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Neuburg an der Donau

09.01.2019

Landratskandidaten sind sich in vielem einig

Stellten sich beim Forum live den Fragen von NR-Redaktionsleiter Manfred Rinke (Mitte): Norbert Mages von den Grünen, Werner Widuckel von der SPD, Peter von der Grün von den Freien Wählern und Fridolin Gößl von der CSU.
Bild: Marcel Rother

Podiumsdiskussion der Neuburger Rundschau: Mit diesen Argumenten wollen Fridolin Gößl, Peter von der Grün, Norbert Mages und Werner Widuckel die Wähler überzeugen.

Sie könnten unterschiedlicher nicht sein, und doch sind sich die vier Kandidaten um das Amt des Landrats bei vielen Themen inhaltlich einig: Bei der Podiumsdiskussion der Neuburger Rundschau, zu der am Dienstagabend weit über 400 Besucher in den Kolpingssaal drängten, zeigte sich, dass bei den zentralen Themen keiner der Bewerber aus der Reihe tanzt. Egal, ob es um den B16-Ausbau, die Digitalisierung, den öffentlichen Nahverkehr, den Schuldenstand des Landkreises oder die Donaumoos-Sanierung ging – in weiten Teilen vertreten Fridolin Gößl (CSU), Peter von der Grün (Freie Wähler), Werner Widuckel (SPD) und Norbert Mages (Bündnis 90/Die Grünen) dieselbe oder zumindest eine ähnliche Meinung. Für den einen oder anderen dürfte deshalb die Entscheidung, wer die Nachfolge von Roland Weigert antreten soll, nach der Veranstaltung noch schwieriger geworden sein.

Vorstellungsrunde der Landratskandidaten.
Video: Marcel Rother


Die Wahl des Landrates findet am 20. Januar statt

Am 20. Januar haben die Bürger im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen die Wahl, entweder einen Bürgermeister, einen Fachanwalt für Baurecht, einen ehemaligen Personalmanager oder einen Seminarlehrer an die Spitze des Landkreises zu wählen. Sie alle sehen sich aus den unterschiedlichsten Gründen für das Amt geeignet: Norbert Mages verbucht für sich Verhandlungsgeschick und Diplomatie, Werner Widuckel baut auf seine langjährigen Erfahrungen im Management bei VW und Audi. Peter von der Grün sieht sich als Jurist fachlich breit aufgestellt für die Arbeit als Landrat und Fridolin Gößl weiß nach 16 Jahren als Bürgermeister in Oberhausen und 220 Gemeinderatssitzungen, wie man ein Gremium führt und verschiedene Gruppierungen unter einen Hut bringt. Wer ist also der bessere, der geeignetere Kandidat? Das versuchte NR-Redaktionsleiter Manfred Rinke durch seine Fragen quer durch die Themenfelder herauszufinden.


Da ging es etwa um den vierspurigen Ausbau der B16. An der Notwendigkeit hegte keiner der Kandidaten einen Zweifel, wohl aber am Umfang: Denn während Mages nach der Zeller Kreuzung nur einen dreispurigen Ausbau befürwortet und stattdessen lieber einen Bahnhalt in Heinrichsheim sähe, ist es den anderen Kandidaten wichtig, dass es auch in Richtung Westen vierspurig weitergeht. „Sonst haben wir wieder ein Nadelöhr vor Neuburg und dann staut es sich dort“, sagte etwa Gößl (50). Doch unabhängig davon sprechen sich alle vier Bewerber für einen parallelen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs aus, Widuckel möchte ihn langfristig sogar kostenfrei anbieten, um den Verkehr zu entlasten. „Das erhöht die Lebensqualität, entschärft die Flächenkonkurrenzen und wird – Stichwort Dieselfahrverbot – auch notwendig werden“, sagte der 60-Jährige. Allerdings – und das verhehlte keiner der Podiumsteilnehmer – sind all diese Wünsche und Ideen letztlich auch eine Frage des Geldes, das der Landkreis allein nicht aufzubringen vermag. Doch egal ob Auto, Bus oder Bahn: Um grundsätzlich dem steigenden Verkehrsaufkommen entgegenzuwirken, hat Gößl eine ganz andere Idee: Er will Arbeitsplätze vor Ort schaffen, um die Wege kurz zu halten. Und dass sich entsprechende Unternehmen im Landkreis ansiedeln, hätte ein Landrat wiederum sehr wohl in der Hand.

Trotz steigender Verschuldung hat keiner der Landratskandidaten vor, den Gürtel enger zu schnallen

Beeinflussen kann der Landrat auch die Verschuldung des Landkreises. Aktuell liegt sie bei rund 25 Millionen Euro, in den nächsten Jahren wird sie voraussichtlich aber auf etwa 60 Millionen Euro steigen. Der bereits begonnene Neubau der Paul-Winter-Realschule, die notwendige Sanierung des Descartes-Gymnasiums oder die neue Donaubrücke bei Bertoldsheim sind nur einige der ursächlichen Projekte, an denen keiner der Podiumsteilnehmer rütteln möchte. Teuer, aber notwendig wird auch die Modernisierung des Kreiskrankenhauses in Schrobenhausen. Ob Sanierung oder Neubau, das ist derzeit noch nicht entschieden. Norbert Mages wäre allerdings eine Sanierung lieber. „Aus ökologischer Sicht wäre es besser, die Substanz zu erhalten“, sagte der 59-Jährige und kritisierte in diesem Zusammenhang die Förderpolitik von Bund und Ländern, bei der Neubauten begünstigt würden.


Keiner der Landrats-Bewerber machte den Eindruck, als wolle er mit Amtsantritt den Gürtel enger schnallen. „Mit den Investitionen tun wir etwas für die wirtschaftliche Entwicklungskraft des Landkreises“, sagte etwa Widuckel. Denn dort, wo es keine ordentlichen Krankenhäuser oder Schulen gäbe, würden sich auch keine Unternehmen ansiedeln. Und die wiederum, ergänzte Gößl, bringen den Kommunen Gewerbe- und Einkommensteuereinnahmen, was die Steuerkraft und damit die Einkünfte des Landkreises erhöht. „Mit den Investitionen schaffen wir Werte“, schloss sich schließlich auch von der Grün seinen Mitstreitern an.

Bei der Podiumsdiskussion der Neuburger Rundschau war auch das Donaumoos ein Thema

Um die rund 25.000 Menschen in der Landkreismitte ging es schließlich beim Thema Donaumoos-Sanierung. Die Diskrepanz zwischen dem Moorkörperschutz und der Landwirtschaft ist mittlerweile 20 Jahre alt und nach Meinung von Gößl nicht mehr auf dem aktuellen Stand. Es müsse deshalb den heutigen Gegebenheiten angepasst werden. Unabdingbar ist nach Ansicht von Widuckel bei diesem Thema aber ein Umdenken beim Klimaschutz. „Wir können Veränderungen vor der eigenen Haustüre nicht immer ablehnen.“ Einen „Ökokrieg um das Donaumoos“ wolle er aber keinesfalls: Eine Lösung könne nur im Schulterschluss zwischen Landwirten, Kommunen und Landratsamt herbeigeführt werden, lautete seine Meinung, die sich mit der seiner Mitstreiter deckte.

Am Ende der zweistündigen Diskussion, bei der auch einige Leserfragen beantwortet wurden, gab es für die Gäste noch einmal einiges zu lachen. Denn auf die von NR-Redaktionsleiter Manfred Rinke nicht ganze ernst gemeinte Frage, mit welchem der Kandidaten sie koalieren würden, ließ sich keiner der Amtsanwärter – selbst auf hartnäckiges Nachhaken – ein. Auch in diesem Punkt waren sich zuletzt alle einig.

Lesen Sie hierzu den Kommentar "Neuer Landrat gesucht: Bitte wählen gehen!" von Manfred Rinke!

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