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Rennertshofen

14.06.2019

In Rennertshofen dürfen Stechmücken weiter stechen

Die Gemeinde Rennertshofen bezuschusst Stechmückenfallen und den Kauf eines mückenspezifischen Bakteriums, das die Larven tötet. Ansonsten hat die Gemeinde eine großflächige Bekämpfung von Schnaken abgelehnt. 
Bild: Adobe Stock

Die Schnaken sind wieder ein Thema. Allerdings nur bei Bürgern - und nicht für die Gemeinde. Denn die hat eine großflächige Bekämpfung ad acta gelegt.

Es geschah am vergangenen Mittwoch. Und es geschah explosionsartig, wie Hans Muschler aus Riedensheim berichtete: Die Mücken sind wieder da. Der Gemeinderat aus dem Rennertshofener Ortsteil beobachtet die Schnaken seit Jahren und setzt sich immer wieder für deren Bekämpfung ein.

Die Wärme, das Donau-Hochwasser und damit das stehengebliebene Wasser in den Senken: Jede Pfütze wird zur Kinderstube für Stechmückenlarven. Am Mittwoch war in den Donau-Auen dann wohl die Zeit des massenweise Schlüpfens der Stechmücken gekommen – und hat Rennertshofen wieder eine Schnakenplage beschert. Im vergangenen Jahr war das Thema eingeschlafen. Zu trocken war es selbst für die Mückenlarven. Aber heuer werden die Rufe wieder laut, etwas zu unternehmen.

Für Rennertshofen ist die Bekämpfung der Stechmücken zu wenig erfolgversprechend

Die Gemeinde Rennertshofen allerdings hat die aktive Bekämpfung als zu teuer und zu unwirksam ad acta gelegt. Noch im vergangenen Jahr hatte man sich Experten aus den Rhein-Auen ins Haus geholt, die die Flora und Fauna entlang der Donauufer untersuchen sollten. Am Rhein gibt es mit der KABS e.V. (Kommunale Aktionsgemeinschaft zur biologischen Stechmückenbekämpfung) einen Zusammenschluss von Kommunen, Landkreis und Landesregierungen zur Bekämpfung der Mücken. Dort wird BTI versprüht. Dieser mückenspezifische „Bacillus thuringiensis israelensis“ wurde in der Negev-Wüste in Israel entdeckt. Das Bakterium bildet während seiner Entwicklung Eiweißkristalle, die von Mückenlarven gefressen werden und diese abtöten.

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Für die Gemeinde Rennertshofen kommt nach Abwägung aller Vor- und Nachteile eine Bekämpfung mit dem BTI allerdings nicht infrage. Denn Bürgermeister Georg Hirschbeck befürchtet, neben den hohen Kosten und der Ineffektivität auch naturschutzrechtliche Probleme auf die Gemeinde zukommen. Seit dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ sieht er den Kampf gegen die stechenden Insekten noch skeptischer. Aber auch ganz rationale Gründe würden dagegen sprechen, so das Gemeindeoberhaupt. „Wir haben in den Donau-Auen viele Büsche und Bäume. Damit kommt ein Besprühen aus der Luft nicht infrage. Freiwillige müssten mit Kübelspritzen durch die Auen ziehen.“ Die Bekämpfung mit dem Hubschrauber sei zudem teuer, die Rede ist von 30.000 bis 40.000 Euro pro Bekämpfung. Und die sei bis zu vier Mal im Jahr notwendig, je nachdem, wie das Wetter und der Donauwasserstand seien. Darüber hinaus kommt ein verwaltungstechnischer Aufwand hinzu, denn die Gemeinde müsste mit jedem Eigentümer das Zugangsrecht auf deren private Grundstücke klären.

Rennertshofen unterstützt finanziell bei privaten Maßnahmen gegen Schnaken

Aus diesen Gründen habe die Gemeinde die potenziellen Brutgebiete nicht mehr ermitteln lassen, sagt Hirschbeck. Stattdessen will er jetzt verstärkt auf Aufklärung und Selbsthilfe der Bevölkerung setzen. „Wir unterstützen unsere Gemeindemitglieder beim Kauf von Schnakenfallen mit 50 Euro. Und wir bieten den BTI zum Selbstkostenpreis für die Nutzung im eigenen Privatbereich wie in Gartenteichen und Regentonnen.“ Trotzdem seien von den rund 100 Packungen in den vergangenen drei Jahren nur etwa die Hälfte verkauft worden. Und lediglich neun Schnakenfallen habe die Gemeinde bezuschusst, so Hirschbeck weiter. Beides nicht die große Menge, findet Hirschbeck. Der Bürgermeister setzt auf die Einsicht der Bevölkerung, dass es immer schon Schnaken gegeben habe und ein Eingriff in die Natur nicht notwendig sei.

Lesen Sie dazu den Kommentar von Claudia Stegmann: Schnaken bekämpfen? Lieber die Natur Natur sein lassen

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