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Ingolstadt

20.01.2021

Ingolstadt und die Region: Kurzarbeit 2020 auf Rekordniveau

Viele Läden und Cafés mussten zumindest vorübergehend schließen und haben Kurzarbeit angemeldet.
Foto: ©Sabine - stock.adobe.com

Plus Die Agentur für Arbeit Ingolstadt hat ihre Jahresbilanz für 2020 bekannt gegeben. Sie zeigt: Die Corona-Pandemie hat auf dem Arbeitsmarkt in Neuburg und Umgebung deutliche Spuren hinterlassen. Was das genau bedeutet.

Die Kurzarbeit hat 2020 einen nie da gewesenen Höchststand erreicht. Bisher sei dieses Instrument in der Region kaum angewendet worden, höchstens bei saisonbedingtem Arbeitsausfall, sagte Johannes Kolb, Leiter der Agentur für Arbeit Ingolstadt, als er am Mittwoch Bilanz zur Entwicklung des regionalen Arbeitsmarkts 2020 zog. Sowohl im Stadtgebiet Ingolstadt als auch im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen mussten zahlreiche Betriebe Kurzarbeit anmelden.

Ab dem ersten Lockdown Mitte März bis Jahresende beantragten im Agenturbezirk knapp 5800 Betriebe Kurzarbeitergeld für insgesamt fast 94.000 Beschäftigte. Zum Vergleich: Ein Jahr davor nahmen dieses Instrument lediglich rund 100 Unternehmen für 3100 Mitarbeiter in Anspruch – eine Steigerung um circa 5200 Prozent. Im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen zeigten laut Arbeitsagentur 1068 Betriebe Arbeitsausfälle für insgesamt 15.050 Beschäftigte an. Zuvor waren es 14 Unternehmen für 1443 Arbeitnehmer. In diese Statistik würden allerdings auch solche Beschäftigte fallen, die beispielsweise nur fünf Tage in einem Monat betroffen waren, ordnet Kolb die Zahlen ein. Um diesen Ansturm an Kurzarbeitergeld-Anträgen bewältigen zu können, musste die Arbeitsagentur sogar intern Personal umschichten, berichtet der Agentur-Chef.

Kurzarbeit in Ingolstadt und Region: Branchen unterschiedlich betroffen

Dabei hatte das Jahr 2020 noch ganz gut begonnen, meint Kolb. Der Arbeitsmarkt in der Region zeigte sich trotz des Strukturwandels in der Automobilindustrie stabil. Der jahrelange Anstieg an Erwerbstätigkeit hatte einen Höhepunkt erreicht. Doch dann kam die Corona-Pandemie. Und so wurde 2020 erstmals ein Rückgang der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten festgestellt, von 226.021 auf 224.026 (Stichtag jeweils Juni 2019 und 2020). Diese Entwicklung stellte sich für die einzelnen Branchen allerdings sehr unterschiedlich dar. Während Zeitarbeiter, die Metall- und Elektroindustrie und das Gastgewerbe hiervon stark betroffen waren, beschäftigten das Gesundheitswesen, die öffentliche Verwaltung, das Baugewerbe und der Bereich Erziehung und Unterricht mehr Personen als vor einem Jahr, heißt es im Bericht der Arbeitsagentur Ingolstadt.

Der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen kann zwar einen Anstieg um 155 Beschäftigte verzeichnen, doch warnt Kolb davor, dies überzuinterpretieren. Die Unterschiede innerhalb der Region seien dafür zu gering.

Die Arbeitslosenquote der Region 10 lag 2020 im Jahresdurchschnitt bei 2,7 Prozent (2019: 2,0 Prozent), im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen bei 2,5 Prozent (2019: 1,9 Prozent). Menschen, die sich neu oder erneut arbeitslos gemeldet haben, waren es in der Region zwar weniger als im Jahr zuvor, nämlich 290. Allerdings schafften es über 2000 Personen mehr als noch 2019 nicht, wieder in Arbeit zu kommen. Das liege vor allem daran, dass sich die negativen Auswirkungen der Pandemie stark im Bestand an offenen Stellen widerspiegelten, erklärt Kolb. Das Angebot ging um mehr als 31 Prozent zurück. „Die Nachfrage nach Arbeitskräften war über das gesamte Jahr 2020 sehr verhalten. In erster Linie ging es in den Unternehmen darum, eingearbeitetes Personal nicht freisetzen zu müssen.“ Zudem dürften Betriebe, die Kurzarbeit angemeldet haben, keine Neueinstellungen vornehmen, erläutert der Leiter der Arbeitsagentur.

Arbeitslosigkeit: Region um Ingolstadt steht immer noch gut da

Durchschnittlich waren im vergangenen Jahr 7795 Menschen in der Region arbeitslos gemeldet. Dies bedeutet gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 2052 Personen (35,7 Prozent). Im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen waren es im vergangenen Jahr 1460 Menschen – eine Zunahme um 355 Personen (32,1 Prozent). Die Anzahl der Langzeitarbeitslosen stieg in Neuburg-Schrobenhausen von 169 in 2019 auf 230 in 2020, in der gesamten Region von 1054 auf 1288.

Trotz der „deutlichen Belastung“ des Arbeitsmarktes herrsche in der Region 10 aber immer noch Vollbeschäftigung, beruhigt Kolb. Und obwohl der Süden Deutschlands mit seiner Automobilbranche und dem Fremdenverkehr besonders von der Corona-Krise gebeutelt worden sei, stünde die Region 10 im bundesweiten Vergleich weiterhin sehr gut da. Nun komme es darauf an, wie lange der Lockdown noch dauert und wie der Start danach gelingt, sagt der Chef der Arbeitsagentur Ingolstadt. Er zeigt sich optimistisch: Im Moment sehe es danach aus, als könnten sich die Wirtschaft und der Arbeitsmarkt von der Krise erholen und wieder in Schwung kommen.


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