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Neuburg

27.11.2019

Kieselerdeabbau: Die „Wunde“ im Wald wächst zu

Auf dieser Fläche im Wald des Studienseminars bei Gietlhausen hat die Firma Hoffmann Mineral über viele Jahre hinweg Kieselerde abgebaut. Der Tagebau „Am Steinbruch“ grub sich zwischenzeitlich bis zu 70 Meter tief unter die Geländeoberfläche. Inzwischen ist davon nichts mehr zu sehen. 
Foto: Marcel Rother

Im Gietlhausener Wald hat die Firma Hoffmann Mineral rund ein Vierteljahrhundert lang Kieselerde abgebaut. Nun sprießen dort wieder 15.000 junge Bäume.

Spaziergänger können sich vielleicht noch erinnern: Im Jahr 2006 bot der Tagebau „Am Steinbruch“, mitten im Gietlhausener Wald, einen gleichermaßen unerwarteten wie spektakulären Anblick: Am Fuß der Grube, die sich inzwischen 70 Meter tief in den Boden gefressen hatte, stand eine türkisblaue Wasseroberfläche – ein Stück Karibik, umgeben von schroffem Gestein und saftigen Fichten. Das Ende der Kieselerdegewinnung war gleichzeitig ihr optisches Highlight. Seitdem wurde die Grube nach und nach verfüllt, inzwischen ist die Natur wieder am Zug. Seit kurzer Zeit wachsen auf der Fläche, auf der vormals Bodenschätze gewonnen wurden, tausende neuer junger Bäume.

„Es ist der zweite Teil der Rekultivierung, im Zuge dessen nun 15.000 weitere Bäume gepflanzt wurden“, erklärt Alfred Hornung, Mitglied im Stiftungsvorstand des Studienseminars, bei einem Ortstermin. Gepflanzt wurden Traubeneiche, Hainbuche, Winterlinde und Elsbeere, vereinzelt auch Baumhasel, Walnuss und Schwarznuss. Um dem Klimawandel Rechnung zu tragen, wurde besonderer Wert auf Laubhölzer gelegt. Das war bereits im ersten Teil der Rekultivierung im Jahr 2010 so, wo neben Lärchen ebenfalls Eichen, Buchen und Linden gepflanzt wurden.

Mensch und Maschine arbeiten zusammen, das erleichtert das Setzen von 15.000 jungen Bäumen erheblich. 
Foto: wr

Hoffmann hat am Steinbruch von 1994 bis 2006 Kieselerde abgebaut

Bis es überhaupt einmal wieder grünen und sprießen konnte auf der Fläche des ehemaligen Tagebaus, sind viele Jahre ins Land gezogen. Anhand von ihnen lässt sich beispielhaft der Lebenslauf eines Tagebaus von seiner Öffnung, über die Verfüllung bis zur Rekultivierung nachvollziehen. Die Firma Hoffmann öffnete den Tagebau „Am Steinbruch“ in den 90er Jahren, nachdem Erkundungsbohrungen aussichtsreich verlaufen sind, die zuständigen Genehmigungs- und Fachbehörden ihr Einverständnis erklärt und die Eigentümer der Fläche – die Stiftung Studienseminar Neuburg – ihre Erlaubnis erteilt hatten.

Im Jahr 1994 konnte es losgehen. Die Fläche wurde vom Eigentümer gerodet und von Spezialisten archäologisch sondiert. Anschließend hat die Firma Hoffmann den Kieselerdestock nach und nach freigelegt. Zuerst wurde die Humusschicht abgetragen, dann der sogenannte Abraum, bis 1996 mit dem Abbau des weltweit einmaligen Rohstoffs begonnen wurde. Zuerst im Westen und Norden, vier Jahre später auch im Osten. Der Tagebau wurde ständig erweitert und grub sich bis zum Ende der Abbauphase im Jahr 2006 70 Meter tief in die Erde. 500.000 Kubikmeter Kieselerde wurden an diesem Standort gefördert, bis der neue Tagebau „Schaflache Ost“ geöffnet wurde und mit dessen Abraum der Tagebau „Am Steinbruch“ nach und nach verfüllt wurde. Es folgte eine Humusschicht, 2010 konnte mit der Rekultivierung des ersten Teils begonnen werden, nun schließt sich mit den restlichen jungen Bäumen der Kreis. Sie wurden von der Firma Hoffmann in Kooperation mit dem Studienseminar gepflanzt. Sie sorgen dafür, dass in ein paar Jahren die „Wunde“ im Gietlhausener Wald zugewachsen sein wird.

Hoffmann exportiert die Kieselerde weltweit

Derweil ist die Firma Hoffmann auf der Suche nach weiteren Standorten für den Kieselerdeabbau. Während die neuen Standorte Siglohe und Riedensheim bereits vielversprechend seien, werde auch im Landkreis Eichstätt, etwa in Gammersfeld, nach neuen Vorkommen gesucht, sagt Geschäftsführer Karlheinz Schmidt. Sein Unternehmen exportiert die Kieselerde an 40 Unternehmen weltweit. Das Einsatzgebiet ist vielseitig und reicht vom Füllstoff für Gummis, Farben und Lacke, über die Beigabe zu Poliermitteln bis hin zum Nahrungsergänzungsmittel.

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