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Neuburg

22.04.2015

Kurz nach dem Mord: Stefan B. war unauffällig und normal

Stefan B. mit seinem Verteidiger Rechtsanwalt Adam Ahmed.
Bild: Barbara Würmseher

Zeugen berichten im Prozess vor dem Landgreicht Ingolstadt, wie sie den 27-Jährigen Stefan B. erlebt haben, unmittelbar nachdem er Franziska getötet hatte.

Menschen, die Stefan B. kurz nach dem Mord begegnet sind, haben den 27-Jährigen als weitgehend normal erlebt. Ein wenig in Eile habe er gewirkt, das schon, ein wenig überdreht, als habe er zuviel Koffein getrunken. Aber ansonsten unauffällig in seinen Gesprächsthemen und seinem Verhalten. Am Mittwoch kamen vor dem Landgericht Ingolstadt Zeugen zu Wort, die nur Stunden nach dem Gewaltverbrechen an Franziska mit deren mutmaßlichem Mörder zu tun hatten und nicht im Traum daran gedacht hätten, dass er sich einer solch brutalen Tat schuldig gemacht hatte.

Am Mordtag kurz nach 20 Uhr traf Stefan B. an einer Tankstelle in Buxheim ein. Um 19.50 Uhr muss er – so hat die Funknetz-Auswertung ergeben – noch am Ratheiweiher, dem späteren Leichenfundort, gewesen sein. Nur zehn bis 15 Minuten später also hielt er in Buxheim an, um seinen grünen Toyota auf Schäden hin zu untersuchen.

Der Beifahrer eines anderen Autos beobachtete ihn dabei und fragte: „Kann ich helfen?“ Daraufhin erzählte ihm Stefan B., er sei recht flott über zwei Brücken gefahren und dabei „mit dem Auto abgehoben“. Der Zeuge unterhielt sich eine Weile mit Stefan B., half ihm, Kotflügel und Reifen anzuschauen. „Er war mir sympathisch“, schilderte der 37-Jährige gestern dem Gericht. „Es war keine unangenehme Situation. Er war auch humorvoll und hat gelacht. Man hat zwar gemerkt, dass er in Eile war, er wollte zu einem Tuning-Treffen bei München, aber er hat nicht panisch oder verstört gewirkt.“ Der Zeuge konnte zwar gestern den Angeklagten nicht als den Mann identifizieren, mit dem er an der Buxheimer Tankstelle gesprochen hatte, beschrieb aber das auffällige Auto mit dem Weißenburger-Kennzeichen. Zudem wurde Stefan Bs. Smartphone zur fraglichen Zeit in einem Funknetz registriert, das Buxheim abdeckt, und er war tatsächlich auch auf jenem Tuning-Treffen.

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Das bestätigte auch ein weiterer Zeuge, der ihn dort auf dem Parkplatz eines großen Möbelhauses sah. Der 25-Jährige kannte Stefan B. aus der Schulzeit und beschrieb ihn als einen „schweren Fall“, der stets auffällig gewesen sei und gerne gerauft habe. „Man hat Abstand zu ihm gehalten, weil er der typische Schläger war.“ Allerdings konnte der Zeuge von keinen persönlichen Erlebnissen berichten. Sämtliche Eindrücke, die er vor Gericht wiedergab, basierten rein auf „Hörensagen“.

Geladen war gestern auch ein Kfz-Sachverständiger der Dekra, der den grünen Toyota untersucht hatte. Er bestätigte, dass die Zentralverriegelung innen von der Fahrerseite aus betätigt werden kann. Der Beifahrer kann seine Türe dann nur öffnen, wenn er den Sperrknopf herauszieht. Der allerdings ist bei diesem Autotyp weit hinten angebracht und – zumal für ein Kind – nur schwer erreichbar.

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