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08.07.2010

Kletterpartie für Sicherheit am Felsen

Sicherheitscheck in schwindelnder Höhe über Hüttings Häusern. Links Helfer Andreas Eichler, rechts Geologe Thomas Struller. Fotos: Michael Geyer
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Sicherheitscheck in schwindelnder Höhe über Hüttings Häusern. Links Helfer Andreas Eichler, rechts Geologe Thomas Struller. Fotos: Michael Geyer

Rennertshofen-Hütting "Ok - Stop - weiter - Stand - Seil frei!"Aus dem kleinen Funkgerät an seiner Brust empfängt Andreas Eichler die Kommandos seines Bergkameraden Thomas Struller. Die beiden Weißenburger Mittvierziger sind nicht irgendwo auf einer Kletterpartie in den Alpen unterwegs, sondern auf den malerischen Felspartien hoch über Hütting im Donautrockental. Hier hat das Jurameer vor rund 155 Millionen Jahren die herrlichen Kalkriffe geschaffen, die jetzt das Ortsbild prägen und verschönern, gleichzeitig aber auch eine Gefahr für die Bewohner und ihre Häuser darstellen können.

VON MICHAEL GEYER

Denn der Fels bröckelt, ganz besonders nach harten Wintern wie dem letzten, in denen in die Felsritzen und -klüfte eindringendes Wasser den Stein bei Frost sprengt und Schnee und Eis ihre zerstörende Wirkung zeigen. Durch den Temperaturwechsel kommt es zu derart hohen Spannungen, dass selbst der härteste Stein zerbröckelt. Das Gestein verwittert, löst sich aus dem Verbund mit dem Felsen und rauscht schlimmstenfalls zu Tal. So wie der riesige Felsbrocken in Traunstein, der eine ganze Familie in ihrem Haus begraben hat.

Dem geübten Ohr entgeht nichts

Kletterpartie für Sicherheit am Felsen

Durch solche Vorkommnisse aufgeschreckt, rufen die Straßenbauämter und Kommunen heuer verstärkt nach den Spezialisten des LGA Instituts für Umweltgeologie und Altlasten in Nürnberg. Fachleute wie der Ingenieur und Geologe Thomas Struller, die sich ansonsten um Abfälle, Deponien und Altlasten kümmern, untersuchen die Felsen, klopfen das Gestein ab und beurteilen seine Standfestigkeit. Aber auch bereits angebrachte Sicherheitseinrichtungen wie Fangzäune oder Drahtfangnetze und sonstige Sicherungen und deren Verankerungen im Felsen werden überprüft.

Dem geübten Ohr entgeht beim Abklopfen mit dem Geologenhammer ebenso wenig wie dem geschulten Auge. So entdeckte Thomas Struller im Auftrag des Marktes Rennertshofen am Fuß der Hüttinger Burg, dass der Frost den Beton aus vorausgegangenen Sicherungsmaßnahmen bereits wieder angegriffen hat. Lockere Partien im Fels erkennt er am hohlen Klang und markiert sie mit einem hellgrünen Sprühstrahl, damit sie später gezielt geräumt werden können.

Als "vorbildlich" bezeichnet er die Sanierung am Nachbarfelsen des "Haubers": Der Fels wurde mit Ankern gesichert. Hierzu wurden in meterlange Bohrlöcher Dübel gesetzt, in die Stahlstäbe geschraubt wurden, die ihrerseits nach einer geringen Vorspannung mit einer Mutter auf eine Unterlage aus Stahl verschraubt wurden. Von den Ankern sieht man nur noch die quadratischen Unterlagen. Wo Beton eingesetzt wurde, um die Felsen zu stabilisieren, erkennt man fast gar nicht, weil der Beton mit gemahlenem Kalkstein vermischt wurde und damit die originäre Farbgebung des Felsen perfekt nachgeahmt wurde.

Untersuchungen dauern zwei Tage

Die Sicherheitsausrüstung noch einmal kurz überprüft, der Helm sitzt, Fotoapparat, Funkgerät und Hammer hängen gesichert am Mann, dann kann es losgehen: Zentimeter für Zentimeter gibt Eichler das Seil für seinen Kameraden frei, der tastet sich den Fels hinunter, teils sich mit den Füßen abstützend, teils krallt er sich in die zahlreichen Spalten und Felsritzen. Dann hört man schon den Geologenhammer klopfen und kurz darauf das Zischen der Sprayflasche. Wenn Struller unten ist, muss er sich wieder den Hang hinauf- und durch das stachelige Wacholdergestrüpp zum nächsten Ausgangspunkt kämpfen, auf den sein Partner bereits für den nächsten Abstieg wartet.

Zwei Tage lang rechnen die beiden für ihre gemeinsamen Untersuchungen am Seil, einen weiteren Tag wird Struller flachere, ungefährlichere Stellen aufs Korn nehmen. "Es ist wie in jeder Statistik", beurteilt er das Risiko, dass sich ein Gesteinsbrocken vom Felsen löst. "Irgendwann passiert es - das kann heute oder erst in einer Million Jahren sein."

Das Risiko könne aber vermindert werden, wenn vorher etwas unternommen werde. Deswegen wird er in seinen Beurteilungen mit Sicherheit die Räumung der markierten Stellen aufnehmen, damit die Hüttinger auch in Zukunft gut schlafen können.

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