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Umwelt

15.03.2019

Landwirtschaftspolitik: Kehrtwende ist nötig

Zeigten bei ihrer Tagung in Weichering Wege auf, in welche Richtung sich die Landwirtschaftspolitik ändern sollte: Wolfram Güthler, Josef Schmid, Dr. Andrea Beste, Gertraud Angerpointner, Dr. Anita Idel, Isabella Hirsch, Onno Poppinga, Lucia Egner und Nikolaus Winter (von links).
Bild: Edith Luttner

Auf der Frühjahrstagung der AG bäuerliche Landwirtschaft in Weichering wurde ein Umdenken in der Landwirtschaftspolitik gefordert. Die Referenten zeigten Möglichkeiten auf, was sich ändern sollte

Anlässlich der Frühjahrstagung der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (ABL) im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen in Weichering mit rund 100 Teilnehmern, nannte Landratsstellvertreter Alois Rauscher den Verlust der Artenvielfalt als das dringendste Problem unserer Umwelt. Dabei verwies er auf den Weltagrarbericht von 2008, wonach es einen Wandel in der landwirtschaftlichen Forschung, Entwicklung und der Praxis braucht. Denn: Die Landwirtschaft wird verantwortlich gemacht für den Artenschwund und den Klimawandel.

Wolfram Güthler leitet das Referat für Landschaftspflege und Naturschutzförderung im Umweltministerium. Er stellte den aktuellen Zustand im Bereich Artenvielfalt vor und ließ keinen Zweifel daran, dass die industrielle Landwirtschaft eine wesentliche Ursache für diese Entwicklung ist. Hinzu komme der ungebremste Hunger nach Flächen für den Straßen- und Siedlungsbau. Güthler stellte das bayerische Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) mit einer Fördersumme von rund 44 Millionen Euro pro Jahr für 90.000 Hektar, das entspricht drei Prozent der landwirtschaftlichen Flächen, vor. Mittelfristig soll die Fläche verdoppelt werden. Es besteht aus einzelnen, miteinander kombinierbaren Modulen. Für eine Feuchtwiese kann ein Landwirt bis zu 850 Euro je Hektar und Jahr erhalten, wenn er erst nach dem 1. Juli mäht, auf Düngung verzichtet und wenn er einen Feuchtigkeitszuschlag und eine Erschwerniszulage, zum Beispiel für einen Balkenmäher, geltend machen kann.

Kritisch äußerte sich Prof. Onno Poppinga vom Kasseler Institut für ländliche Entwicklung (KI) zur neuen Düngeverordnung. Statt des Verursacherprinzips gelte Kollektivhaftung: In den roten Gebieten werden auch die Betriebe in Haftung genommen, welche die Belastungen nicht verursacht haben. Umgekehrt dürfen Betriebe mit Nitratüberschüssen in grünen Gebieten weiter wirtschaften mit niedrigeren Anforderungen. Kritik komme auch von zahlreichen Agrarwissenschaftlern, die den viel zu hohen Nährstoff- und Düngebedarf bemängeln. Poppinga forderte für die Bauern neue Ziele – weg von höchsten Erträgen auf dem Acker, weg von höchsten Milchleistungen und den meisten Ferkeln. Vor allem muss es für die Bauern auch wirtschaftlich interessant sein, extensiver zu wirtschaften. Die Vorteile lägen auf der Hand: Mit starker Nitrat-Düngung und hohem Viehbesatz werden zu viel Lebensmittel erzeugt – mit schlechten Erzeugerpreisen. Solange die extensive Wirtschaftsweise nicht über Änderungen der Marktverhältnisse honoriert wird, muss eine Förderung für alle Betriebe, die grundwasserschonend wirtschaften, über die Umweltprogramme erfolgen.

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Lucia Egner und Nikolaus Winter erläuterten als Praktiker ihre Befürchtungen zur bodennahen Gül-leausbringung. Klaus Winter veredelt seine Gülle mit einem pflanzlichen Kohlenstoffpräparat bereits im Stall und hat beste Erfahrungen mit Geruchsreduktion und Stallklima gemacht. Lucia Egner befürchtet, dass die kleineren Betriebe die engen Zeitfenster und den wetterbedingt besten Zeitpunkt für die Gülleausbringung nur schwer einhalten können. Lohnunternehmer würden zuerst für die größeren Betriebe arbeiten.

Wir haben Klimawandel – unter dieser Überschrift standen die Vorträge von Dr. Andrea Beste, Agrarwissenschaftlerin und Diplomgeografin, und der Tierärztin Dr. Anita Idel. Sie stellten ihre Studie im Auftrag der europäischen Grünen vor: „Technikgläubigkeit und Big-Data – vom Mythos der klima-smarten Landwirtschaft oder warum weniger vom Schlechten nicht gut ist.“ Beide forderten mehr Transparenz, um unterschiedliche Agrarsysteme miteinander vergleichen zu können. Nur dann ließen sich die wirklichen Kosten für Umwelt, Klima und Tiergesundheit der industriellen Landwirtschaft zuordnen. Das Fazit aller Referenten lautete: Es braucht eine Kehrtwende in der Landwirtschaftspolitik, die den Umwelt- und Artenschutz, aber auch die Existenzsicherung der bäuerlichen Betriebe zum Ziel hat. (nr)

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