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Neuburg-Schrobenhausen

22.10.2020

Keine Maskenpflicht mehr an Grundschulen im Landkreis

Die Fünftklässlerinnen der Maria-Ward-Realschule in Neuburg müssen auch weiterhin im Unterricht Masken tragen.
Bild: Heribert Kaiser

Plus Im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen gibt es ab dem 23. Oktober eine Ausnahmeregelung für Grundschüler. Landrat Peter von der Grün reagiert damit auf den Appell von Eltern. 

Im Landkreis müssen Grundschüler ab Freitag vorerst keine Masken während des Unterrichts mehr tragen. Eine entsprechende Allgemeinverfügung hat das Landratsamt am späten Donnerstagabend erlassen. Landrat Peter von der Grün kommt damit einem Wunsch etlicher Eltern nach, die das Tragen von Mund-Nasen-Schutzmasken während des Unterrichts kritisieren. Die Maskenpflicht im Unterricht ab der Jahrgangsstufe 5 bleibt dagegen erhalten.

Am vergangenen Montag hatten etliche Eltern an Landrat Peter von der Grün appelliert, die Maskenpflicht im Unterricht auszusetzen. Vor dem Landratsamt hatten sie ihm eine Mappe übergeben, in der unter anderem eine Liste mit rund 150 Unterschriften steckte. Die Unterzeichnenden sahen es nicht als gerechtfertigt an, bei der derzeitigen Infektionslage alle Schüler im Unterricht Masken tragen zu lassen. Mit aktuell 110 Infizierten im Landkreis (Stand Donnerstag) seien gerade mal 0,1 Prozent der Landkreisbürger an dem Coronavirus erkrankt, die Meisten von ihnen sogar ohne große Beschwerden.

Allgemeinverfügung zur Maskenpflicht an Grundschulen gilt ab 23. Oktober

Die Eltern sprechen von Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit, die ihre Kinder durch das Tragen der Maske erleiden würden. Außerdem sei die Mimik der Mitschüler und der Lehrer nicht mehr zu erkennen. „Die Relation, die die Landesregierung vorgibt, können wir nicht verstehen“, heißt es in dem Schreiben, das federführend von Andrea Alt aus Karlshuld unterzeichnet wurde. In einer Klasse würden die Schüler so sitzen, dass nicht mehr als fünf von ihnen unmittelbaren Kontakt zueinander haben. Im privaten Bereich oder im Restaurant sei dies erlaubt – warum also nicht auch in der Schule, fragen sich die Eltern.

Ab Freitag, 23. Oktober, dürfen Grundschüler an Regel- und Förderschulen nun wieder durchatmen. Wie es in einer Mitteilung des Landratsamtes heißt, hat Landrat Peter von der Grün im Einvernehmen mit dem Gesundheitsamt und dem Schulamt die Maskenpflicht vorübergehend ausgesetzt. Die Erkenntnisse des Gesundheitsamts Neuburg-Schrobenhausen hätten ergeben, dass Kinder im Grundschulalter nicht nennenswert zum Infektionsgeschehen im Landkreis beitragen. Zudem habe es bislang keine Infektionsausbreitung gegeben, die von einer Grundschule ausging. „Wir haben diese Entscheidung getroffen, da Grundschüler nicht die Treiber des Infektionsgeschehens sind“, erklärt Peter von der Grün. Er weist jedoch darauf hin, dass im Infektionsfall ganze Klassen vorübergehend in Quarantäne gehen müssen.

Die Maskenpflicht an Schulen beschäftigte zuletzt Lehrer und Schulleiter

Seit der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen in die „rote Phase“ eingetreten ist und damit die Maskenpflicht auch an Grundschulen gilt, gab es an diversen Schulen im Landkreis Eltern, die diese Maßnahme nicht kritiklos hinnehmen wollten. Schulamt und Schulleiter sprechen jedoch von Einzelfällen. „Manche haben kritisch nachgehakt oder meinten, dass das nicht nötig sei“, ist beispielsweise die Erfahrung von Rektor Manfred Hiebl von der Ostend-Schule in Neuburg. Ähnliches erzählt seine Kollegin Gertrud Kuyten von der Schwalbangerschule. „Es gibt Eltern, die sehen die Maßnahme zwar nicht ein, machen aber trotzdem mit.“ Lediglich in einem Fall sei ein ärztliches Attest vorgelegt worden.

Wo es geht, versuchen Lehrer und Schulleiter, bei den Eltern auf Einsicht zu plädieren. Das gelingt nicht in allen Fällen. An einer Schule im Landkreis muss die Schulleitung sogar „deeskalierend“ eingreifen, weil sich der Widerstand derart hochgeschaukelt hat. Dabei haben die Schulen gar keinen Handlungsspielraum, sondern müssen sich an die Anweisungen des Ministeriums halten. „Für Kritik sind wir der falsche Ansprechpartner“, gibt Gabriela Eibl von der Grund- und Mittelschule Ehekirchen deshalb in solchen Fällen zur Antwort. Sie und ihre Kollegen seien um jeden Tag froh, an dem es keine Infektion an ihrer Schule gegeben habe. „Wieder einen Tag geschafft“, heißt es dann.

Die meisten Kinder haben mit dem Tragen der Masken keine Probleme

Einen Schritt weiter geht Ulrike Summerer von der Grundschule in Bergheim. Kritische Schreiben oder Bemerkungen in diese Richtung nehme sie lediglich zur Kenntnis. „Was soll ich da diskutieren?“, fragt sie rhetorisch. Die Schulen hätten eine Anweisung, die sie umsetzen müssten. An der Situation könne sie deshalb nichts ändern.

Grundsätzlich beobachten die Lehrer, dass die Maskenpflicht im Unterricht für die Masse der Schüler kein Problem sei – wenngleich niemand verhehlt, dass der Mund-Nasen-Schutz für Lehrer als auch Schüler über die Stunden hinweg durchaus anstrengend werden kann. „Aber die Kinder machen toll mit und erinnern sich gegenseitig an das Tragen“, hat Ulrike Summerer an ihrer Schule beobachtet. Das bestätigt auch Gabriela Eibl in Ehekirchen. „Klar sagen manche Schüler: Die Maske ist blöd! Aber sie tragen die Situation trotzdem mit, denn da müssen wir jetzt alle durch.“ So mancher Schulleiter kann sich deshalb nicht des Eindrucks verwehren, dass Eltern mitunter das größere Problem mit dem Tragen der Masken haben als die Kinder selbst.

Den Sinn der Maskenpflicht im Unterricht stellt keiner der Schulleiter, mit denen die Neuburger Rundschau gesprochen hat, infrage. „Das ist das Gebot der Stunde und erfordert eine Solidarität unter allen“, ist etwa die Meinung von Manfred Hiebl von der Ostend-Schule. Und seine Kollegin aus Bergheim ergänzt: „Wenn es hilft, dass wir alle gesund bleiben, dann ist das tausendmal besser, als wieder in den Distanzunterricht zu gehen.“

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