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Rettungsdienst

23.03.2013

Kein BOS-Mast wegen Wiesenbrütern

Berg im Gau wird vorerst keinen BOS-Funkmast bekommen. Denn dieser stünde in einem Schutzgebiet

Neuburg-Schrobenhausen Da hatte Ehekirchens Vize-Bürgermeisterin Maria Lang den richtigen Riecher. Denn als in der Kreistagssitzung am Donnerstag das Thema BOS-Digitalfunk zur Sprache kam, wunderten sich einige Kreisräte, dass in Berg im Gau entgegen den Planungen vorerst nun doch kein Funkmast aufgestellt wird. Die mit dem Ausbau des Funknetzes beauftragte Firma Telent wolle zunächst den erweiterten Probebetrieb im Oktober abwarten und dann entscheiden, ob die Funkverbindung für Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte möglicherweise auch ohne diesen Mast funktioniert.

Während sich Karlshulds Bürgermeister Karl Seitle hereingelegt fühlt („Offenbar geht es jetzt auch mit sieben Masten. Für mich sind das doch alles Verbrecher!“), fragte Maria Lang nach dem Grund – wo es doch anfangs hieß, dass jeder Standort unerlässlich sei, um ein lückenloses Netz aufbauen zu können. „Was ist das für ein Grundstück? Hoffentlich gehört es nicht dem Landkreis!“, unkte sie.

Sie sollte mit ihrer Vermutung recht behalten. Während Weigert bei der Kreistagssitzung lediglich vage von „Grunddienstbarkeiten“ sprach, die auf dem Grundstück liegen würden, bestätigte auf Nachfrage der Neuburger Rundschau Landratsamt-Juristin Birgit Foerstl: „Das Grundstück gehört dem Landkreis. Es ist ein Wiesenbrütergebiet und wurde mit Fördergeldern des Bayerischen Naturschutzfonds bezahlt.“ Dies hätte die Untere Naturschutzbehörde der Firma Telent auch mitgeteilt, als die Wahl auf das Gebiet zwischen Berg im Gau, Langenmosen und Königsmoos fiel. Die Fläche sei aus naturschutzfachlicher Sicht zwar kritisch gesehen worden, ein Veto hätte die Behörde aber nicht eingelegt, wie Foerstl sagte. Die Naturschutzbehörde wies die Firma Telent jedoch darauf hin, dass das Landratsamt Fördergelder zurückzahlen müsste, sollte dort ein Mast aufgestellt werden. Denn der Zuschuss sei an eine Reihe von Auflagen geknüpft. So dürfe etwa die Fläche nicht verbuschen, weil Wiesenbrüter ein weites, überschaubares Gebiet brauchen. Und auch ein Funkmast wäre kontraproduktiv, da sich dort Greifvögel niederlassen könnten, die vor allem in der Brutzeit die Tiere stören würden. Nach Informationen von Foerstl sei dies einer der Gründe gewesen, warum die Firma Telent den Standort zunächst auf Eis gelegt hat. Der erweiterte Probebetrieb ab 1. Oktober soll zeigen, ob die Funkversorgung im Landkreis auch mit sieben anstatt den geplanten acht Masten sichergestellt werden kann.

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Weigert ärgert sich über Versäumnisse des Ministeriums

Viel mehr als die Frage, ob der Schutz der Natur über dem des Menschen steht (Weigert selbst hält die Technik für sinnvoll und nicht schädlich, obgleich er die Ängste mancher Bürger nachvollziehen kann), ärgert den Landkreischef die Tatsache, dass die Planung des Innenministeriums offenbar nicht zuverlässig ist. „Wir dürfen jetzt das ausbaden, was an höherer Stelle vergeigt wurde“, wetterte er in Richtung Ministerium und meinte damit nicht nur die Kostenexplosion von ursprünglich 650 Millionen auf über eine Milliarde Euro. Ihn ärgert vor allem das Informationsdefizit, das für Kritik und Verunsicherung bei den Bürgern gesorgt hätte.

Dass in Berg im Gau möglicherweise kein Mast notwendig ist, kritisiert Weigert als „Ausdruck keiner guten Planung“ – wenngleich er sich als Besitzer des Grundstücks eigentlich darüber freuen müsste. Sollte sich aber herausstellen, dass es ohne den Mast nicht geht, dann „werden wir das hinkriegen“, sagte er. Er schloss aber nicht aus, dass er in diesem Fall versuchen werde, den Mast auf dem Wiesenbrüterschutzgebiet herauszubekommen.

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