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Weichering

25.04.2018

Kein Wellnesstempel am Badesee

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Der Naherholungsverein hat eine Wellnessanlage mit Saunen, Sport- und Fitnessanlagen am Weicheringer See abgelehnt.
Bild: Xaver Habermeier

Der Naherholungsverein will den Charakter im Weicheringer Niederforst erhalten und stattdessen die bestehende Infrastruktur aufwerten. Was jetzt geplant ist.

Je länger Manfred Müller redet, umso klarer wird: Das Projekt, das er den Mitgliedern des Naherholungsvereins am Dienstagabend schmackhaft machen will, stößt ihnen sauer auf. Es geht um eine geplante „Wellnessanlage mit Gesundheits- und Gastronomiekonzept“, wie er betont, und nicht einfach nur um eine reine Saunalandschaft. Zwischen den beiden Seen könnte sie entstehen – sofern der Verein das will. Doch danach sieht es nicht aus, während Müller vor den 52 anwesenden Mitgliedern von den Vorteilen und Chancen eines solchen Projekts spricht.

Manfred Müller kommt aus Karlshuld, ist als Musiker und im Vereinsleben aktiv und darüber hinaus seit seiner Versetzung in den Ruhestand als Saunameister tätig. Er ist also nicht nur „einer von hier“, sondern hat auch Einblick in das Wellness-Geschäft. Wie er sagt, könnte er in der geplanten Einrichtung als Betreiber arbeiten. Deshalb haben ihn die Investoren auch vorgeschickt, damit er den Naherholungsvereinsmitgliedern das Projekt vorstellt. Sie selbst wollen anonym bleiben, sagt Müller – zumindest so lange, bis klar ist, ob ihre Pläne auf Interesse stoßen.

Schon im Februar 2016 habe das erste Gespräch dazu mit Landrat Roland Weigert stattgefunden, erzählt Müller. In der Einrichtung soll es nicht nur verschiedene Saunen geben, sondern auch Sport- und Gesundheitsangebote. Daran angegliedert wäre ein Restaurant mit Biergarten und Spielplatz, das unabhängig vom Betrieb von jedermann genutzt werden könnte. Zu der Anlage sollen eine Joggingstrecke mit Naturfitnessgeräten und einem Naturlehrpfad genauso gehören wie öffentliche Duschen, Toiletten und Umkleiden. Vorstellen könnten sich die Investoren auch Stellplätze für Reisemobile mit Ver- und Entsorgungsstationen sowie einen Zeltplatz. Das Naherholungsgebiet sei ideal für dieses Vorhaben, sagt Müller. Die ruhige Lage, die gute Verkehrsanbindung und die vorhandenen Energieanschlüsse würden dafür sprechen. Die Anlage, die neben dem ehemaligen Minigolfplatz entstehen könnte und über Stege einen Zugang zum See hat, soll sich verträglich in die Natur einbinden.

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So richtig überzeugen können die Erläuterungen von Manfred Müller die Zuhörer allerdings nicht. Den argumentativen Todesstoß gibt schließlich Rechtsanwalt Dr. Wendelin Schleicher, seines Zeichens seit 1972 auch Rechnungsprüfer in dem Verein. „So wie es aussieht, soll hier ein kleines Bad Gögging entstehen“, sagt der 88-Jährige und moniert das Verhalten der Investoren. Denn solange nicht einmal die Vorstandsmitglieder wüssten, wer hinter dem Projekt stehe, könne auch nicht deren Seriosität überprüft werden. Außerdem gehe der Verein bei der Grundstücksfrage ein beachtliches Risiko ein: Denn der Grund und Boden, auf dem die Anlage errichtet würde, gehört dem Naherholungsverein und soll über einen Erbpachtvertrag geregelt werden. Der läuft nicht nur über mehrere Jahrzehnte, sondern könnte – etwa im Fall einer Insolvenz – auch an Dritte verkauft werden, ohne dass der Verein etwas dagegen tun könnte.

Es war deshalb wenig verwunderlich, dass die anschließenden Wortmeldungen durchwegs ablehnend waren. Der Tenor: Die Mitglieder wollen weder, dass das Naherholungsgebiet überregional bekannt wird, und schon gar nicht, dass es massenhaft Besucher anlockt. Stattdessen soll der jetzige Charme erhalten bleiben. Ein Großprojekt wie die Wellnessanlage kommt deshalb keinesfalls infrage. Nichtsdestotrotz zeigen sich die Mitglieder einer neuen Gastronomie gegenüber aufgeschlossen. Neben dem Haus am See und dem Seestüberl soll auch das dritte Lokal (Bady’s Boaz’n, schließt voraussichtlich Ende Mai) aufgewertet und wiederbelebt werden. „Klein, aber fein“, sollte es nach dem Wunsch der Mitglieder sein. Ob dafür das bestehende Gebäude saniert wird oder ob der Verein ein neues Haus baut, soll jetzt geprüft werden. Für beide Fälle hat Umberto Freiherr von Beck-Peccoz seine Unterstützung zugesagt.

Der Brauereibesitzer hätte sich auch für eine weitere zur Diskussion stehende Option interessiert: ein größeres Restaurant am See. Vermutlich weil aber nicht klar war, wie groß ein solches Lokal werden muss, damit es rentabel läuft, lehnte die Mehrheit der Mitglieder diese Variante ab.

So schnell wird sich an den Badeseen allerdings nichts ändern. Nach Auskunft von Vereins-Geschäftsführer Markus Laumer wird es ungefähr ein Jahr dauern, bis die Untersuchungen zu einer Sanierung des Gebäudes bzw. einen Neubau vorliegen.

Lesen Sie dazu einen Kommentar von Claudia Stegmann.

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