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Amtsgericht

16.01.2020

Kaminkehrer schludert, Dach brennt

Ein Schornsteinfeger aus dem Landkreis übersah bei einer Kontrolle den zu niedrigen Kamin eines Wohnhauses. Deshalb fing der Dachstuhl Feuer

Eigentlich gehört die sogenannte Feuerstättenschau zur Routine im Arbeitsalltag eines Kaminkehrers. Dabei wird der Zustand von Kamin und Schornstein auf Mängel überprüft. Gibt es nichts zu beanstanden, wird der Anlage ein ordnungsgemäßer Zustand bescheinigt. „Alles in Ordnung“ urteilte auch ein Kaminkehrermeister aus der Region bei der routinemäßigen Feuerstättenschau in einem Wohnhaus im Osten des Landkreises. Der betreffende Kamin unterschritt allerdings die vorgegebenen 40 Zentimeter Mindestabstand zum Dachfirst deutlich. An einem windigen Tag im Oktober vergangenen Jahres fing der Dachstuhl Feuer – ausgelöst durch Funken aus dem Kamin. Der Brand breitete sich aus und musste von der Feuerwehr gelöscht werden. Es entstand ein Schaden von 15.000 Euro. Der zuständige Kaminkehrer musste sich nun am Mittwoch vor dem Neuburger Amtsgericht wegen fahrlässiger schwerer Brandstiftung verantworten.

Mit den Vorwürfen konfrontiert, die Staatsanwalt Torsten Schalk in der Anklageschrift vorbrachte, sagte der Beschuldigte aus, er habe nicht gesehen, dass der Kamin nicht die zulässige Höhe habe. Er habe das Gebäude als Altbestand eingeschätzt. Seit 60 Jahren sei nichts verändert worden. Die Nachmessung sei Gegenstand der Abnahme einer neuen Feuerstätte und nicht Teil der wiederkehrenden Prüfung.

Der Eigentümer des Hauses bestätigte in seiner Zeugenaussage, dass der Kamin seit der Aufstockung des Hauses in den 1960er-Jahren nicht mehr verändert worden sei. Ihm sei nicht bewusst gewesen, dass der Kamin nicht die erforderliche Höhe habe.

Kaminkehrer schludert, Dach brennt

Rolf Metzger, Sachverständiger des Kriminaltechnischen Instituts München, kam in seinem Gutachten zu dem Schluss, dass der Anlage kein ordnungsgemäßer Zustand hätte bescheinigt werden dürfen. „Zwar ist die Höhe des Kamins primär gedacht, um einen schlechten Kaminabzug zu verhindern“, erklärte Metzger. „Aber in diesem Fall hätte es nicht gebrannt, wenn der Kamin die vorgeschriebene Höhe gehabt hätte.“

Für Richter Christian Veh war die Sache klar. „Da haben sie ungenau hingeschaut. Aus der Nummer kommen sie nicht einfach so raus.“ Den zu niedrigen Kamin, sagte Veh, hätte der Kaminkehrermeister mit bloßem Auge sehen müssen. „Andererseits ist der Angeklagte nicht vorbestraft und es war sehr unwahrscheinlich, dass etwas passiert.“ Das Verfahren wurde mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft und des Angeklagten gegen die Zahlung von 3000 Euro vorläufig eingestellt. Das Geld geht an die Freiwillige Feuerwehr Neuburg.

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