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Rennertshofen

14.10.2012

Kabarett: Fett weg bekommen

Die „Weibsbilder“ Anke Brausch und Claudia Thiel waren mit ihrem Programm „Botox to go – Bei uns kriegst Du Dein Fett weg“ auf der Kleinkunstbühne in Rennertshofen zur Gast.
Bild: Michael Geyer

Die „Weibsbilder“ nehmen den Schönheits- und Wellnesswahn auf die Schippe

Weil Eva die einzige Frau war, bei der Gott sich noch so richtig angestrengt hatte, sie liebevoll geformt, handbemalt und mundgeblasen in die Welt setzte, haben die Frauen heute ein Problem: Ihr im Vergleich mit den herrschenden Schönheitsidealen als unvollkommen erlebter Körper wird zur Dauerbaustelle, auf der scheinbare Mängel mit zweifelhaften und unnützen Methoden kaschiert werden müssen. Das schwache Geschlecht möchte seiner Unvollkommenheit etwas nachhelfen und bedient sich dabei gerne der „Götter in Weiß“.

So sehen die „Weibsbilder“ Anke Brausch und Claudia Thiel in ihrem Programm „Botox to go- Bei uns kriegst Du Dein Fett weg“ den Ursprung allen Übels und die Folgen des heutigen Schönheitswahns. Bei der Kleinkunstbühne Rennertshofen schlüpften sie amüsant und unterhaltsam in verschiedene Bühnenrollen, trugen besonders bei ihren mit tänzerischer Komik gespickten Gesangseinlagen zu ein paar entspannenden Verwöhnstunden im Tennisheim bei und verpassten dem begeisterten Publikum genussvolle Lachmassagen.

„Wahre Schönheit kommt von innen und sieht man nur mit dem Herzen“, tröstet sich Claudia Thiel, die von ihrer Partnerin wegen ihrer fülligeren Formen als „süße, kleine Büfettfräse“ niedergemacht wird. Auch ein sprechender Spiegel verschweigt nicht die harte Wahrheit und nach entsprechender Übung geht das Publikum gerne mit und spendet jedes Mal ein lang gezogenes „Oooh“ zum Trost, wenn Gedanken an mangelnde Attraktivität, Orangenhaut und Speckfalten die vom Schönheitswahn geplagte Frau runterziehen wollen.

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Es stellt sich auch heraus, dass ein Besuch bei Douglas für Frauen nichts anderes ist als der Einkauf bei OBI für Männer. Schließlich suchen beide hauptsächlich Sachen zum Spachteln und Kleistern. Anti-Aging und Wellness werden als Mogelpackungen entlarvt, weil eine gut gefüllte Schüssel Kartoffelsalat mit reichlich Mayonnaise durch Aufbau von Unterfettgewebe im Gesicht mehr zum Abbau von Falten beitrage als das teuere Coenzym Q10. Anke tritt als freche Göre auf, erinnert an Omas wertvolle Ernährungstipps („30mal gut kauen und zwischen den Mahlzeiten acht Stunden warten“) und macht sich um ihre Zukunft keine Sorgen, weil sie sich mit dreißig ihre Lebenslinie an der Hand verlängern lasse.

Claudia, die als klassischer Herbsttyp mitten im Verblühen ist, fragt sich, was denn heute an den Frauen noch echt sei und bedauert: „Wir Unikate sterben aus!“

Die Flut von Casting-Shows, Farb- und Stylberatungen, neuartige Diäten und Schönheitskuren wie „Brasilian Waxing“ oder „Papyrus-Anwendung“ werden genau unter die Lupe genommen, gnadenlos seziert und pointiert verarbeitet. Hervorragend kommt Claudia als „Christel aus Kalenborn- Scheuern“ in ihrer bunten Wickelschürze an und bringt ihre Versionen von „Sex in the Kittel“ und „Bauer sucht Frau“, während Anke Brausch als tragische Botox-Queen mit den Folgen aufgespritzter Lippen und der Schwerkraft ihrer XXL-Brüste kämpft. Am Ende hatten die Zuhörer Lachtränen und strapazierte Lachfalten in den Gesichtern als Ergebnis einer durchwegs gelungenen, jedoch anders als üblich gearteten Anti-Aging-Behandlung.

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