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29.06.2009

In vollem Galopp sein Glück versuchen

Neuburg "Laissez les aller" ruft Herold Siegfried als pfalzgräflicher Ausrufer mit rauer Stimme. Recke Dieter hat die Aufforderung sehr wohl vernommen. Ein leichter Klaps auf das Hinterteil seines edlen Hengstes und schon galoppiert der Vierbeiner mit seinem Herrn im Sattel in die Arena. Auch wenn der Sand vom vorhergegangenen Regen noch getränkt ist, wirbelt dennoch Staub auf. Die Lanze fest im Griff will Recke Dieter unbedingt den "Türken" treffen und die beiden Ringel stechen, um sie dann zu Füßen der Turnierkönigin zu legen. "Geschafft, 13 Punkta", verkündet Herold Siegfried lautstark von der Kanzel herab das Ergebnis. Dr. Dieter Munzinger, so der bürgerliche Name des tapferen Recken, sorgte am Samstagnachmittag für einen grandiosen Auftakt beim Ringelstechen der Turnierreiter im Hof des altehrwürdigen Marstalls in Neuburgs oberer Altstadt.

Auch wenn die Veranstaltung alle zwei Jahre, von kleinen Änderungen mal abgesehen, nach dem gleichen Schema abläuft, gelten die vom Reit- und Fahrverein veranstalteten Turnierspiele als echte und nicht wegzudenkende Schlossfestzugnummer. Am Samstagnachmittag gewann das Spektakel aufgrund hohen politischen Besuchs an Brisanz. Kein Geringerer als Bayerns Landesvater Horst Seehofer war mit Gattin Karin gekommen um sich erstmals ein Bild zu machen, welcher Lust und Freude die höfische Gesellschaft zurzeit von Kurfürst Ottheinrich frönte. Digitalkameras klickten und TV-Kameras sowie Camcorder liefen, die Medienpräsenz war riesig, die zeitliche Verzögerung der Veranstaltung folglich unerlässlich.

Mit Horst Seehofer und seiner Frau richteten sich weitere 350 Augenpaare auf das farbenfrohe Geschehen. Darunter auch die von Stadtoberhaupt Dr. Bernhard Gmehling, dessen Stellvertreter Heinz Enghuber sowie Landrat Roland Weigert und deren Ehefrauen.

Fanfaren und Trommelwirbel ertönen, lautes Geschrei erklingt, das Schnauben und Wiehern der Rösser wird stärker. Ja, jetzt ist der Augenblick gekommen, auf den die Zuschauer sehnsüchtig gewartet hatten. Wilde Landsknechte formieren sich zur Abwehrschlacht, der Lästerer wird von der Stadtwache an den Pranger gestellt, Armbrust- und Bogenschützen versuchen ihre Pfeile ins vorgesehene Ziel zu befördern und Recke "Dietmar von der Heide" kann es nicht lassen, sich auf ein Scharmützel mit einem Bahnwächter einzulassen. Da ist auch noch "Anja von Auchsesheim" die mit ihrem Friesenhengst reiterische Kunst in Vollendung präsentiert. Ob der "spanische Tritt", der "starke Trab" oder der "versammelte Galopp" - Pferd und Reiterin sind der Applaus gewiss.

In vollem Galopp sein Glück versuchen

Das Rahmenprogramm zählt zum belebenden Element der Reiterspiele. Kernstück ist jedoch das Ringelstechen, das schon Ottheinrich und dessen Nachfolger als einer ihrer liebsten Vergnügungen betrachteten. Keine leichte Aufgabe für die Reiter, wenn sie in vollem Galopp ihr Glück versuchen. Nicht alle schaffen das Kunststück und damit einen Platz ganz vorne. Nachdem die "Punkta" verteilt und der Siegerkranz samt Küsschen ausgehändigt ist, erhebt zum "End" des Spiels mit edlen Damen und Reitern" Herold Siegfried den vollen Becher. "Jungpfalz, vivat hoch", erschallt es aus den Kehlen.

Hofnarr Luzelot indes hat sich längst zur Pflege seiner ihm zugefügten Blessuren in die hinterste Ecke des Turnierplatzes verzogen. Gedankenverloren lauscht er dem monotonem Gemurmel der Masse und der Musik die sich etwas fremdländisch anhört. Der Duft der Zehrbuden der sich über der Altstadt verbreitet und der Gedanke an einen kühlen Trink, lassen Luzelot in den Tiefschlaf versinken. Wünsche schön geträumt zu haben.

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