1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Ingolstadts Ex-OB Lehmann räumt erneut Fehler ein

Ingolstadt

13.09.2019

Ingolstadts Ex-OB Lehmann räumt erneut Fehler ein

Ingolstadts Ex-Oberbürgermeister Alfred Lehmann hat vor dem Landgericht Ingolstadt erneut Fehler eingeräumt.
Bild: Ulrich Wagner

Sein Verteidiger gibt vor dem Landgericht Ingolstadt eine Erklärung ab, die als Geständnis gemeint ist. Wie die 1. Strafkammer das wertet, bleibt abzuwarten.

Ingolstadts Ex-Oberbürgermeister Alfred Lehmann hat am Freitag vor dem Landgericht Ingolstadt erneut Fehler zugegeben. Seit März steht der frühere Rathauschef vor Gericht. Der 69-Jährige wurde wegen Bestechlichkeit und Untreue angeklagt. Auch wenn Teile der Vorwürfe (Untreue) inzwischen fallengelassen wurden, geht es für Lehmann nach wie vor um viel: Ihm droht Gefängnis.

Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt wirft Lehmann vor, sich in seiner Zeit als Oberbürgermeister - als er von Amts wegen auch Vorsitzender verschiedener Aufsichts- und Verwaltungsgremien städtischer Tochtergesellschaften war - dafür eingesetzt zu haben, dass bestimmte Bauträger Zuschläge für Immobilien erhielten. Später soll er dann laut Anklage Wohnungen in diesen Immobilien günstiger bekommen haben. Es geht um Studentenbuden (Hildegard-Knef-Straße) und Lehmanns Privatwohnung (in der Sebastianstraße). Laut Anklage könnte Lehmann von einer Summe im sechsstelligen Bereich profitiert haben.

In der längeren Erklärung, die Lehmanns Verteidiger Andreas von Mariassy verlas, hieß es mit Blick auf die von Lehmann erworbenen Studentenwohnungen, sei seinem Mandanten „bewusst“ gewesen, dass er ein „sehr günstiges Angebot bekommen“ habe, welches er in seiner damaligen Position nicht habe annehmen dürfen. Und was sein Appartement in der Sebastianstraße betrifft, ließ Lehmann über seinen Verteidiger erklären: „Er hat den angebotenen Vorteil angenommen.“

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Ende Juli hatte Ex-OB Lehmann bereits Fehler eingeräumt

Nachdem Lehmann zum Prozessauftakt vehement seine Unschuld beteuert hatte, hatte er Ende Juli bereits Fehlverhalten eingeräumt. Vorausgegangen war diesem Teilgeständnis damals ein rechtlicher Hinweis der 1. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Jochen Bösl, dass - ohne ein von Reue getragenes umfassendes Geständnis - auch eine Freiheitsstrafe von über zwei Jahren in Betracht komme. Sprich: Haft. Allerdings hatte die Kammer danach durchaus Zweifel daran erkennen lassen, ob „so ein Geständnis sehr aufklärend“ sei.

Der neuen Erklärung Lehmanns am Freitag nun war am Montag ein Termin beim Richter vorausgegangen, den die Verteidigung angeregt hatte. Aus dem von Richter Bösl verlesenen Protokoll dieser vorläufigen Bestandsaufnahme (kein Verständigungsgespräch), bei der auch die Vertreter der Staatsanwaltschaft dabei waren, geht hervor, dass aus Sicht der Kammer - zum gegenwärtigen Stand der Beweisaufnahme - eine Verurteilung Lehmanns wegen Bestechlichkeit in Betracht käme.

Wie nun die neuerliche Erklärung Lehmanns vom Gericht gewertet wird, bleibt erneut abzuwarten. Ist es ein Geständnis, das Lehmann gegebenenfalls Gefängnis ersparen könnte? Für den kommenden Verhandlungstag will Lehmann auf Fragen zu seiner Erklärung antworten. Die Urteilsverkündung wurde daher erneut verschoben. Neuer Termin ist der 22. Oktober. (kuepp)

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren