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Premiere

18.11.2019

Kultiges Kasperle-Theater

(V. l. n. r.) Manuela Brugger, Nils Buchholz, Thomas Unger, Maik Rogge, Dieter Holesch.
Bild: Ludwig Olah, Stadttheater

„Räuber Hotzenplotz ist das Wintermärchen auf der Bühne des Ingolstädter Stadttheaters

Seid ihr alle da? Aber sowas von! Die laute Anspannung beim Warten darauf, dass es endlich losgeht, explodiert in einem lärmenden „Ja“ – nicht nur aus Kinderkehlen. Die gute alte Kasperlgeschichte, sie funktioniert immer wieder und immer noch. Das Stadttheater Ingolstadt hat für sein Wintermärchen Otfried Preußlers „Räuber Hotzenplotz“ ausgewählt, ein Erz-Klassiker und Weltbestseller der Kinderunterhaltung aus den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts, der den Heroes und Hampelmännern, die bei modernen Kids gerade Kult sind, mühelos die Schau stiehlt. Eine sehr gute Wahl, wie das jubelnde Premierenpublikum beweist.

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Auf der einen Seite sind da der pfiffige und mutige Kasperl (Thomas Unger), der herzensgute, einfältige Seppl (Manuela Brugger), die schreckhafte und kurzsichtige Großmutter (Maik Rogge). Auf der anderen Seite, der Räuber Hotzenplotz (Nils Buchholz) und der große böse Zauberer Petrosilius Zwackelmann (ebenfalls Maik Rogge). Der kommt in der Ingolstädter Inszenierung eher schrill-schräg daher, ist allerdings am unmäßigen Kartoffelhunger seines literarischen Vorbilds eindeutig wiedererkennbar. Sehr viel mehr als dieses Stammpersonal und die altbekannte Story mit Kaffeemühle und Pfefferpistole, Goldkistentrick und Mützentausch, Zauberkraut und Wunschring, braucht es nicht.

Das alles hat Regisseur und musikalischer Leiter Tobias Hofmann mäßig modernisiert, das meiste aus dramaturgischer Notwendigkeit belassen. Kasperls souverän gehandhabter Akkuschrauber und die leidlich gespielte Luftgitarre des Zauberers lassen wir mal durchgehen. Dafür beherrscht Wachtmeister Dimpfelmoser (Dieter Holesch) seine Gitarre vorbildlich. Auch sprachlich herrscht angenehme Texttreue. Fun Fact (wie man auf gut Deutsch sagt): Das herrlich unzeitgemäße Schimpfwort Gimpel – die Bezeichnung für den Vogel, in den Hotzenplotz verwandelt wird – dürfte mindestens schon eine anwesende Elterngeneration nicht mehr zu übersetzen imstande gewesen sein.

Kultiges Kasperle-Theater

Während die ersten drei Kapitel des Buches im Wortsinn gedrängt vor dem Eisernen Vorhang erzählt werden, öffnet sich die Bühne dann doch noch und bietet ein imposantes Bühnenbild mit dem Schloss Zwackelmanns. Natürlich gibt es jede Menge Magie, Bühnenzauber mit Knallen und Blitzen, schwebende Gegenstände, es gibt eine Windmaschine, die Ringe bläst, eine furchteinflößende Riesen-Unke und eine Fee mit Bart namens Amaryllis (wieder Nils Buchholz) – die man offensichtlich mit amerikanischem Akzent aussprechen muss.

Hofmann hat jedem der Helden ein markantes kindgerechtes Musikstück auf den Leib geschrieben. Der „Klau-ich-Song“ des Räubers kommt zweifelsfrei am besten an, bei der Zugabe singen Jung und Alt lauthals mit.

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