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Rohrenfels

07.06.2019

Kneipp-Kindergarten: Ein gesunder Lebensstil von Kindesbeinen an

Erst kommt der rechte Arm ins Wasser, dann der linke. Bis 15 zählen, langsam die Arme herausziehen und das Wasser abstreifen. So funktionieren Armbäder nach Sebastian Kneipp. Diese beiden Buben sind schon Profis und machen es vor.
Bild: Claudia Stegmann

Plus Die Kindertagesstätte in Rohrenfels ist jetzt offiziell ein Kneipp-Kindergarten. Es ist der erste dieser Art im Landkreis. Was hinter dem Konzept steckt.

Früh übt sich, wer gesund bleiben will. Dieses Motto hat sich der kirchliche Kindergarten St. Elisabeth in Rohrenfels zu eigen gemacht. Denn seit Freitag ist die Kindertagesstätte offiziell ein Kneipp-Kindergarten. Beim Sommerfest bekam Einrichtungsleiterin Daniela Schmid das Zertifikat vom Kneipp-Landesverband überreicht. „Die Kinder sollen wissen, wie sie ihre Gesundheit und ihren Körper stärken können, und wir versuchen, es ihnen mit Spaß und Freude beizubringen“, sagte sie den vielen Eltern, die an diesem sonnigen Nachmittag in den Garten des Kindergartens gekommen waren.

Sind mächtig stolz auf die Zertifizierung: (von links) Pfarrer Herbert Kohler, Kindergartenleiterin Daniela Schmid und Bürgermeister Wigbert Kramer.
Bild: Claudia Stegmann

Der Kindergarten in Rohrenfels ist der erste im Landkreis, der nach der Gesundheitslehre von Sebastian Kneipp arbeitet. Diese basiert auf fünf Säulen: Wasser, gesunde Ernährung, Bewegung, Heilpflanzen und Lebensordnung. Schon seit eineinhalb Jahren wird das Konzept in der Krippe und im Kindergarten umgesetzt, doch erst jetzt erfolgte die offizielle Zertifizierung, nachdem die Vorgaben 18 Monate lang umgesetzt wurden und die Hälfte der Erzieherinnen entsprechende Schulungen besucht hat.

Ein Kneipp-Kindergarten basiert auf fünf Säulen

In einem Kneipp-Kindergarten steht das Kneippen natürlich an oberster Stelle. Einmal in der Woche geht es ins Untergeschoss des Gemeindezentrums, wo die Kinder wechselwarme Fuß- und Armbäder bekommen. Im Frühling und Sommer heißt es: Tautreten auf der Wiese, und im Winter geht es barfuß durch den pulvrigen Neuschnee. Die sogenannte Hydrotherapie stärkt das Immunsystem, den Kreislauf und die Fußmuskulatur. Bislang behilft sich der Kindergarten mit einfachen Wannen für die Wechselbäder, im neuen Kindergarten soll es dann gegebenenfalls ein festes Kneippbecken geben, erzählt Daniela Schmid.

Im Garten wachsen Kräuter wie Pfefferminze, Oregano, Estragon oder Salbei. Die Kinder lernen nicht nur, wie sie schmecken, sondern auch, wie sie wirken.
Bild: Claudia Stegmann

Bei der Ernährung spielen vor allem Heilkräuter eine Rolle. Egal ob süßer Brennnesselaufstrich, Lavendelkuchen oder Thymiantee – die Kinder lernen die Kräuter kennen, schmecken und erfahren, welche Wirkung sie haben. Sie wandern nicht nur frisch ins Essen, sondern werden auch getrocknet und von den Kindern unter Anleitung zu Salben, Ölen, Tees oder Kräuterkissen verarbeitet. Viele der Heilkräuter wachsen im Garten des Kindergartens genauso wie Salat, Karotten, Tomaten oder Schnittlauch. Erst werden sie von den Kindern gegossen, dann geerntet und schließlich gegessen. Die frische Komponente kommt zusammen mit den Fertiggerichten auf den Tisch. Die Kinder lernen auf diese Weise bereits im frühen Alter den respektvollen Umgang mit der Natur und den gesundheitlichen Nutzen einzelner Pflanzen.

Der Kindergarten in Rohrenfels arbeitet schon seit eineinhalb Jahren nach Kneipp

Viel Bewegung – vor allem an der frischen Luft – gehört ebenso zum Kneippschen Konzept wie Entspannungsübungen und feste Rituale. Durch das ausgeglichene Verhältnis zwischen Ruhe- und Aktivitätsphasen werden die sozial-emotionalen Kompetenzen der Kinder geschult, indem sie etwa ein Bewusstsein für gesellschaftliche Regeln entwickeln und auf die eigenen sowie die Gefühle anderer angemessen reagieren.

Mit der Idee war Kindergartenleiterin Daniela Schmid vor zwei Jahren an die Kirchenverwaltung herangetreten. Im ersten Moment seien die Mitglieder skeptisch gewesen. „Doch dann hat es keine 15 Minuten gedauert und wir waren von dem Vorschlag begeistert“, erinnert sich Pfarrer Herbert Kohler, der als Leiter der zuständigen Pfarreiengemeinschaft Neuburg für das Personal und Konzept der Einrichtung verantwortlich ist. Bayernweit gibt es derzeit 86 Kneipp-zertifizierte Kitas, in ganz Deutschland sind es über 400.

Das Sommerfest stand ganz im Zeichen von Kneipp.
Bild: Claudia Stegmann

Das Sommerfest stand natürlich ganz im Zeichen von „Tropf, Tropfi und Kneippi“, den Maskottchen des frisch gekürten Kneipp-Kindergartens. Die Kinder hatten Lieder rund um das Thema Wasser einstudiert, und der Elternbeirat bedankte sich mit einer süßen „Kneipp-Torte“.

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