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Neuburg

06.06.2019

In Neuburg Archäologie hautnah erleben

Der stellvertretende Grabungsleiter Julian Schwiatkowski zeigt auf Fundamente eines Hauses.
Bild: Marcel Rother

Plus In der Gärtnerstraße wurden Bodendenkmäler gefunden. Sie werden Stück für Stück von Archäologen freigelegt – Besucher sind herzlich willkommen.

Mit einem Pinsel legt eine Archäologin Stück für Stück alte Mauerreste frei. Bis vor Kurzem schlummerten die Steine noch unsichtbar unter dem Fahrbahnbelag der Gärtnerstraße. Weil diese erneuert wird, sind die Bodendenkmäler im Zuge der Bauarbeiten ans Tageslicht gekommen. Wie in einem archäologischen Freiluftmuseum erstrecken sie sich für Passanten frei einsehbar über die Baustelle. Und geben einen Einblick in die Vergangenheit – ein letztes Mal, bevor sie digitalisiert und dokumentiert ins Archiv wandern, und die echten Überreste endgültig zerstört werden.

Seit März begleitet die Grabungsfirma ArchDienst aus Baar-Ebenhausen die städtischen Bauarbeiten in der Schwalbengasse und Gärtnerstraße. Diese soll saniert und mit einem Aufenthaltsbereich samt Brunnen, Bänken und Bäumen verschönert werden. „Eine archäologische Voruntersuchung ist immer dann notwendig, wenn Bau- oder Bodendenkmäler in der Nähe vermutet werden“, erklärt der stellvertretende Grabungsleiter Julian Schwiatkowski. Im Bereich der Gärtnerstraße zeigte die sogenannte „Bayerische Uraufnahme“ – eine alte Stadt- und Landkarte aus dem 19. Jahrhundert – mehrere Gebäude.

In der Gärtnerstraße gehen seit einigen Wochen Bauarbeiten und archäologische Grabungen Hand in Hand.
Bild: Marcel Rother

Das haben die Archäologen in der Gärtnerstraße gefunden

Und tatsächlich: Die Mauerreste zeigen deutlich einen gepflasterten Flur, geziegelte Wände, und etwas versetzt einen Keller. Das Alter der Funde variiert, erklärt Schwiatkowski. Der Großteil stammt aus der Neuzeit, der Zeit zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert. Dazwischen befinden sich immer wieder Gegenstände, die älter sind, zum Beispiel mittelalterliche Scherben oder Münzen. Bei manchen ist die eingeprägte Jahreszahl noch zu erkennen, andere müssen erst genauer untersucht werden, dann können sie abschließend datiert werden, sagt der stellvertretende Grabungsleiter.

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Neuburg ist extrem reich an Denkmälern, bestätigt Hubert Fehr, zuständiger Referent beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Die verkehrsgünstige Lage mit einem Berg an der Donau und die fruchtbaren Böden hätten dazu geführt, dass sich seit 8000 Jahren durchgängig Siedlungsspuren nachweisen lassen. Insbesondere wegen seiner römischen Vergangenheit sei Neuburg archäologisch interessant. In Verbindung mit der wirtschaftlichen Dynamik der Gegenwart und zahlreichen Baustellen, würden jedes Jahr mehrere Grabungen stattfinden.

Zurück zur Gärtnerstraße: Sind alle Funde freigelegt, werden die Baudenkmäler fotografiert, vermessen, beschrieben und landen schließlich auf Papier und als digitale Dokumente im Archiv des bayerischen Landesamts für Denkmalpflege. Einzelne Funde wie Scherben oder Münzen werden gesäubert und als Originale eingelagert. „Anschließend werden die Mauern abgetragen und sind ein für alle Mal zerstört“, sagt Schwiatkowski. Im Gegensatz zu den Erinnerungen, die so manch ein Passant mit ihnen verbindet. Schwiatkowski erzählt von Nachbarn, die vorbeikämen und ihm allerlei Anekdoten zu den Häusern erzählen können, die dort einmal gestanden haben. Beispielsweise, dass sich darin eine Gärtnerei befunden habe oder sie sich noch erinnern können, wie sie als Kind in einem der damals noch existierenden Hinterhöfe gespielt haben.

Dabei wurde unter anderem dieser Keller freigelegt.
Bild: Marcel Rother

So lange dauern die archäologischen Grabungen in der Gärtnerstraße

Die Grabungen dauern voraussichtlich noch bis Mitte kommender Woche an, schätzt Schwiatkowski. Solange haben Anwohner, Spaziergänger und Interessierte noch die Möglichkeit, seltene Einblicke in die Vergangenheit zu bekommen. Die Archäologen freuen sich über Gäste, die sich für sie und ihre Arbeit interessieren, sagt Schwiatkowski. Auch, weil es so manche gäbe, die kein Verständnis dafür aufbringen. Etwa weil sich durch die Grabungen die Bauarbeiten verzögern. „Im Fall der Gärtnerstraße aber höchstens um einige Tage oder wenige Wochen“, relativiert Christoph Gastl vom Bauamt Neuburg.

Sofern es die Zeit zulässt, geben die Archäologen gerne Auskunft über die Funde, sagt Schwiatkowski. Auf die Frage, ob etwas richtig Spektakuläres dabei sei, antwortet er: „Alles ist spektakulär – schließlich handelt es sich um die Geschichte Neuburgs.“ Eine 20-Kreuzer-Münze aus dem Heiligen Römischen Reich etwa sei dabei gewesen, mit dem Abbild Kaisers Joseph II. darauf. All diese Fundstücke gelte es für die Zukunft zu bewahren, und daraus in der Gegenwart zu lernen. Im Moment präsentiert sich die Geschichte in der Gärtnerstraße wie ein offenes Buch.

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