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Neuburg

04.11.2019

Konzert: Das Beste kommt zum Schluss

Henning Gailing (links) und Harry Allen spielten im Hofapothekenkeller in Neuburg.
Foto: Gerd Löser

Das Harry Allen und Martin Sasse Trio gastierte im Birdland Jazzclub. Warum die Musik das Publikum nicht von Anfang an gepackt hat.

Im Birdland Neuburg mit seinem bezaubernden Ambiente springt der Funke oft schon bei den ersten Takten auf die Zuhörer über. Sie sind gepackt von einem Jazz-Gesamtkunstwerk, meist musikalisch und technisch auf internationalem Niveau und einer Atmosphäre, die man nur in wenigen Jazzclubs findet. Beim Auftritt des Harry Allen (Tenorsaxofon) & Martin Sasse Trio (Henning Gailing am Bass, Joost van Schaik (Schlagzeug) und Martin Sasse am Flügel) war es ein bisschen anders.

Dieser Mainstream-Sound packt einen nicht auf Anhieb, der Swing kommt zunächst etwas verhalten über die Rampe, das Ganze wirkt in manchen Stücken nicht optimal austariert, das Volumen des Schlagzeugs deckt gelegentlich Piano und Bass ein wenig zu. Man muss sich an diese Art des Musizierens schon gewöhnen. Auch die Musiker selbst spielen sich erst allmählich wirklich frei, im zweiten Teil des Programms sind sie dann voll da, mitreißend und überzeugend etwa in dem Song „Every thing I love“ oder im Bossa nova mit dem Titel „When your lover has gone“ und im kunstvollen Walzer „Emily“.

Konzert im Birdland in Neuburg: Am Ende fiel der Applaus stürmisch aus

Diese Steigerung mit einem nicht ganz kurzen Anlauf ist am Applaus der Publikums zu spüren, der zum Ende dann stürmisch ausfällt. Das Beste kommt zum Schluss – kein schlechtes Motto, auch wenn es so vielleicht nicht geplant sein mochte. Im Walzer „Emily“, über dem eine geheimnisvolle Schönheit schwebt, wachsen die vier Musiker zu einer stimmigen Einheit, hier zeigen sie, was sie an Raffinesse, Virtuosität und auch an intellektuellem Anspruch drauf haben. Diese Qualität kennzeichnet auch den Charme der Balladen von Cole Porter, der zu den Lieblings-Komponisten von Allen und Sasse gehört.

Der Mann am Tenorsaxofon, der schon zu Beginn mit seinem edlen Ton Glanzlichter gesetzt hat, zelebriert ein mutiges, manchmal ausgreifendes Vibrato, er spielt ohne Brimborium und in einer fast provozierend unbewegten Körperhaltung. Das unterscheidet Harry Allen auf sympathische Weise von manchen Kollegen, die neben der musikalischen Qualität auch gerne auf die Show setzen. Der Amerikaner Allen ist sozusagen auf die reine Musik und auf jeden einzelnen Ton fokussiert.

Diesen Stil pflegt auch Bassist Henning Gailing, der selbst verrückte Passagen irgendwo in der Nähe des Stegs wie selbstverständlich in den Raum stellt und auf größere begleitende Turnübungen verzichtet. Am Piano wird Martin Sasse mit jeder Nummer freier und intensiver, kostet seine Soli und die Freude an der Improvisation aus. Und der junge Drummer Joost van Schaik entpuppt sich bei mancher Ballade wie auch in rasanten Soli dann doch als Musiker mit feinem Feeling, der weiß, dass es nicht auf die Dezibel ankommt. Aber es brauchte halt ein wenig, bis diese Stufe des Konzertierens erreicht war.

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