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Maschinenringe Neuburg

11.07.2019

Kulinarischer Glamour in einer Neuburger Kantine

Die Kantine im Haus der Maschinenringe. Das Haus befindet am Stadtrand von Neuburg.
Bild: Christof Paulus

Die Kantine der Maschinenringe hat die höchste Auszeichnung erhalten, die es für Großküchen gibt. Damit gehört sie zu den besten ihrer Art.

Sie heißen nicht Lafer, nicht Wiener und nicht Oliver – doch auch Neuburg hat seine Starköche. Einen ausgefallenen Namen für ihr Restaurant haben sie nicht, am besten Platz der Stadt liegt das Restaurant ebenfalls nicht – und doch hat es jetzt fünf Goldene Kessel erhalten. Für Max Sparhuber und Werner Stark, die beiden Küchenchefs, ist die Auszeichnung genau so viel wert wie drei Sterne für einen der Fernsehköche – denn für sie ist es die höchste Auszeichnung, die sie erreichen können.

Stark und Sparhuber leiten die Küche in der Kantine im Haus der Maschinenringe am Neuburger Stadtrand. Bereits im vergangenen Jahr wurde die Küche mit drei Kesseln ausgezeichnet, jetzt hat sie fünf erhalten. Das ist die höchstmögliche Auszeichnung, die ein Betriebsrestaurant erhalten kann. Damit gehört die Kantine zu den vier besten in Deutschland und Österreich.

Suchtkranke wie Vollzeitbeschäftigte arbeiten in der Küche und an der Ausgabe.
Bild: Christof Paulus

Darum wurde die Kantine der Maschinenringe ausgezeichnet

Vergeben werden die Auszeichnungen von der internationalen Küchen- und Serviermeistervereinigung (IKSV). Deren Präsident Rolf Maninger war im Frühjahr in Neuburg zu Gast, um die Küche zu begutachten. Sein Urteil fiel durchweg positiv aus: Überrascht sei er von den Verbesserungen gewesen, er lobte die Koch-Leistungen, und dass die Küche frische Bio-Produkte verwende. Schon im Vorjahr hatte er dem Küchenteam ein tolles Zeugnis ausgestellt. Dabei wurden die Köche nicht nur mit drei Goldenen Kesseln ausgezeichnet: Sparhuber vertrat kürzlich Deutschland bei einem Treffen von Köchen der Teilnehmerländer am Rande des G20-Gipfels im japanischen Osaka.

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Nicht nur durch seine gute Küche zeichnet sich das Restaurant im Haus der Maschinenringe aus. Sparhuber und Stark haben besondere Kollegen – denn die Küche wird vom Unternehmen Integra betrieben. Das ist ein gemeinnütziger Betrieb, der Suchtkranke beschäftigt und sie so wieder in den Alltag integrieren will. Zwischen zehn und 15 von ihnen arbeiten in der Küche im Haus der Maschinenringe, wie Geschäftsführerin Marianne Schlamp sagt. Jeder von ihnen darf bis zu 15 Stunden in der Woche arbeiten. Die Stelle dient lediglich als Zuverdienst, als Suchtkranke dürfen die Beschäftigten nicht mehr als diese Zeit arbeiten.

Küchenchef Werner Stark gemeinsam mit seinen Kollegen bei der Arbeit in der Küche im Haus der Maschinenringe. Das Betriebsrestaurant gehört zu den vier besten in Deutschland und Österreich.
Bild: Christof Paulus

Können Gastesser die Kantine der Maschinenringe besuchen?

Schlamp hält die Arbeit der Klienten, wie Integra die Zuverdienstler im Betrieb nennt, für enorm wichtig. Dadurch hätten diese die Möglichkeit, einen strukturierten Tagesablauf zu bekommen. Außerdem können sie sich so wieder besser ins gesellschaftliche Leben integrieren. „Sie gelten oft als stigmatisiert“, sagt Schlamp. „Das schöne hier ist, dass man gar nicht erkennt, wer in Vollzeit beschäftigt ist, und wer Klient.“ Alle arbeiteten gemeinsam, ohne Abgrenzung voneinander. Kritiker Maninger attestiert der Küche „ein tolles Betriebsklima“. Er schrieb in einem Brief an die Küche: „Man hatte das Gefühl, dass bei Ihnen nach dem Motto ’Einer für Alle, Alle für Einen’ gearbeitet wurde.“ Dieses Miteinander ist für Maninger einer der Gründe, weshalb er die Küche nun mit fünf Goldenen Kesseln ausgezeichnet hat. Wie genau sich das Team in der Küche nun zusammensetzt, habe für die Zertifizierung allerdings keine Rolle gespielt, sagt Schlamp. Bonuspunkte für ihre integrative Funktion habe sie nicht bekommen, die Leistung beruhe ausschließlich auf der Arbeit und der Qualität der Küche.

Grundsätzlich ist die Kantine auch für Gastesser geöffnet, sagt Schlamp. Spontan in die Kantine zu gehen, um dort die Mittagspause zu verbringen, wird jedoch kaum funktionieren: Wer in die Kantine möchte, muss sich vorher anmelden und seinen Besuch mit Integra absprechen. Das Unternehmen prüft dann, ob es noch Kapazitäten für weitere Gäste hat – momentan ist die Kantine allerdings bereits sehr gut besucht. Einen Umweg gibt es dennoch: Das Restaurant kann seine Speisen auch ausliefern. Wichtig sei auch hier, rechtzeitig zu bestellen, sagt Schlamp. Und wer eine Feier plant, kann auch damit auf Integra zugehen: Die Kantine kann dafür gemietet werden – die Kochkünste der Kantine mit eingeschlossen.

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