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Neuburg

12.04.2016

Ingolstädter Stadtwerke wildern in fremdem Gebiet

Die Stadtwerke Ingolstadt bieten derzeit günstigen Öko-Strom an - und zwar der ganzen Region.
Bild: dpa, Bernd Thissen

Mit einer Postwurfsendung wirbt der Stromanbieter um Kunden – sehr zum Ärgernis der Neuburger.

Wie sagt man so schön? Es gibt diplomatische Verwicklungen. So nennt man es in der hohen Politik, wenn sich das eine Staatsoberhaupt über das Verhalten eines anderen Staatschefs ärgert. Zwischen Neuburg und Ingolstadt liegen derzeit ähnlich negative Schwingungen in der Luft. Der Grund: Werbung.

Die Stadtwerke Ingolstadt nämlich, ein Unternehmen der Stadt Ingolstadt und der MVV Energie AG in Mannheim, wildern in fremdem Gebiet. Mit Postwurfsendungen in Neuburger Briefkästen wirbt der Ingolstädter Stromversorger für seine Produkte. In den vergangenen Wochen wurden die Flyer an viele Haushalte in Neuburgs Stadtteilen verteilt. Ein absolutes Unding, finden zumindest Neuburgs Oberbürgermeister Bernhard Gmehling und der Chef der Neuburger Stadtwerke, Richard Kuttenreich.

Denn auch wenn rechtlich nichts dagegen spricht, dass Konkurrenz aus dem „Ausland“ in fremdem Hohheitsgebiet für ihre Produkte wirbt, so sei es „nicht besonders freundlich“, findet der OB: „Es gibt seit Jahrzehnten ein Gentlemen’s Agreement, das so ein Vorgehen ausschließt.“ Es ist also ein ungeschriebenes Gesetz, dass benachbarte und befreundete Landkreisen sich nicht gegenseitig die Kunden wegnehmen. Doch den Ingolstädtern scheint das egal zu sein. „Wir haben für die komplette Region 10 ein Stromprodukt derzeit im Angebot“, erklärt Pressesprecher Andreas Schmidt, „das günstigen Öko-Strom enthält“. Und dafür wird geworben – flächendeckend. Die Stadtwerke haben sich dazu einen Adressdienstleister gebucht, der ihnen die Anschriften von „produktaffinen“ potenziellen Kunden liefert. Aus Gründen des Datenschutzes gehen die Adressen direkt an die Druckerei und anschließend per Postwurf an die Bürger, wie Schmidt berichtet.

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Das Zielgebiet sei die ganze Region 10 – und damit sind auch Adressen aus dem Neuburger Stadtgebiet mit dabei. „Wir wollen den Neuburger Stadtwerken nicht gezielt die Kunden abspenstig machen“, so der Pressesprecher, „die Adressen sind einfach in der Datei mit dabei“.

Dass die erstmalige Werbungsaktion solch hohe Wellen schlägt, habe man nicht geahnt. Und: Sie ist zweistufig angelegt, das heißt, dass schon bald ein zweiter Flyer an die gleichen Haushalte verschickt wird.

Ob sie Erfolg hat, weiß Schmidt noch nicht: „Da wir gerade erst gestartet sind, kann ich noch nicht sagen, ob wir bereits Neukunden akquirieren konnten.“ Richard Kuttenreich ist davon überzeugt, dass die Neuburger Stadtwerke das bessere Angebot haben und sie die Konkurrenz nicht fürchten müssen: „Auch wir arbeiten an einem neuen Tarif. Spätestens Mitte des Jahres wird es so weit sein.“

Im Gegensatz zu den Ingolstädtern, die als GmbH auf Gewinne angewiesen seien, habe man in Neuburg schon noch ein paar Trümpfe in der Hand: „Unser größter ist der, dass die Neuburger loyal hinter ihren Stadtwerken stehen und das Geld hier lassen.“

Trotzdem will der Oberbürgermeister aktiv werden: „Ich werde noch in diesen Tagen einen Brief an Ingolstadts Oberbürgermeister Christian Lösel schreiben und an das Gentelmen’s Agreement erinnern.“

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