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Neuburg-Schrobenhausen

12.05.2020

Kreistag vollzieht einen Generationswechsel

Rudolf Peterke (2. von rechts) mit Christine Haderthauer 2005 beim Hochwasser in Straß-Moos.
Bild: Winfried Rein

Plus Insgesamt haben sich 27 Mandatsträger aus dem Kreistag verabschiedet. Damit verlieren CSU und Freie Wähler langjährige Wegbegleiter.

Man kann von einem Generationswechsel sprechen, wenn Landrat Peter von der Grün am Donnerstag 27 neue Mitglieder des Kreistages Neuburg-Schrobenhausen vereidigt. Auch der Standort ist einmalig, erstmals wird die konstituierende Sitzung zur Einhaltung des Infektionsschutzes in den Kolpingsaal verlegt.

Kreistag: Verabschiedung der Mandatsträger soll nachgeholt werden

Alois Rauscher geht jetzt wieder zum Fischen. Hier mit Enkel Jakob.
Bild: Winfried Rein

Eine Verabschiedung will der Landrat im Herbst nachholen, zumal sich langjährige Kommunalpolitiker aus dem Plenum verabschiedet haben. Auf 42 Jahre im Gemeinderat Aresing und 36 Kreistagsjahre bringt es Alois Rauscher (71, CSU), zuletzt stellvertretender Landrat. Für Roland Weigert und seinen Nachfolger agierte er als rechte Hand, dabei wollte ihn die Hälfte der CSU-Fraktion 2014 gar nicht in dieser Rolle haben.

Der Agrar- und Wirtschaftsexperte sorgte für eine solide Linie in der Finanzpolitik des Kreises und begleitete schwierige Projekte wie den teuren Neubau der Paul-Winter-Realschule. Der spätere Chef der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft ging 1990 für drei Jahre nach Sachsen, um beim Verwaltungsaufbau und der Abwicklung riesiger LPG’s zu helfen. Auch dieser Schritt zeugt von der Einstellung Alois Rauschers, „Unterstützer und Vermittler der Bürgerschaft“ zu sein, das sei sein Credo in diesen Jahrzehnten der Politik gewesen.

Karl Seitle aus Karlshuld hat sechs Perioden als Bürgermeister durchgehalten

Ähnlich begründen auch die langjährigen Bürgermeister Ernst Gebert ( Rennertshofen), Albin Kaufmann ( Burgheim), Karl Seitle ( Karlshuld). Horst Rössler (Aresing), Josef Lechner (Waidhofen) und Günter Huniar (Neuburg) ihr Engagement in der Kommunalpolitik. In den Rathäusern sind sie bereits verabschiedet worden, jetzt beendeten sie auch das „Nachspiel“ im Kreisparlament. „King Karl“ aus Karlshuld hat sechs Perioden im Bürgermeisteramt durchgehalten und bleibt als konsequenter Kreispolitiker in Erinnerung, der die „Haushaltstricks“ der Landräte bekämpft und gleichzeitig voll hinter der Bildungsoffensive des Landkreises gestanden ist.

Sportler Benno Baur nach dem Silvesterlauf in Neuburg.
Bild: Winfried Rein

Mit Alois Rauscher besitzt Maria Lang aus Ehekirchen-Schönesberg familiäre Bande: Ihre Tochter hat seinen ältesten Sohn geheiratet. Für die beiden Enkel hat die kämpferische Kommunalpolitikerin jetzt mehr Zeit. Nach 30 Jahren im Gemeinderat, darunter 18 als stellvertretende Bürgermeisterin, hat sie den Schlussstrich auch im Kreistag gezogen. Sie gab die kritische Stimme in der Fraktion der Freien Wähler, immer klar bei der Sache und genervt von Fensterreden. Man könnte sie auch als Frauenrechtlerin aus dem Umland sehen.

In der gewachsenen FW-Fraktion spielte sie koordiniert mit Thomas Hümbs (66) zusammen, als Fraktionsführer die Zuverlässigkeit in Person. Das liegt vielleicht auch an seiner Vergangenheit als Polizeibeamter in Aichach. Der frühere Bürgermeister von Langenmosen legte nach 30 Jahren Kommunalpolitik das Heft des Handels auch im Kreistag in die Hände der Jüngeren.

Raiffeisenchef Benno Baur hat seiner Heimatgemeinde 30 Jahre gedient

Das gilt auch für Benno Baur (69) aus Karlshuld. Der Sportler und Raiffeisenchef hat seiner Heimatgemeinde 30 Jahre im Ehrenamt gedient, darunter 18 Jahre als stellvertretender Bürgermeister. Jetzt verzichtete der Pragmatiker darauf, nach vier Perioden im Kreistag noch eine weitere dranzuhängen. Einem Streit in der Sache mit der CSU ging der Freie Wähler nie aus dem Weg, schon gar nicht, nachdem seine „Entdeckung“ Roland Weigert Landrat geworden war. Da war auch Klaus Brems (70) maßgeblich beteiligt, lange Zeit Frontmann der Freien Wähler auch als Bezirksvorsitzender. Sowohl für den Stadtrat wie für den Kreistag ist er nicht mehr angetreten.

Anton Krammer gab als Steuermann der SPD die Richtung vor.
Bild: Winfried Rein

Rudolf Peterke (74), als Kriminaler einst Schrecken von Rauschgiftsüchtigen, macht endgültig Schluss mit der Kommunalpolitik. In seiner Heimatstadt Schrobenhausen hat er im Rathaus turbulente Zeiten mitgemacht, unter anderem als 3. Bürgermeister. Vom Hardliner der CSU ist er bald zu einem Mann des Ausgleichs geworden. Nach der Enttäuschung der verlorenen Landratswahl 2008 hörte er als CSU-Kreisvorsitzender auf. Die wichtige „Aktion Discofieber“ gegen Unfallrisiken junger Autofahrer trägt auch seinen Namen. In 30 Jahren Kreistag lagen ihm die Donaumoossanierung und das Kreiskrankenhaus besonders am Herzen. Für das „Hochwasserdorf“ Straß-Moos hätte er mit Christine Haderthauer gerne eine Sonderregelung herausgeschlagen, doch seine Landtagskollegen machten letztlich nicht mit. Zwölf Jahre lang gehörte er dem bayerischen Parlament an, „eine ganz andere Ebene mit intensiver Arbeit und familiären Kontakten über Parteigrenzen hinweg.“

Anton Krammer (69) aus Neuschwetzingen gab als Steuermann der SPD-Fraktion die Richtung vor, immer hartnäckig in der Sache und so gut wie nie aufgebracht. Mit dem früheren Audi-Mann müssen die geschrumpften Sozialdemokraten eine zuverlässige Größe ersetzen. Ein „Highlight“ von Krammers 30 Kreistagsjahren hatte sich zweifelsohne 2008 ergeben, als die CSU Landratssitz und Kreistagsmehrheit verlor. Hans Dußmann (64) aus Burgheim verpasste im Abwärtstrend seiner Partei nach 24 Jahren den Wiedereinzug in den Kreistag. Der frühere Torjäger und langjährige Sportreferent konzentriert sich nun auf die Gemeindepolitik.

Roland Gaßner macht nun im Gemeinderat Aresing weiter Kommunalpolitik.
Bild: Winfried Rein

Bei der SPD musste auch Horst Winter (69) zur Kenntnis nehmen, dass die Stimmen zum Wiedereinzug in den Kreistag nicht gereicht haben. Michael Kettner (67), jahrelang die Galionsfigur der Sozialdemokraten, hat sich aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen. Mit Roland Gaßner (51) verabschiedet sich ein CSUler aus dem Kreistag, der lange als Hoffnungsträger seiner Partei gehandelt worden war. Er stellte sich der Landtagskandidatur und trat 2014 für die CSU in der schwierigen Wahl gegen Landrat Roland Weigert an. Der kritische Geist ist im besten Politikalter und macht im Gemeinderat Aresing weiter. Mit Alexander von Zwehl (62) muss die CSU-Fraktion auf einen bodenständigen Mann mit Humor und viel Praxiserfahrung verzichten. Der Jäger und Betriebswirt investiert die gewonnene Zeit in die Arbeit auf Gut Oberarnbach.

Fritz Goschenhofer (76) gehörte lange zum „Inventar“ der CSU-Fraktion, jetzt hörte er ebenso wie der Burgheimer Metzgermeister Anton Kaiser (62) sowie Kulturreferent und Kapellmeister Alexander Haninger (54) im Kreistag auf. Für die FDP erhielten ihre Neuburger Vorkämpferin Bettina Häring und der Rennertshofener Unternehmer Alfred Bircks (65) kein Kreistagsmandat mehr. Bettina Häring will im Neuburger Stadtrat weiter mitmischen und Alfred Bircks hat weitere Impulse für seine Heimat Rennertshofen im Sinn.

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