssen die Schutzmasken wegen Corona nicht sein. Die Masken werden runder und bunter, es gibt sogar Sonderkollektionen.
Bild: Winfried Rein

Die Masken von Fischer sind sogenannte Community-Masken, also einfache Stoffmasken. Nähautomaten schneiden, falzen und nähen das Grundmodell, dann übernehmen Fischers fleißige Frauen den Rest. Wenn er nicht gerade telefoniert, dirigiert oder unterwegs ist, sitzt der 41-Jährige im Obergeschoß der angemieteten Schreinerhalle an der B16 an seiner Nähmaschine für Prototypen. Aus der rechteckigen Maske macht er jetzt eine runde, Stoffe und Bänder werden bunter: „Die Maske muss nicht unbedingt sexy sein, aber sie muss wirksam sein.“

Bei Symto in Burgheim laufen auch alte Nahmaschinen der Firma Goldix

Der Unternehmer ist offenbar ein Organisationstalent. Er bekommt noch ausreichend Leinenstoff und Plexiglas für Spuckschutz nach Burgheim, wo andere Firmen längst blank sind. Geknüpfte Kontakte und Seriosität zahlen sich aus. 2018 hat Arnold Fischer die Nähmaschinen einer insolventen Firma in Baden-Württemberg übernommen, 2007 hat er die komplette Ausstattung der Firma Goldix aufgekauft. Diese Maschinen braucht er jetzt.

Im Normalmodus stellt Symto Hygienetextilien für Kliniken, Heime und Handel her. Auch diese Abnehmer werden während der Coronakrise beliefert. Die Energie des kleinen Unternehmens fließt aber derzeit in die Produktion der Schutzartikel gegen Infektion mit Covid-19. „Wir versuchen, zu helfen und wir versuchen, nicht unterzugehen“, beschreibt Arnold Fischer seine Maxime. Er kann sich vorstellen, mit staatlicher Hilfe eine Millionen-Masken-Produktion aufzubauen. Er wäre aber auch zufrieden, „wenn der ganze Wahnsinn vorbei ist und ich meine Kinder öfter sehen könnte.“

Wo gibt es Mundschutzmasken? Auf der Homepage der Stadt Neuburg gibt es eine Übersicht, wo es Alltagsmasken zu kaufen gibt. Die Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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