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Neuburg an der Donau

23.05.2015

Kathrin Jacobs stelltweiterdiekulturellenWeichen

Kathrin Jacobs stößt nicht etwa auf sich selbst an, obwohl sie Grund dazu hätte. Schließlich wurde ihr befristeter Vertrag als Kulturamtsleiterin jetzt in einen unbefristeten umgewandelt. Dieses Foto entstand an lässlich der Veröffentlichung der Broschüre über die Neuburger Kulturschaffenden.
Bild: Barbara Würmseher

Was Neuburgs Kulturamts-Leiterin über ihre Arbeit denkt und was sie künftig vorhat

Neuburgs Kulturamt bleibt fest in weiblicher Hand: Soeben hat die Stadt den bislang auf vier Jahre befristeten Vertrag mit Kathrin Jacobs in einen unbefristeten umgewandelt. Die 39-Jährige hat sich seit Februar 2011 aus Sicht ihres Arbeitgebers bestens an ihrer Wirkungsstätte etabliert. Die Neuburger Rundschau sprach mit ihr über Vergangenes und über zukünftige Pläne.

Frau Jacobs, Sie haben Grund zur Freude ...

Kathrin Jacobs: ... das stimmt und besonders deshalb, weil die Stadt Neuburg mir ziemlich viel Vertrauen entgegengebracht hat, als ich vor dreieinhalb Jahren hierher gekommen bin. Ich war relativ jung, hatte noch keine Erfahrung in leitender Position und stamme aus Nordrhein-Westfalen und nicht aus Bayern. Ich bin froh, dass sich die Entscheidung für meine Person als beiderseits positiv herausgestellt hat.

Wie haben Sie Ihren Start im Februar 2011 in Erinnerung?

Jacobs: Anfangs war es nicht ganz einfach, reinzukommen in dieses große Amt, zumal es sich in einem personellen Generationenwechsel befunden hat. Es gab viele Umbrüche in der Verwaltung. Aber mein Vorgänger hatte ganze Arbeit geleistet und hervorragende Grundlagen geschaffen. Auch bezüglich des Budgets, das es mir ermöglicht, meine Aufgaben gut zu bewältigen.

Was war das Wichtigste für Sie in der ersten Phase?

Jacobs: Hier anzukommen und zu sehen, was es gibt. Neuburg hat ein unglaublich reiches Kulturleben. Ich habe versucht, an diesem Vorhandenen weiterzuarbeiten. Beispielsweise haben meine Mitarbeiter und ich an der Systematik der Sommerakademie gearbeitet. Mein Vorgänger hatte sie wunderbar aufgebaut, jetzt galt es für mich, sie weiter fest zu verankern. Wir haben unter anderem die Internetseite zweisprachig gestaltet und organisieren ihre Durchführung teilweise anders.

Gibt es etwas, das Sie damals überrascht hat an ihrer neuen Wirkungsstätte Neuburg?

Jacobs: Es war großartig für mich, festzustellen, was es hier alles gibt! Ich sehe das im Vergleich zwischen Einwohnerzahl und Angebot. Für eine Stadt von knapp 30000 Einwohnern ist es ungewöhnlich, ein so wunderschönes Theater mit einem Jahresprogramm zu unterhalten. Dann gibt es hier drei Museen in Weveldhaus und Schloss, zwei städtische Ausstellungsgalerien, den Bücherturm, die vhs und, und, und – man merkt einfach, dass der Schwerpunkt in Neuburg auf Kultur liegt.

Wo herrscht Ihrer Meinung nach noch Nachholbedarf?

Jacobs: Sicher nicht in der Vielzahl an Veranstaltungen. Mehr darf es kaum geben, damit sich die einzelnen Veranstalter nicht in die Quere kommen. Da bedarf es manchmal der Koordination und Kooperation. Nachholbedarf sehe ich bei den Museen und Ausstellungen. Da wünsche ich mir einen Entwicklungsplan. Es wäre wichtig, in den nächsten fünf bis zehn Jahren hier ein Konzept für die Museumslandschaft zu entwickeln.

Wie könnte ein solches aussehen?

Jacobs: Die Stadt hat ja beachtliche Ausgaben in diesem Bereich. Eine halbe Million Euro fließt jährlich ins Stadtmuseum, in Fletz und Fürstengang sowie ins Schlossmuseum. ich glaube, dass wir mit diesem Geld noch effizienter umgehen könnten, wenn wir eine konkretere Zielsetzung haben, wohin wir möchten. Vielleicht können wir ja auch Synergien schaffen: Im Schloss sehe ich räumlichen Platz, aber strukturelle Defizite; das Stadtmuseum hingegen macht mir Sorge, weil wir zwar tolles Personal haben, aber eine beengte Situation. Wenn ich sehe, dass wir 20000 Besucher jährlich in unseren Ausstellungen in Fletz und Fürstengang haben, dann möchte ich solche Zahlen auch fürs Stadtmuseum haben.

Gibt es Visionen, die Sie beim Thema Tourismus in Neuburg haben?

Jacobs: Wir brauchen dringend ein Hotel mit größerem Bettenkontingent. Wir haben mit unseren Touristenzahlen das Limit dessen erreicht, was die Übernachtungsmöglichkeiten leisten können. Mehr Besucher – etwa Busreisende – sind derzeit nicht möglich. In den nächsten zehn Jahren muss sich da etwas tun.

Wo könnte man sonst noch etwas verbessern?

Jacobs: Wir haben so tolle, engagierte und kreative Stadtführer. Derzeit arbeiten wir daran, noch mehr schauspielerisch begleitete Stadtführungen anzubieten, wie sie jetzt schon mit Gabriele Kaps und Noppo Heine stattgefunden haben. Das wäre für Neuburg sehr attraktiv und es gibt ja hier auch wirklich gute Darsteller. Da sind wir auf einem guten Weg.

Sehen Sie notwendige Veränderungen bezüglich des Stadttheaters?

Jacobs: Die Auslastung unseres Hauses ist an ihre Grenzen gekommen. Deshalb haben wir neue Vertragsrichtlinien entwickelt. Ab 2017 bestimmt der Kulturausschuss, welche Gruppen dort wann sein werden. Das Problem ist, dass immer auch ein Bühnenmeister dabei sein muss – auch bei den Proben. Wir müssen also die Stundenzahl begrenzen und alles, was darüber hinausgeht, zusätzlich in Rechnung stellen. Das sorgt für eine gewisse Gerechtigkeit.

Gerechtigkeit vermissen manche Kulturschaffenden auch bei Zuschüssen.

Jacobs: In vielen Städten gibt es bereits Kulturförderrichtlinien. Solche könnten meiner Meinung nach auch in Neuburg für mehr Transparenz, Objektivität und Gerechtigkeit in der Mittelverteilung sorgen.

Immerhin gewährt die Stadt Neuburg überhaupt Zuschüsse für Kultur.

Jacobs: Ja, in der Tat finde ich den Kurs des Landkreises bedenklich. Die vorhandenen Mittel für Kultur werden gekürzt und zudem gibt es auch keinen Ansprechpartner für Kultur im Landratsamt. Viele Veranstalter wenden sich deshalb an uns.

Zuletzt eine persönliche Frage: Sind Sie auch privat in Neuburg angekommen?

Jacobs: Das bin ich! Neuburg ist ein großes Stück Heimat für mich geworden, ich fühle mich sehr wohl in meiner schönen Altbauwohnung aus dem 19. Jahrhundert und die Menschen sind sehr offen und freundlich.

Interview: Barbara Würmseher

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