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06.06.2008

Justizposse um Umweltsünder

Am Ende dieses Verfahrens hatte einer besonders gut Lachen: Oliver Brockmann. Der Mitbegründer der Schrobenhausener Müllini und FDP-Ortsvorsitzender ist vor dem Amtsgericht Neuburg freigesprochen worden. Der Vorwurf: Brockmann (24) hätte drei Teppiche außerplanmäßig und dadurch ordnungswidrig im Wertstoffhof Steingriff entsorgt. Deswegen zerrten ihn die Landkreisbetriebe gestern vor Gericht.

Doch auch die Zuschauer hatten im Gerichtssaal etwas zu Lachen. Denn wahrlich hatte eine besonders tückische Verkettung von unglücklichen Zufällen am 16. Juli vergangenen Jahres dazu geführt, dass Oliver Brockmann fälschlicherweise mit dem tatsächlichen Umweltsünder verwechselt wurde. Und vermutlich gab es wohl auch auf dem Ermittlungsweg der Behörden einige Versäumnisse, wie die Verhandlung zeigte.

Folgendes also ist passiert: Gegen 16.30 Uhr an jenem Julitag wollte ein Mann in einem Renault samt Anhänger einen alten Teppich am Wertstoffhof Steingriff entsorgen - allerdings außerhalb der Öffnungszeiten. Und so kam es zu einer Auseinandersetzung mit der zuständigen Angestellten. Der Schrobenhausener legte seinen Teppich schließlich einfach vor dem Container ab. Im Streit mit der Wertstoffhof-Betreuerin fielen dann zwei wesentliche Sätze: "Dann schreiben Sie sich doch mein Kennzeichen auf und zeigen mich an." Und: "Lesen Sie morgen die Zeitung, da werden sie schon sehen, wie ich das hier finde."

Also notierte sich die Frau das Kennzeichen, die Automarke (Renault) und meldete den Umweltsünder in Neuburg bei den Landkreisbetrieben. Am nächsten Tag las sie die Zeitung und - so das Pech Oliver Brockmanns - glaubte den Teppichableger wiederzuerkennen.

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300 Euro Bußgeld hätte Brockmann zahlen sollen

Brockmann prangte mit Bild in der Zeitung - die Müllinitiative Schrobenhausen (Müllini) hatte ihre Gründungsveranstaltung abgehalten und dies wurde berichtet. Ob es wohl das Schlagwort "Müll" war, das die Wertstoffhof-Betreuerin dazu führte, Oliver Brockmann den Teppich zuzuschreiben, ist ungeklärt. Sicher ist nur, dass sie ihren Verdacht ebenfalls nach Neuburg meldete - und so fanden der Name Brockmann und die abgelegte Teppichrolle zusammen.

Bald schon gab es für diesen Post von den Landkreisbetrieben. 300 Euro hätte Oliver Brockmann als Bußgeld bezahlen sollen. "Aber ich bin es einfach nicht gewesen", wiederholte er vor Gericht. Er legte Einspruch ein. Leicht wäre zu recherchieren gewesen, dass der Student Brockmann zur Tatzeit drei Stunden lang einer Gruppe Schülern Nachhilfe gegeben hatte. Das lupenreine Alibi aber ignorierte die Behörde. Zudem fährt Brockmann keinen Renault, hat keinen Anhänger und auch das notierte Kennzeichen führte nicht zu ihm als Täter.

Der Halter des Fahrzeugs wurde zwar ermittelt, doch als Täter ausgeschlossen: Die Zeugin hatte schließlich ausgesagt, der Mann sei zwischen 30 und 35 Jahren gewesen. Und der Halter des Fahrzeugs war 46 Jahre alt. Dass Brockmann damals 23 Jahre alt war, störte nicht.

Der wahre Umweltsünder kann nicht mehr belangt werden

Vor Gericht nun sprach der wahre Umweltsünder. Wohl auch, weil er weiß, dass ihm keine Strafe mehr droht. Vergehen dieser Größenordnung verjähren nach drei Monaten. Er gab zu, den Teppich abgelegt und mit der Frau debattiert zu haben. "Ich habe mich so geärgert, dass ich ihr gedroht habe, einen Leserbrief zu schreiben", sagte der Schrobenhausener. Den hatte er aber nie verfasst. So lachte am Ende der Freigesprochene und derjenige, der nicht mehr belangt werden kann. Die Kosten für das Verfahren trägt die Staatskasse. Kostenlos war die Unterhaltung für die Zuhörer.

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