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Stadtteilserie: Mein Neuburg

29.03.2009

In der Neuburger Vorstadt

Ried-Hessellohe Das Ortsschild an der Ingolstädterstraße zeigt es an: Hier beginnt Ried. Ein Stadtteil, der schon lange mit Neuburg verwachsen ist.

Früher war Ried ein Bauerndorf, das zwar schon immer von der Nähe zur Donaustadt profitierte, aber trotzdem ein eigener Ort war. Bis vor dem Krieg dominierte hier die Landwirtschaft das Bild, heute gibt es nur noch einen Bauern.

"Eigentlich sind wir jetzt nur noch Wohngebiet für Neuburg", sagt Andreas Abspacher. Der 87-Jährige ist in Ried geboren und kennt das Dorf, wie es früher war. Da habe sich die Jugend noch im Arco-Schlösschen getroffen. Gab es Probleme oder hat einer Hilfe gebraucht, war der Nachbar da. Und die Bauern haben sich bei der Feldarbeit die neuesten Geschichten erzählt. "Jetzt haben wir halt viele Zugereiste, die hier einfach nur ihr Haus gebaut haben", sagt Abspacher. Aber selbst, wenn Ried optisch nicht mehr von Neuburg abzugrenzen sei, er und die anderen Alteingesessenen fühlen sich immer noch als "echte Rieder und nicht als Neuburger".

Seit Abspacher selbst in den 60ern für seine Familie gebaut hat, hat sich das Ortsbild stark verändert. Auf dem Gelände der Strumpffabrik stehen heute Reihenhäuser. Die Ziegelei am Ortsrand ist heute nur noch Lagerbetrieb und das Gebäude der Raiffeisenbank steht leer. Abspracher erinnert sich auch noch an die Zeit, als man zum kleinen Tante-Emma-Laden zum Einkaufen ging und nicht wie jetzt zum Marktkauf.

In der Neuburger Vorstadt

Die Zeiten haben sich geändert und die Lage am Rieder Berg ist begehrt - hier wohnt es sich nicht weit von der Stadt, trotzdem im Grünen und man hat irgendwie das Gefühl, am Land zu sein. Der Verkehr an der Ingolstädterstraße belastet die Bewohner immer mehr. Doch in den Straßen dahinter herrscht Ruhe.

Fast ein bisschen zu ruhig ist es Cornelia Heuberger. Der Dorfplatz vorm - derzeit verwaisten - Gasthaus Weißes Rössl - ist nicht nur der Vorsitzenden des Gartenbauvereins ein Dorn im Auge. Spätestens, nachdem die Stadt dort ein Trafohäuschen gebaut hat, ist die gemeinsame "Mitte" von Ried und Hessellohe keine mehr.

Der Platz könnte eigentlich das Zentrum sein, denn hier hängen die Schaukästen der Vereine und der Stadt. Hier ist der Briefkasten, die Telefonzelle, die Bushaltestelle. Die Dorfgaststätte gibt es schon, nur wird dafür gerade ein neuer Pächter gesucht. Eine Initiative zur Dorfverschönerung gab es einmal, "aber die ist bestimmt schon wieder eingeschlafen", sagt Cornelia Heuberger. Zusammen mit anderen Riedern hat sie gegenüber der Stadt schon einen langen Atem bewiesen und durchgesetzt, dass die Litfaßsäule am Platz entfernt wird.

Um nicht mehr länger auf eine optische Verbesserung zu warten, hat der Gartenbauverein vergangenen Sommer auf eigene Kosten Thuja- und Buschpflanzen gesetzt. Die Krokusse schauen auch schon heraus. "Jetzt brauchen wir noch eine Bank", sagt Heuberger.

Ried hat ein aktives Vereinsleben. Beim Sportclub SC Ried trainieren nicht nur Rieder, sondern Sportbegeisterte aus ganz Neuburg kommen zu dem Verein, der seit sechs Jahren auf einem neuen Gelände trainiert. Im Sportheim treffen sich die Einheimischen zum Stammtisch. Und auch bei den Schützen und der Feuerwehr wird die Gemeinschaft am Leben erhalten. Seit Anfang der 90er gibt es in Ried zudem das Montessori-Kinderhaus.

Man trifft sich sonntags in der Rieder Kirche, deren Kreuzweg erst kürzlich renoviert wurde. An der Josefskapelle werden die Frauen des Gartenbauvereins am kommenden Wochenende wieder ihren Osterbrunnen mit 800 selbst bemalten Eiern schmücken.

Doch natürlich haben die Anwohner auch Wünsche. Wer mit dem Stadtbus nach Neuburg fährt, ärgert sich zeitweise, dass der Bus nicht mehr bis zum Berg hinauf fährt. Die Haltestelle ist bei der Gaststätte Heiß und dann heißt es Laufen. "Für ältere Menschen ist das wirklich ein Problem", sagt Klaus Brems. Der Stadtrat der Freien Wähler wohnt selbst in Ried und kennt die Belange daher besonders gut. Aber Brems hat nicht viel Hoffnung, dass sich dieses Problem bald lösen wird. "Es ist eigentlich müsig, darüber zu diskutieren, es ist ein altes Problem", sagt er.

Wer mit dem Auto in die Stadt fährt, schlängelt sich über die Donaubrücke. "Wir müssen eben immer über dieses Nadelöhr", sagt Klaus Brems. Wer den Stau zu Zeiten des Berufsverkehrs vermeiden wolle, müsse früher aufstehen. Er selbst ärgere sich immer wieder über die lange Wartezeit. "Aber das ist eben das Schicksal, wenn man auf der anderen Seite der Donau lebt."

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