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Neuburg

22.10.2020

Kosmetik in Neuburg: In der Corona-Krise wollen die Menschen schön sein

Immer mehr Menschen lassen sich in Zeiten von Corona Botox oder Hyaluronsäure ins Gesicht spritzen.
Bild: Peer Grimm, dpa/lbn (Symbolfoto)

Plus Laut einer Umfrage lassen die Menschen seit Beginn der Corona-Pandemie vermehrt Schönheitsbehandlungen durchführen. Ist das auch in Neuburg und der Region der Fall?

In schwierigen Zeiten will der Mensch wenigstens gut aussehen. Die Corona-Pandemie ist so eine schwere Zeit. Einer nichtrepräsentativen Mitgliederbefragung der Deutschen Gesellschaft für ästhetisch-plastische Chirurgie zufolge wird das Homeoffice zum Auskurieren von derartigen Behandlungen genutzt. Finanziert würden die Eingriffe unter anderem von dem Geld, das eigentlich für eine teure Urlaubsreise gedacht war, die nun ausfallen muss. Wir haben uns in Neuburg und der Region umgehört, ob die Kosmetikstudios und die Chirurgen vor Ort diese Entwicklung auch feststellen.

Chirurg aus Ingolstadt: Maske verbirgt Spuren kosmetischer Eingriffe

Die Fachärzte in Ingolstadt sind geteilter Meinung. Dr. Jan Zinndorf verzeichnet in seiner Praxis zwar keine zunehmende Nachfrage nach operativen Eingriffen, sehr wohl aber an sogenannten minimalinvasiven, also Behandlungen, die ambulant und ohne größere Schnitte durchgeführt werden können. Vermehrt gefragt seien Korrekturen der Nase und Lippenkonturierungen mit Hyaluronsäure, erzählt der Chirurg. Nach diesen Behandlungen komme es häufig zu vorübergehenden Rötungen und Schwellungen. Deshalb versuchten die Patienten vor der Corona-Pandemie, sie auf einen Freitag oder das Wochenende zu legen, damit es nicht auffällt.

Jetzt hätten die Menschen mehr Zeit und seien flexibler, sagt Zinndorf. Außerdem könnten sie die Spuren kosmetischer Eingriffe unter der Maske gut verbergen. Bei Behandlungen der oberen Gesichtshälfte sei der Anstieg nach dem Lockdown nicht ganz so ausgeprägt gewesen, hier sei die Nachfrage aber davor schon hoch gewesen, da bei der Verwendung von Botox normalerweise keine Rötungen oder Schwellungen auftreten, meint Zinndorf.

Zu den Patienten gehörten vor allem Menschen, die derzeit im Homeoffice arbeiten, berichtet der Chirurg und bestätigt damit diesen Aspekt der Studie. Dass sich jedoch die Berufsgruppe der Lehrer besonders häufig behandeln lasse, wie es in der Studie heißt, kann Zinndorf nicht feststellen. „Es sind eher Patienten, die sich schon länger mit dem Gedanken tragen.“

Kosmetik: Wer eine Maske trägt, betont gerne die Augenpartie

Dr. Gernot Maiwald, ebenfalls Facharzt für plastische und ästhetische Chirurgie in Ingolstadt, spricht von keiner verstärkten Nachfrage. Sein Eindruck ist, dass die Menschen sich momentan genau überlegen, ob sie das Haus wirklich verlassen für eine Maßnahme, die entbehrlich ist. Dass Menschen, die eine Maske tragen, gerne die obere Gesichtshälfte, insbesondere die Augenregion, betonen, sei kein neues Phänomen, sagt er. Bei Pflegepersonal auf Intensivstationen sei das zum Beispiel schon länger feststellbar.

Kosmetikerin Olga Wüst, die die Beautylounge in Neuburg betreibt, bestätigt die Erfahrungen von Zinndorf. „Viele Frauen lassen jetzt Gesichtsbehandlungen wie Lippenunterspritzungen oder Faltenunterspritzungen im Halsbereich machen, weil die blauen Flecken unter der Maske nicht zu sehen sind.“ Die Homeoffice-Kamera macht sie weniger für den Wunsch nach Schönheit verantwortlich. Dieser Wunsch sei seit dem Aufkommen der Selfies bereits immer stärker geworden. „Die Menschen wollen auch in der Realität so aussehen wie auf einem Foto, über das ein Filter gelegt wurde.“

Auch Oriana Adkonis-Fernandes, Inhaberin des Kosmetik-Studios Faces, hat vom Lockdown profitiert. „Ich habe so viele Neukunden gewonnen, ich könnte 24 Stunden arbeiten.“ Wie das kam? Die siebenwöchige Schließung ihres Studios hat die Kosmetikpflegerin dazu genutzt, Menschen über Soziale Medien anzusprechen. Die Leute hätten von Anfang an das Bedürfnis gehabt, sich auch zuhause zu pflegen und sich etwas Gutes zu tun, „weil sich das psychisch positiv auf sie auswirkt“, erzählt Adkonis-Fernandes. Ängstlich wegen des Coronavirus und einer potenziellen Ansteckung sei ihrer Ansicht nach niemand gewesen. Vor allem nicht die älteren Kundinnen. „Die Frauen waren froh, wieder rausgehen zu dürfen.“

Tragen der Maske kann zu Hautproblemen führen, sagen Experten in Neuburg

Im Geschäft von Cornelia Riesinger, Inhaberin des Quartier Luitpold, hat sich die Corona-Pandemie weniger stark bemerkbar gemacht. „Wir haben vor allem Stammkunden und die kommen ganz regelmäßig. Wir haben allerdings eine erhöhte Nachfrage nach Wimperntusche und beispielsweise Augenbrauenbehandlungen. Lippenstifte sind dagegen gerade weniger gefragt.“

Seit Einführung der Maskenpflicht stellen Olga Wüst und Oriana Adkonis-Fernandes noch etwas anderes fest: „Viele Frauen bekommen vom Tragen der Maske Hautprobleme, trockene Lippen und empfindlichere Augen“, sagt Wüst. Zunehmend jüngere Frauen kämen deshalb ins Studio, ergänzt Adkonis-Fernandes. Ähnliches kann auch der Neuburger Hautarzt Dr. Bernhard Hildebrandt berichten: „Was etwas häufiger auftritt ist die sogenannte Periorale Dermatitis. Das sind kleine rote Pusteln um den Mund.“ Dieses Problem hätten vor allem Frauen, insbesondere in der nass-kalten Jahreszeit. „Wenn sich die feuchte Atemluft unter der Maske sammelt, ist das eben förderlich für Hautentzündungen um die Mundpartie“, erklärt der Experte.

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