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11.02.2015

Kooperation statt Konflikte

Süssmuth signiert in der Buchhandlung Rupprecht.
Bild: Raphael Beck

Rita Süssmuth in der Buchhandlung Rupprecht

„Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.“ Dieses Zitat von Samuel Beckett habe sie immer zum Weitermachen bewegt, erzählt Rita Süssmuth. Die Zuhörer schmunzeln, die zur Vorstellung ihrer Autobiografie „Das Gift des Politischen“ in die Buchhandlung Rupprecht gekommen waren.

Ihren Humor hat sich die ehemalige Bundestagspräsidentin über die Jahre bewahrt, trotz einigen Gegenwindes, den sie in ihrem Leben aushalten musste. Die Kindheit der heute 77-Jährigen war geprägt vom Zweiten Weltkrieg, von harter Arbeit und schlimmen Erlebnissen. Jedoch habe diese Zeit sie „stark gemacht“. Ein späteres Schlüsselerlebnis sei ein Bewerbungsgespräch um eine Dozentur gewesen, bei dem sie gefragt wurde, was denn wäre, wenn sie ein Kind bekäme? Und ob ein Mitbewerber, Vater von neun Kindern, nicht besser für die Professur der Erziehungswissenschaften geeignet sei? Süssmuth entgegnete damals, dass ihre Familienplanung Privatsache sei, und der neunfache Vater doch bereits die höchste Professur innehabe, die es gebe. Damals sei ihr klar geworden, dass sich in Sachen Gleichberechtigung etwas ändern müsse.

Die Gelegenheit, dieses gesellschaftliche Gift zu bekämpfen, bekam sie, als Heiner Geißler sie als seine Nachfolgerin im Familienministerium vorschlug. Süssmuths Auffassung, dass man die Erkenntnisse aus der Erziehungsforschung einfach politisch umsetzen könne, sollte sich im politischen Tagesgeschehen nicht bewahrheiten. „Da war ich zu naiv. Ich hätte es strategischer angehen müssen“, gibt sie zu.

Oft musste die Familienministerin erfahren, dass Fakten nicht immer mehrheitsfähig waren. Vor dem demografischen Wandel habe man viel zu lange die Augen verschlossen, obwohl sich die Geburtenzahlen zwischen 1964 und 1985 faktisch halbiert hatten. Nach dem GAU in Tschernobyl, so Süssmuth, hätte die Regierung die Wahrheit zurückgehalten, um die Menschen nicht zu verunsichern. Ein weiteres, heute grotesk wirkendes Beispiel: „In der Frage, ob Vergewaltigung in der Ehe strafbar werden soll, gab es viel Widerstand aus Bayern.“ Belustigtes Kopfschütteln im Publikum. Im Kampf gegen AIDS habe es der Mithilfe der Bevölkerung bedurft. „Da habe ich gespürt, dass man gemeinsam etwas verändern kann.“ Doch der Kampf gegen die gesellschaftszersetzenden Gifte ist nicht vorbei: Süssmuth zeichnet ein düsteres Bild der heutigen weltpolitischen Lage, in der die Politikverdrossenheit noch ein kleineres Problem sei. 54 Millionen Menschen seien auf der Flucht vor Terror oder Diktaturen. Die Konflikte im Nahen Osten und der Ukraine sind nach wie vor ungelöst. „Wir dürfen die Hoffnung aber nicht aufgeben. Es braucht Diplomatie und Kooperation statt Konfrontation!“

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