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Ingolstadt

21.05.2017

Kleiner, leiser, aber...

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Vorne der Prinz 3, der als Prototyp und erster Versuchsträger mit einem Wankelmotor ausgerüstet wurde. Er ging nie in Serie. Dahinter der wohl berühmteste mit einem Wankelmotor betriebene Serien-Pkw. Der RO 80 kam 1967 auf den Markt und war damals sowohl technisch als auch im Design eine Revolution. In ihm arbeitet ein Zweischeiben-Wankelmotor.
Bild: Foto: mad

Im Audi museum mobile kann man einiges über den revolutionären Wankel-Motor lernen. Und erfahren, warum er sich nicht durchsetzte.  

Es hatte schon etwas Revolutionäres. Und die BILD-Zeitung, noch nie verlegen um große Überschriften, titelte dann auch „NSU baut Wundermotor“. Man stelle sich vor, man öffnet die Motorhaube und findet nur ein Aggregat in der Größe einer Lichtmaschine. Aber wo ist der Motor? Ha, die vermeintliche Lichtmaschine ist der Motor. Aus 125 Kubikzentimeter Hubraum holte Felix Wankel, ein genialer Ingenieur und Erfinder, die gleiche Leistung wie aus einem damaligen 1200 Kubikzentimeter-VW Käfer-Motor. Wankel hatte den Drehscheibenmotor erfunden. Zusammen mit NSU in Neckarsulm brachte der Geschäftsmann und Ingenieur seinen Motor als Antrieb in Automobile.

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Der Wankelmotor setzte die Kraft direkt in eine Drehbewegung um. Anders als beim Kolbenmotor, bei dem die Auf- und Abwärtsbewegung der Kolben über eine Pleuelstange und eine Kurbelwelle in eine Drehbewegung umgesetzt wurde, drehte sich beim Wankelmotor ein einziger dreieckiger Kolben mit gerundeten Seiten in einem Gehäuse und arbeitete damit in den vier Takten eines Verbrennungsmotors: Einlass, Kompression, Zündung des Gasgemisches und Auslass. Das Resultat dabei war, dass der Motor nicht nur kleiner und leichter, sondern dazu auch noch viel leiser als ein Otto-Motor war. Der eigentliche Motorradhersteller NSU hatte in den 50ern die Vision, mit dem revolutionären Wankelmotor groß in das Pkw-Geschäft einzusteigen.

Felix Wankel war Anfang der 50er Jahre bereits als Zulieferer für NSU tätig. „Die Neckarsulmer hatten sich wegen der Optimierung eines Drehschiebereglers an Wankel gewandt“, erzählt Stefan Felber, Kurator im Audi Museum mobile. „Nebenbei machte er seine Motorenidee bekannt und rannte damit bei NSU offene Türen ein.“ Beide, Wankel wie auch NSU, entwickelten das Prinzip weiter. Und auch Mazda war damals hoch interessiert an diesem Motor.

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Der erste Wankelmotor wurde bei NSU in einem NSU Prinz 3 eingebaut, der als rollender Prüfstand diente. Das erste Serienfahrzeug von NSU war dann 1963 ein Bertone Sport Prinz mit dem Kreiskolbenmotor KKM 502, der 50 PS leistete und dabei nur 40 Kilogramm wog. Zwei unterschiedliche Prinzipien gab es bei den Rotationskolbenmotoren. Beim KKM bewegen sich alle Teile, die Arbeit verrichten, auf einer Kreisbahn. Beim Drehkolbenmotor DKM dagegen drehen sich alle beweglichen Teile um einen gemeinsamen Schwerpunkt. Gar nicht so einfach.

Aber die Technik soll hier gar nicht im Mittelpunkt stehen. Die kann man bis ins Detail im Audi museum mobile in Ingolstadt sehen. Wankel und NSU hatten einen Motor, der mit dem Beginn seiner Entwicklung auch sein Ende fast schon erreicht hatte. NSU baute in den 60er Jahren zu dem innovativen Motor ein noch innovativeres Auto. Der NSU RO 80 überraschte die Welt mit seinem Design und seiner fortschrittlichen Technik. Eine Limousine, wie es sie bis dahin noch nicht gegeben hatte. Herrschte in der deutschen Automobilindustrie in den 60er noch eher der barocke Stil oder das Abkupfern von amerikanischen Autos vor, so kam der RO 80 als Fahrzeug mit ganz eigenem Design auf den Markt. Dazu Frontantrieb, 2-Kreis-Bremsen, Servolenkung und noch mehr Sicherheitstechnik. Der RO 80 hatte eine aerodynamisch optimierte Karosserie, sodass er als Vater von allen cw-Wert-optimierten Fahrzeugen gilt. Die Keilform war erfunden. Zwischen 1967 und 1977 wurden über 37000 Stück gebaut. Richtig durchgesetzt hat er sich nicht. Dafür war er zu teuer. Außerdem waren anfangs die Motordichtungen zu anfällig. Der Wagen galt als avantgardistisch. Und für den RO 80 wurde der Audi Werbeslogan „Vorsprung durch Technik“ generiert. Auch Mazda brachte den Wankelmotor in Serie. Der RX7 dürfte der bekannteste in Europa sein. 1991 gewann Mazda mit einem Wankelmotor sogar die 24 Stunden von Le Mans. Der Motor hatte im Auto dennoch keine Zukunft. Es fehlte ihm das Weiterentwicklungspotenzial. Er verbrauchte zu viel Treibstoff.

Der Wankelmotor ist nicht abgeschrieben

Ganz vergessen hat Audi diesen Motor allerdings nicht. Im A1 e-tron, der von einem Elektromotor antrieben wurde, sorgte ein kleiner Wankelmotor als Rangeextender für das Laden der Batterie. Angeblich hat Ferdinand Piech seinerzeit persönlich die Entwicklung nicht aus der Prototypenphase entlassen. Aber der Wankelmotor ist deshalb nicht abgeschrieben. Er findet immer noch seine Verwendung, beispielsweise als Bootsmotor, in Motorsägen oder bei Blockheizkraftwerken.

Felix Wankel und seiner Entwicklung widmet das Audi museum mobile zum 60. Geburtstag des Wankelmotors eine Sonderausstellung, die noch bis zum 5. November zu sehen ist. Zu sehen sind Autos angetrieben von einem Wankelmotor, aber nicht nur von NSU. Auch Mazda und Citroen sind vertreten. Darüber hinaus jede Menge technisches Gerät, das mit Wankelmotoren arbeitet. So auch die erste Seriennutzung des Wankelmotors, ein sogenanntes Skicraft. Ein Wasserski-Zuggerät, das sicherlich auch heute noch seine Liebhaber findet würde.

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