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Abschied

27.07.2008

"Jeder hat seine Pflicht zu erfüllen"

In diesen Tagen macht Alfred Ehrnstraßer vieles zum letzten Mal. Der Rektor der Rennertshofener Volksschule "räumt", wie er sagt - und damit meint er nicht nur seinen Schreibtisch, den er für seine Nachfolgerin Sabine Eberle-Weiss freimacht. Wenn man in den Ruhestand geht, dann räumt man auch irgendwie sein Leben und zieht Bilanz.

Seit 1975 ist Ehrnstraßer an der Schule in Rennertshofen, seit 1992 als Rektor. Sein halbes Leben hat er mit Schülern verbracht - da fällt es nicht leicht, von heute auf morgen loszulassen. "Mir wird der Kontakt zu den Kindern am meisten fehlen", ist er sich sicher. Doch zwischen all dem Abschiedsschmerz freut er sich auch auf seine Rente und die Ruhe, die er sich davon erhofft. Denn der Job als Lehrer sei mit den Jahren aufreibender geworden. "Man ist als Lehrer beständig gefordert, schließlich sind permanent an die 50 Augen auf einen gerichtet."

Die Goldenen Zeiten der Hauptschule sind vorbei

Ehrnstraßer ist ein passionierter Lehrer, einer vom alten Schlag, der seine Arbeit als Bildungsauftrag und nicht nur als Job zum Geldverdienen sieht. 50 Schüler hat er an seinem ersten Arbeitstag als Lehrer 1969 an einer Hauptschule in Aschaffenburg unterrichtet - bei 36 Plätzen. Eine schöne Zeit sei das damals gewesen, trotz der Widrigkeiten. Die Namen seiner ehemaligen Schüler hat er heute noch im Kopf.

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Doch die goldenen Zeiten der Hauptschule sind längst vorbei. Selbst als immer mehr Schüler auf die Realschule oder das Gymnasium übertreten und sich damit zunehmend "die Begabungen in den Klassen ausdünnen", hält Ehrnstraßer an seiner Schule fest. Durchhalten lautet seine Devise, denn nach fast 40 Jahren Berufserfahrung hat Ehrnstraßer eines gelernt: "Man muss einem Schüler wie einem Vogel immer wieder die Hand hinhalten."

Glücklich, "wenn es Schüler zu was gebracht haben"

Entlohnt wurde der heute 62-Jährige für seine Ausdauer mit Schülern, für die die Schule zur Heimat wurde, denn ein wohlbehütetes Elternhaus sei heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr. Auch der eine oder andere Dankesbrief von Eltern hätte mitunter gut getan. Doch das "Highlight" sei für ihn immer gewesen, "wenn es Schüler zu was gebracht haben".

In 40 Jahren gab es allerdings nicht nur gute Tage. Der ominöse Krankheitsfall mehrerer Schülerinnen im Oktober 2006 gehörte dazu. "Das war in hohem Maße belastet." Doch richtig an die Substanz ist es dem gebürtigen Hallertauer immer dann gegangen, wenn er Schüler beerdigen musste. "Und was waren einige."

Wenn Alfred Ehrnstraßer am 31. Juli von seinen Kollegen und Schülern in einer großen Schulfeier verabschiedet wird, ist ihm das beinahe peinlich. "Mir ist gar nicht wohl dabei, wenn das so hoch gehängt wird, schließlich hat jeder seine Pflicht zu erfüllen." Die Pflicht wird in seinem Ruhestand aber erst mal hinten angestellt. Und so will er - wenn im September alle anderen wieder zur Schule müssen - nach Aschaffenburg fahren und sich sein altes Klassenzimmer, das inzwischen ein Museum ist, anschauen. Dahin, wo alles angefangen hat.

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