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Ingolstadt

25.01.2019

Konjunktur: Die fetten Jahre sind vorbei 

Sie arbeiten im Vorstand des Verbandes der bayerischen Metall- und Elektroindustrie München Nord und Ingolstadt und stellten die jüngsten Umfrageergebnisse unter den Mitgliedsunternehmen vor: (v. li.) Michael Mißlbeck, Helmut Krauss, Robert Morgner und Thomas Stohwasser.
Bild: Manfred Dittenhofer

Weit weniger Unternehmen der regionalen Metall- und Elektroindustrie als zuletzt blicken positiv in die Zukunft. Woran das liegt.

Wie entwickelt sich der Export – vor allem in die USA und nach England nach dem Brexit? Was macht der chinesische Markt? Kommen mehr Aufträge aus dem deutschen und europäischen Binnenmarkt? Wo die IT-Fachleute und die anderen Fachkräfte hernehmen, die überall fehlen? Fragen über Fragen oder wie es der Verband der Metall- und Elektroindustrie für München Nord und die Region Ingolstadt formuliert, der seine Mitgliedsunternehmen befragte: Risikofaktoren, die die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland belasten. Deshalb blicken weit weniger Unternehmen aus der Branche positiv in die Zukunft als noch im vergangenen Jahr.

Der Vorstandsvorsitzende des Verbandes der bayerischen Metall- und Elektroindustrie München und Oberbayern, Helmut Krauss, zeichnete kein sehr positives Bild für die kommenden Jahre. Neben den weltweiten Risiken seien vor allem die Tarifabschlüsse, der Fachkräftemangel und die politischen Rahmenbedingungen in Deutschland selbst nicht wirklich förderlich für die wirtschaftliche Entwicklung. Tarifverträge, in denen die Arbeitnehmer zwischen mehr Geld und mehr Freizeit wählen könnten, würden auf der anderen Seite noch mehr Fachkräfte nötig machen, um die fehlenden Arbeitszeiten aufzufüllen, so Krauss. Dazu kämen die Unwägbarkeiten für die Automobilindustrie, die gerade einen Umstrukturierungsprozess durchmache und von allen Seiten verteufelt werde.

Ingolstädter Unternehmen erwartet erstmals seit zehn Jahren kein Wachstum

Wie jedes Jahr im Januar stellte Kraus die aktuelle Umfrage unter den Verbandsmitgliedern vor. Das Ergebnis zeigt, dass die befragten Unternehmen nicht mehr so positiv in ihre wirtschaftliche Zukunft blicken. Conti Temic, Elektronikdienstleister für die Automobilindustrie, zum Beispiel verzeichnete zum Jahresende einen verringerten Kundenabruf an Dienstleistungen, wie Thomas Stohwasser, Leiter Personal bei Conti Temic, erklärte. Das Ingolstädter Unternehmen ist in den letzten Jahren rasant gewachsen, hat im vergangenen Jahr 85 neue Mitarbeiter eingestellt und zählt nun über 1800 Angestellte. Für 2019 erwartet Stohwasser erstmals seit 10 Jahren kein Wachstum des Unternehmens.

PK in Ingolstadt: Verband fordert mehr Flexibilität

Um den Konjunkturmotor nicht ganz abzuwürgen, fordert der Verband mehr Flexibilität. Nicht nur von den Arbeitnehmern, sondern auch von der Politik und der Gesellschaft. Man dürfe die Automobilindustrie, die schließlich für den Wohlstand Deutschlands zu einem Großteil beitrage, nicht weiter schlecht reden, so Krauss. Aber nicht nur die Branche selbst, auch ihre Energiesicherheit stellte er infrage: „Wir brauchen immer mehr Strom, wollen aber weder Kernenergie noch Strom aus Kohle oder gar einen Ausbau unserer Stromnetze.“ Außerdem forderte er ganz konkret weniger Barrieren und eine flexiblere Handhabung bei befristeten Arbeitsverträgen.

Nach wie vor ein Problem: der Fachkräftemangel 

Einigermaßen ratlos ist man bei der Generierung von Fachkräften. Vor allem die IT-Fachleute und Software-Spezialisten fehlen. Auch mit Fachkräften aus dem europäischen und außereuropäischen Ausland lässt sich diese Lücke nicht füllen. Auf der anderen Seite stellt die Umstrukturierung hin zur E-Mobilität viele Mitarbeiter mit Maschinenbau-Knowhow vor die Herausforderung, dass sie beim Fahrzeugbau nicht mehr in dem bisherigen Maße gebraucht werden.

Die Themen Umqualifizierung, Quereinsteiger und angepasste Ausbildung beschäftige die Unternehmen sehr stark, wie Robert Morgner berichtete. Der Geschäftsführer der ASAP Holding in Gaimersheim wünscht sich eine positivere Sichtweise auf die deutsche Industrie. Zudem müsse auf geänderte Arbeitsweisen vor allem der jüngeren Generationen Rücksicht genommen werden.

Europäische Union und der Binnenmarkt ganz wichtig

Krauss nahm vor allem die Politik in die Pflicht und brach eine Lanze für die Europäische Union. Ein gemeinsamer starker Binnenmarkt mit gleichen Zulassungsvoraussetzungen sei unabdingbar. „Ein Rückzug auf die nationalen Grenzen funktioniert nicht.“ Nur gemeinsam und im europäischen Rahmen sei der technologische Wandel ohne große Einschnitte zu schaffen.

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