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Pfaffenhofen

20.01.2019

Kostenlos mit dem Bus durch die Stadt

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Durch eine Erhebung bestätigt wurde es noch nicht. Aber laut der Erfahrung von Nutzern fahren mehr Passagiere mit den Stadtbuslinien, seit diese kostenlos genutzt werden dürfen.
Bild: Manfred Dittenhofer

Seit Dezember müssen Fahrgäste in Pfaffenhofen nicht mehr zahlen, wenn sie den Stadtbus benutzen wollen.

Acht Linien, eine 30-minütige Taktung und das allerbeste: Die Fahrten mit den Pfaffenhofener Stadtbussen sind kostenlos. Seit 10. Dezember können alle Buslinien im Stadtgebiet genutzt werden, ohne dass dafür eine Fahrkarte gelöst werden muss.

„Ich finde das super und nutze den Bus nun noch mehr“, sagt Daniela Beringer. Sie ist auch schon vorher gerne mit dem Bus in die Innenstadt gefahren. Jetzt, da die Fahrten kostenlos sind, sitzt sie noch mehr im Bus. Aber nicht nur wegen des gesparten Geldes. Denn auch die Fahrzeiten haben sich geändert. Am Hauptplatz steigt Elisabeth Krahl aus der Linie vom Hauptbahnhof. Sie ist von Reichertshausen nach Pfaffenhofen gefahren. Je nach Wetter sei sie die Strecke auch schon mal gelaufen. Jetzt sitzt sie noch lieber im Bus. Und wie auch Beringer kann Krahl bestätigen, dass die Busse seit dem Abschaffen der Tickets besser gefüllt sind.

Im Februar soll es eine Fahrgasterhebung in Pfaffenhofen geben

So sieht das auch Pfaffenhofens Bürgermeister Thomas Herker. Eine richtige Fahrgasterhebung werde erst im Februar durchgeführt, so das Stadtoberhaupt. Aber man könne die gestiegene Nutzung der Stadtbuslinien bereits jeden Tag erleben. Herker erinnert sich an die ersten Planungsgedanken in Richtung kostenloser Stadtbus. Das sei vor drei Jahren gewesen. Im Rahmen der Fortschreibung des Flächennutzungsplanes habe man sich im Stadtrat Gedanken über ein Verkehrskonzept gemacht. Denn, so Herker, zur Flächenentwicklung gehört auch ein Verkehrsentwicklungskonzept. Ein verträglicher Verkehrsmix sollte in der Stadt Pfaffenhofen geschaffen werden. Ziel war damals, die Busgebühren deutlich zu senken, um den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu machen. Irgendwann sei die Idee aufgekommen, den Bus gleich ganz umsonst anzubieten. Bereits vorher hatte die Stadt mit ihren Buslinien rund 600.000 Euro Defizit eingefahren. Jetzt sind es etwa eine Million Euro. In dem gestiegenen Defizit sind laut Herker auch Fördergelder bereits mit eingerechnet, die mit dieser Maßnahme weggefallen sind.

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Pfaffenhofens Bürgermeister Thomas Herker freut sich über die gestiegene Nutzung der Stadtbusse.
Bild: Manfred Dittenhofer

Aber das jetzige System ist laut Herker nur ein Zwischenschritt. Ende 2019 wäre der laufende Vertrag mit dem privaten Busunternehmen, das die Linien befährt, ausgelaufen. Das Engagement wurde nun bis 2022 verlängert, um sich etwas mehr Zeit für die Zukunftsplanungen zu verschaffen. Bis zur nächsten großen Ausschreibung soll ein völlig neues Verkehrskonzept entstehen, das nicht nur die verschiedenen Verkehrsteilnehmer berücksichtigt, sondern auch die Infrastruktur entsprechend mitgestaltet. Dann kann sich Herker auch vorstellen, dass die Stadtwerke die Buslinien als Betreiber übernimmt. Es werde in alle Richtungen gedacht.

In Pfaffenhofen gibt es auch einen Rufbus

Das Stadtgebiet von Pfaffenhofen umfasst 93 Quadratkilometer und 63 Siedlungsflecke. Unmöglich, alle an ein Linienbussystem anzuschließen. Um aber ein Mindestmaß an Mobilität zu gewährleisten, bietet Pfaffenhofen neben diesen acht Linien einen Ortsteil-Rufbus an. Statt vorher 3,60 Euro pro Fahrt kostet der nun 1,50 Euro. Diesen Service kann man mit einer Vorlaufzeit von 30 Minuten telefonisch bestellen.

Eine weitere Taktverdichtung unter 30 Minuten kann sich Herker nicht vorstellen. Der finanzielle Aufwand dafür sei einfach zu groß. Aber Pfaffenhofen bietet inzwischen eine App, mit der man auf seinem Handy sehr gut nachvollziehen kann, wann der jeweilige Bus die eigene Haltestelle anfährt. So kann man die Zeit bis zur Busfahrt effektiver nutzen.

In Neuburg gibt es keine konkreten Planungen, die Stadtbusse kostenlos anzubieten. Aber Überlegungen seien auch in der Ottheinrichstadt bereits angestellt worden, so der Oberbürgermeister. Das Defizit beläuft sich laut Bernhard Gmehling momentan auf jährlich rund 700.000 Euro. Eine weitere Verschlechterung der Einnahmen sei den Stadtwerken nicht zuzumuten, weshalb Gmehling einen entsprechenden Antrag auch nicht befürworten würde. Die Linien in Neuburg würden gut angenommen und momentan in einem Pilotversuch in das Tarifsystem der Region 10 eingebunden.

Der Geschäftsführer der Ingolstädter Verkehrsgesellschaft sieht überhaupt keine Möglichkeit, ein solches Vorhaben umzusetzen. Laut Robert Frank liegt das jährliche Defizit, das die Busse auf den Stadtlinien einfahren, bei rund 12 Millionen Euro. Der Betrag würde bei kostenlosem Betrieb auf 30 bis 35 Millionen Euro steigen. „Wir teilen die Ansicht des Verbandes deutscher Verkehrsunternehmen, die auf eine Nutzerfinanzierung baut und zugleich die Taktungen und die Infrastruktur attraktiver gestalten und damit insgesamt den ÖPNV stärken will.“

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