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Rennertshofen/Donauwörth

12.09.2013

Initiative gegen Windkraft gegründet

Der trübe Himmel gestern über Ammerfeld spiegelt die Stimmung einiger Bewohner wider. Obwohl mittlerweile sämtliche gerichtliche Instanzen ausgereizt sind und die Kläger auch Recht bekamen, dass das Windrad zwischen Ammerfeld und Burgmannshofen lauter als zulässig ist, hat sich noch nicht genug geändert, als dass die Anwohner Frieden mit dem Windrad schließen könnten.
Bild: Michael Geyer

Während in Donauwörth eine Gruppe den Bau von Windrädern im Stadtgebiet verhindern will, sorgt das Windrad in Ammerfeld weiterhin für Unmut bei den Anwohnern. Es soll technisch nachgerüstet werden

Rennertshofen/Donauwörth In Donauwörth hat sich eine Bürgerinitiative gegen Windkraftanlagen im westlichen Stadtgebiet gegründet. In das Schützenheim nach Riedlingen kamen rund 180 Interessierte, 72 von ihnen schlossen sich mit ihrer Unterschrift der Bürgerinitiative an. Sie trägt offiziell den Namen Initiative gegen Windparkplanungen in Donauwörth, kurz IGWD.

Die Gruppe möchte sich gemeinsam gegen den Bau von mindestens fünf Windkraftanlagen auf den Ausläufern der schwäbischen Alb engagieren und verhindern, dass sich „generell auf diesem Gebiet“ zwischen Huttenbach, Schwarzenberger und Reichertsweiler Hof ein Windrad dreht. Die Anlagen würde das Landschaftsbild verschandeln, mit Schattenwurf und Lärm die Anwohner belästigen und deren Grundstücke und Immobilien im Wert mindern. „Hier werden Anlagen geplant ohne Rücksicht auf die Bürger. Wir wollen diese Form der Energiegewinnung nicht generell verhindern. Aber hier darf kein Windrad stehen“, sagte Initiator Bernhard Blattner.

Das Areal ist die einzige Fläche, die Donauwörth als möglichen Standort für Windräder ausweist. Durch die Flughäfen bei Eurocopter, in Zirgesheim und Genderkingen, den Naturpark Altmühtal und weiteren Abstandsregelungen zu Wohnhäusern bleibt allein dieses Gebiet im Westen der Stadt.

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Fünf Windräder sollen westlich von Donauwörth gebaut werden

Auslöser für den Zusammenschluss der BI ist ein Bauantrag der Firma Uhl, der fünf Windräder mit einer Gesamthöhe von je knapp 200 Meter auf dem insgesamt 300 Hektar großen Gebiet vorsieht. Derzeit liegt der Antrag laut Donauwörths Bürgermeister Jörg Fischer beim Landratsamt, denn die Stadt möchte ihn für mindestens ein Jahr zurückstellen lassen. Darüber entscheidet aber das Landratsamt, was derzeit noch aussteht.

Zu der Versammlung waren auch zwei Anwohner aus Ammerfeld und Burgmannshofen gekommen. Die BI hatte sie eingeladen, damit sie den Zuhörern ihre Erfahrungen mit einem Windrad vor der Haustüre schildern können. Und die sind bekanntlich nicht die besten: Seit Jahren sorgen das eintönig schlagende Geräusch der Rotoren und der Schattenwurf für Ärger zwischen einigen Anwohnern und dem Betreiber. 620 Meter steht das 200 Meter große Windrad auf Ammerfelder Flur von den Orten entfernt – viel zu wenig, wie die Ammerfelderin findet. „Ich halte ein Windrad in weniger als 1000 Meter Abstand nicht für vertretbar.“

Dass Horst Seehofer sogar noch einen Schritt weitergeht und aktuell eine verbindliche Abstandsregelung des Zehnfachen der Windradhöhe fordert, bestärkt die Kritiker in ihrer Forderung. „Wir sind auf dem richtigen Weg. Denn ein Windrad in dieser Größe, wie es in Ammerfeld steht, würde heute nicht mehr so nahe am Ort genehmigt werden“, ist sich der Burgmannshofener sicher.

Streit um Ammerfelder Windrad endet vor dem BGH

Die aktuell gültige Rechtsprechung gibt keinen verbindlichen Mindestabstand für Windräder zur Wohnbebauung vor. So heißt es lediglich, dass 500 bis 800 Meter Abstand ausreichend seien. Obwohl Seehofers Vorschlag im Bundesrat bis auf Weiteres auf Eis gelegt wurde, wurden die bayerischen Regierungen und Landratsämter als Genehmigungsbehörden nichtsdestotrotz aufgefordert, bei neuen Windanlagen die H10-Regelung zu beachten. Windkraft-Lobbyisten, FDP und Grünen reagierten darauf empört, weil sie durch diese Weisung den Ausbau der Windenergie blockiert sehen. Auch die Initiative „Rückenwind für Bayern“, die sich erst vor sechs Wochen aus 36 Verbänden, Genossenschaften und Unternehmen der Bereiche Erneuerbare Energie, Windkraft und Klimaschutz gegründet hat, ist davon überzeugt, dass die derzeitige Abstandsregelung sinnvoll ist. 500 Meter Abstand zur Wohnbebauung – das könne durchaus ausreichend sein, wenn man im Vorfeld mit den Betroffenen in einen Dialog trete und ihnen die Vorteile einer Windkraftanlage erkläre, ist sich Lisa Badum, Sprecherin der Initiative, sicher.

In Ammerfeld und Burgmannshofen könnte sie mit dieser Strategie vermutlich nicht viel ausrichten. Jahrelang haben zwei von ihnen gegen die Betreiberfirma Bavaria Windpark GmbH geklagt, weil das 620 Meter entfernte Windrad zu laut sei und darüber hinaus eintönig hämmernde Geräusche, sogenannte Impulse, von sich gebe. Vor dem Landgericht Augsburg und dem Oberlandesgericht München bekamen sie Recht, was zuletzt die Herstellerfirma Enercon nicht auf sich sitzen lassen wollte. Vor dem Bundesgerichtshof (BGH) legte das ostfriesische Unternehmen Beschwerde ein, weil sie widerlegen wollte, dass das Windrad des Typs E-82 impulshaltige Geräusche erzeugt. Immerhin ging es um eine komplette Produktserie, der mit dem Urteil ein technischer Mangel zugeschrieben wurde. Doch der BGH lehnte die Beschwerde ab mit der Begründung, dass die „Rechtssache keine entscheidungserheblichen Fragen von grundsätzlicher Bedeutung“ aufwerfen würde. Will heißen: In den beiden vorangegangenen Verfahren wurde bereits alles gesagt und es wurden alle notwendigen Untersuchungen gemacht. Mehr könnte auch der BGH nicht tun. Deshalb behält das Urteil des Oberlandesgerichts seine Gültigkeit, wonach die Geräusche des Windrads über der gesetzlich festgelegten Lärmgrenze von 45 Dezibel liegen.

Enercon arbeitet derzeit an der Aerodynamik der Flügel

Wie Betreiber Herbert Kugler sagt, hat Enercon aus den juristischen Niederlagen Konsequenzen gezogen. Das Unternehmen arbeite derzeit daran, die Aerodynamik an den Flügeln dahingehend zu ändern, dass weniger Geräusche erzeugt werden. Die neue Technik werde derzeit aber noch erprobt. Sollte sie tatsächlich geräuschärmer sein, würde Enercon das Windrad in Ammerfeld mit den neuen Rotoren ausstatten. Dieses Jahr werde das aber sicher nicht mehr der Fall sein, sagt Kugler. Darüber hinaus sei die Windanlage schon vor geraumer Zeit gedrosselt worden: Nachts gehe die Leistung von 2000 auf 1400 Kilowattstunden zurück, die Umdrehungen seien von 21 auf 18 pro Minute reduziert worden.

In Burgmannshofen sind diese Änderungen durchaus wahrgenommen worden. „Es ist schon besser geworden“, gibt ein Anwohner zu. Doch zufrieden sei er immer noch nicht. Er sieht das Landratsamt in der Pflicht, geltendes Recht einzufordern – sprich zu kontrollieren, ob das Windrad tatsächlich leiser als 45 Dezibel ist. „Ich glaube nämlich, dass es nachts immer noch zu laut ist“, mutmaßt er.

Das Landratsamt verweist dagegen an den Betreiber, der in erster Linie dafür verantwortlich sei, dass die Grenzwerte eingehalten werden, wie Pressesprecher Thomas Assenbrunner sagte. Nach wie vor stehen die im Genehmigungsbescheid festgesetzten Messungen aus. Drei Messstandorte sind verpflichtend, als Entgegenkommen der Behörde an die Bewohner wurden 2010 freiwillig fünf weitere vereinbart. Bislang konnten erst zwei Messungen abgeschlossen werden, weil die idealen Wind- und Wettervoraussetzungen, um den „worst case“ zu ermitteln, nur selten vorkommen. Im vergangenen halben Jahr hat nach Informationen des Bayreuther Ingenieurbüros kein einziger Tag diese Voraussetzungen erfüllt.

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