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Ingolstadt

02.12.2020

Ingolstadts Zweite Bürgermeisterin Deneke-Stoll im Interview

Dorothea Deneke-Stoll ist seit der Wahl im März im Amt als Ingolstadts zweite Bürgermeisterin.
Bild: Manfred Dittenhofer

Plus Ingolstadts zweite Bürgermeisterin Dorothea Deneke-Stoll spricht über ihr Amt, ihre Hobbys und die Pandemie.

Staatsanwältin, Richterin, Direktorin der Amtsgerichte Neuburg und Ingolstadt, ehrenamtliche Synodalpräsidentin in der evangelischen Kirche – und nun zweite Bürgermeisterin von Ingolstadt. Im Interview spricht Dr. Dorothea Deneke-Stoll über das Rathaus, die Stadt und über die momentane Situation.

Sie engagierten sich erst eine Legislaturperiode lang in der Kommunalpolitik und nun sind Sie zweite Bürgermeisterin. Wie kam es dazu?

Dorothea Deneke-Stoll: Ich war neben meiner Arbeit sehr aktiv in der evangelischen Kirche, als Synodalpräsidentin. Diese Aufgabe, neben der vollen Direktorinnenstelle, war schon heftig, da sie auch mit sehr vielen Auswärtsterminen verbunden war. So beschloss ich, den Posten bei der nächsten Wahl abzugeben. Und in dieser Schlussphase in der Synode wurde ich gefragt, ob ich mich als Seiteneinsteigerin auf die CSU-Stadtratsliste setzen lassen wolle. Damals war ich noch parteilos. Herausforderungen habe ich immer gerne angenommen. Schnell habe ich festgestellt, dass man in der Kommunalpolitik vor Ort etwas bewegen kann. Deshalb habe ich auch für die zweite Legislaturperiode kandidiert. Das Amt der Bürgermeisterin hat sich dann ergeben.

Was gibt Ihnen dieses Amt?

Deneke-Stoll: Es bringt jetzt erst einmal viele neue Erfahrungen. Und es bringt mir das Gefühl, dass ich mich mit meiner Art und meinen Fähigkeiten noch einmal in spezieller Weise für die Stadt und die Bewohner einbringen kann. Ich hoffe, dass ich das ein oder andere im positiven Sinne bewirke.

Haben Sie nach einem halben Jahr das Gefühl, dass das auch funktioniert?

Deneke-Stoll: Doch, ja, das kann ich schon sagen. Natürlich gibt es immer Momente, in denen man sich Entscheidungen anders vorgestellt hätte. Aber das ist doch Demokratie. Kompromisse liegen mir als Juristin. In diesem Beruf lernt man, zwischen Extrempositionen zu vermitteln.

Wie sehr schränkt die Pandemie Ihre Arbeit ein?

Deneke-Stoll: Schade ist, dass wichtige Veranstaltungen ausfallen oder nur wenige Menschen teilnehmen dürfen. Die Sportlerehrung zum Beispiel. Es hätte mich gefreut, die Sportler auszeichnen zu dürfen. Oder unsere Museen. Ich hätte mir gewünscht, dass mehr Menschen bei den Ausstellungseröffnungen oder bei der Eröffnung des Fleißer-Hauses hätten dabei sein können.

Was hat Ihnen bisher am meisten Respekt abgenötigt?

Deneke-Stoll: Ich habe Einblicke in Altenheime bekommen. Unser Pflegepersonal wie auch das Personal in den Krankenhäusern versuchen gerade, die Balance zu finden zwischen menschlicher Nähe und der notwendigen Distanz, um Ansteckungen zu vermeiden. Oder auch unsere Schausteller, die alles versucht haben, unter widrigsten Umständen trotzdem so etwas wie ein Volks- oder ein Herbstfest durchzuführen.

Auf was hätten Sie in dieser Phase gut verzichten können? Was nervt Sie persönlich am meisten?

Deneke-Stoll: Dieses ganze Leben auf Distanz. Ich bin bestimmt nicht dieser Küsschen-rechts-Küsschen-links-Typ. Aber kein Händeschütteln. Zwei Meter Distanz. Gesichter und Mimik versteckt hinter Masken. Die Kommunikation ist dadurch schon sehr eingeschränkt.

Zwei Frauen als zweite und dritte Bürgermeisterin hat es in Ingolstadt noch nicht gegeben. Verändert das die Arbeitsatmosphäre?

Deneke-Stoll: Wir arbeiten alle gut zusammen. Natürlich sind die Frauen trotzdem zahlenmäßig noch in der Minderheit und es ist festzustellen, dass alles rund um die Finanzen fest in Männerhand ist. Frauen nehmen sich häufig der kulturellen und sozialen Themen an. In Ingolstadt aber haben wir zum Beispiel auch eine Planungsreferentin.

Um welche Bereiche kümmern Sie sich?

Deneke-Stoll: Meine Schwerpunkte sind Kultur, Schule, Kitas und Sport. Weiter um die Bereiche, die mit Recht und Sicherheit zu tun haben und auch die Wirtschaftsförderung. Vieles läuft über die Referenten und auch den OB. Der Oberbürgermeister und die Bürgermeisterinnen treffen sich wöchentlich mindestens einmal zum Jour fixe.

Wo möchten Sie Ingolstadt in sechs Jahren sehen?

Deneke-Stoll: Das Wichtigste ist, gute Lebensqualität für unsere Bürgerinnen und Bürger zu ermöglichen. Allerdings wird die Stadt finanzielle Einbußen wegen der Pandemie hinnehmen müssen. Wir hoffen, dass wir einigermaßen glimpflich durch diese extreme Situation kommen und den Standard, den wir jetzt haben, halten können. Das betrifft die Kultur und den Sport genauso wie die Naherholung. Außerdem muss Ingolstadt sein Image stärken. Tourismus ist ein wichtiges Thema. Wir werden uns mit der Innenstadt ausführlich auseinandersetzen. Die Kammerspiele werden kommen und auch das Kongresszentrum. Wichtig ist es, die Innenstadt gut aufzustellen. Mein Ziel ist es, dass wir dahingehend einen guten Schritt vorankommen. Ingolstadt muss als Hochschulstandort mehr wahrgenommen werden. Und dann natürlich der große Bereich der Wirtschaft, bei der wir uns einfach breiter aufstellen wollen. Wir brauchen unsere Automobilindustrie. Wir brauchen aber auch ergänzend dazu andere Wirtschaftszweige.

Was machen Sie denn, wenn Sie nicht arbeiten?

Deneke-Stoll: Mein Mann und ich reisen gerne, aber das geht ja momentan nicht. Aber wir wandern auch sehr gerne. Und wandern kann man ja auch in unserer unmittelbaren Umgebung sehr gut. Außerdem gehe ich gerne ins Kino. Aber auch das funktioniert gerade nicht. Und Lesen natürlich, vom Krimi bis zur Sachliteratur.

Welche Länder möchten Sie noch besuchen?

Deneke-Stoll: Der Norden Kanadas würde uns sehr interessieren. Und Spitzbergen wollen wir auch mal erkunden.


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