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Neuburg

23.04.2019

Integration: Gemeinsam geht es leichter

Karl-Heinz Pieck im Gespräch mit seinen beiden Schützlingen, denen er hilft, sich zurechtzufinden.
Bild: Manfred Dittenhofer

Integrationsbegleiter helfen Flüchtlingen, im Landkreis Fuß zu fassen. Einer von ihnen ist Rentner Karl-Heinz Pieck. Derzeit betreut er ein Ehepaar aus Eritrea.

Seit 2014 sind die beiden in Deutschland. Beide haben sie Arbeit und wohnen in Neuburg in einer kleinen Wohnung. Sie fühlen sich wohl in der Ottheinrichstadt. Sie haben eine Perspektive und eine Zukunft. Als sie vor fünf Jahren aus Eritrea aufgebrochen waren, hatten sie dort weder Perspektive noch Zukunft. Dass sie sich in Neuburg heimisch fühlen, liegt auch sehr an Karl-Heinz Pieck, der als sogenannter Integrationsbegleiter das Paar aus Eritrea an die Hand genommen hat.

Die Geschichte begann vor fünf Jahren. Nach einer über ein halbes Jahr dauernden Odyssee durch Äthiopien, den Sudan, Libyen und Italien kamen Oran und Najumi nach Deutschland. Oran und Najumi sind nicht ihre richtigen Namen. Die möchten sie nicht in einem Zeitungsartikel lesen. Aus München wurden der heute 30-Jährige mit seiner 23-jährigen Frau in die Gemeinschaftsunterkunft nach Neuburg verlegt. Dort lernten sie bald schon den Rentner Karl-Heinz Pieck kennen. Das war aber kein Zufall. Der gebürtige Wuppertaler, der seit 35 Jahren in Bayern lebt und arbeitete, suchte eine sinnvolle Beschäftigung.

Pieck hat selbst in verschiedenen Ländern gearbeitet

Seine Frau war früh verstorben und seine Söhne aus dem Haus. Als er davon hörte, dass das Landratsamt ehrenamtliche Helfer bei der Integration von anerkannten Flüchtlingen brauchte, klang das für ihn interessant und so suchte er ein Gespräch. Der Grund, wieso er den anerkannten Asylbewerbern hilft, liegt weit zurück. In jungen Jahren hat Pieck selbst viele Jahre in verschiedenen Ländern gearbeitet. Und war immer dankbar, wenn ihm Einheimische durch den Bürokratiedschungel halfen und ihm die Lebensgewohnheiten eines Landes näher brachten. „Das hat mich geprägt. Ich war damals froh, wenn mir jemand geholfen hat. Und heute kann ich auch helfen.“

Das Landratsamt hatte schnell ein Paar für den 80-Jährigen. Bereits beim ersten Treffen verstanden sich die drei auf Anhieb. Das sei wichtig, sagt Emmy Böhm, Leiterin des Ausländeramtes im Landratsamt Neuburg-Schrobenhausen. Ihre Dienststelle vermittelt ehrenamtliche Integrationsbegleiter. Landkreisweit sind es momentan 36 Bürger, die zusammen über 190 Personen betreuen. Oft sind es Familien mit Kindern, um die sich die Integrationshelfer kümmern.

Flüchtlinge nennen ihren Helfer Papa

Als Karl-Heinz Pieck Oran und Najumi kennenlernte, lebten die beiden noch in der Gemeinschaftsunterkunft. Er half bei alltäglichen Dingen. Fuhr er selbst zum Einkaufen, nahm er sie mit. Er erklärte und beriet bei der Auswahl. Dann begann eine schier endlose Wohnungssuche. Nicht einfach auf einem eh schon gesättigten Markt. Aber über Kontakte und durch die Mithilfe mehrerer Bekannter schaffte Pieck es, den beiden eine Wohnung zu vermitteln. Dann stand die Suche nach Arbeit an. Pieck half beim Lesen von Anzeigen, fuhr mit seinen Schützlingen zu den Firmen und schaute sich freie Stellen an. „Wir haben zahllose Firmen abgeklappert, haben überall angeklopft und nachgefragt.“

Für Najumi, die die Integrationsklasse an der Berufsschule besuchte, vermittelte Pieck Praktika in der Pflege, der Gastronomie und im Einzelhandel. Am Ende fanden die beiden Eritreer ihren Job beim selben Arbeitgeber in Ingolstadt.

Heute nennen Oran und Najumi ihren Integrationsbegleiter schon mal Papa. Dabei könnte der fitte 80-Jährige auch ihr Opa sein. Sie brauchen ihn immer weniger. Aber die Freundschaft und Verbundenheit bleibt. Pieck steht weiter mit Rat und Tat zur Seite und setzt sich dafür ein, dass auch Schichtarbeiter wie die beiden einen Sprachkurs besuchen können, der sich flexibel an ihre Arbeitszeiten orientiert.

Asyl: Ausländerbehörde sucht weitere Ehrenamtliche

Derweil sucht die Ausländerbehörde immer ehrenamtliche Integrationsbegleiter, wie Koordinatorin Petra Höhnow bestätigt, die den Helfern dann zur Seite steht. Jeder bestimme sein Engagement selbst, sowohl wann als auch wie lange er in dieser Tätigkeit zur Verfügung stehen kann. „Wir machen die potenziellen Helfer mit den anerkannten Flüchtlingen bekannt und erst wenn es auch zwischen Helfer und Flüchtling funktioniert, kommt die Hilfe zustande.“ Viele von den Integrationsbegleitern haben selbst einen Migrationshintergrund, wie Höhnow bestätigt. Was oft hilft, Sprachbarrieren abzubauen.

Unterstützt werden mit diesem Projekt motivierte Bleibeberechtigte, die bereits geraume Zeit in Deutschland sind, aber noch in verschiedenen Bereichen, wie zum Beispiel bei Mietverträgen, Arztterminen oder bei Anträgen bei Behörden Unterstützung brauchen, um alle Angelegenheiten selbst regeln zu können. Dabei kann der ehrenamtliche Helfer immer mit der Unterstützung der Koordinatoren rechnen. Wer sich für diese ehrenamtliche Tätigkeit interessiert, soll sich unter der Nummer 08431/57476 mit einem der Integrationslotsen in Verbindung setzen.

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