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Einzelhandel

24.02.2018

Leben in die Innenstadt bringen

Im Oettinger Zentrum stehen immer mehr Läden leer, klagt die SPD-Fraktion. Deshalb machte sie den Vorschlag, den Gedanken eines Romantic Outlet City erneut aufzugreifen.
Bild: René Lauer

In Oettingen wird erneut über eine Romantic Outlet City diskutiert, um dem Ladensterben entgegenzuwirken. Warum der Stadtrat stattdessen einen anderen Plan verfolgt

Langsam wird es einsam in Zentrum der Residenzstadt – zumindest, wenn man einem Antrag der SPD-Fraktion im Stadtrat glaubt. Die Geschäftsschließungen in den vergangenen Monaten und Jahren habe „in besorgniserregender Weise rasant an Fahrt aufgenommen“, schreibt der Fraktionsvorsitzende Robin Bhattacharyya in dem Dokument, das den Rieser Nachrichten vorliegt, und nennt zahlreiche Beispiele wie die Bücherstube oder die Metzgerei Birl. „Wir sollten das Schließen der Läden nicht beklagen und dabei tatenlos zusehen“, führte Bhattacharyya in der Sitzung des Stadtrats am Donnerstagabend weiter aus und brachte eine mögliche Lösung ins Spiel: die Romantic Outlet City (ROC).

Eine Planungsgruppe hatte sich seit 2012 mit dem Gedanken beschäftigt, in der Oettinger Innenstadt die ROC zu etablieren, um den Handel zu beleben. Ein Gutachten hatte dem Projekt jedoch ein jähes Ende bereitet. Fachleute hatten der Stadt im August 2015 bescheinigt, dass sich eine ROC vermutlich nicht rechne. „Doch seitdem haben wir eine dramatische Veränderung der Verhältnisse“, sagt Bhattacharyya, der auch forderte, die Planungsgruppe zu reaktivieren. Weder in Dinkelsbühl, noch in Feuchtwangen seien die City-Outlet-Projekte verwirklicht worden. Nun habe Oettingen erneut die Chance, das damalige Konzept wieder aufzugreifen oder ein neues zu entwickeln.

Bürgermeisterin Petra Wagner hielt entgegen, dass die Gutachter andere Faktoren gegen die ROC angeführt hätten als die Konkurrenz in Dinkelsbühl und Feuchtwangen. Das touristische Umfeld Oettingens sei nicht stark genug, es gebe zu wenige Einwohner in der Region, die Infrastruktur sei zu schlecht und außerdem gebe es mit dem Center in Ingolstadt bereits eine Einrichtung, die Menschen aus der Umgebung anziehe, so sei das Fazit der Experten ausgefallen. „Dass wir die Innenstadt und die Parkplatzsituation umgestalten müssten, kommt ja auch noch hinzu“, sagte Wagner. „Wenn das alles machbar wäre, hätten wir uns die Gelegenheit damals schon nicht entgehen lassen.“ Wagner verteidigte außerdem die Arbeit der Stadt. Es werde viel gegen die Leerstände unternommen. In letzter Zeit hätten auch einige Läden neu eröffnet. Wagner lehnte es daher ab, die Idee einer ROC erneut aufzugreifen.

Die Umgestaltung des Zentrums sieht Julia Wilhelm von der Werbegemeinschaft Oettingen nicht als Stolperstein für eine Outlet City. „Nachdem es in der Innenstadt ohnehin nicht mehr so viele Einzelhändler gibt, ist das nicht das Problem.“ Vor einigen Jahren sei bei Händlern eine Umfrage durchgeführt worden. Die habe gezeigt, dass Händler der Idee einer ROC offen gegenüberstanden und einige bereit gewesen wären, ihre Häuser zu verkaufen. Ob dies heute noch gilt, soll auf der Jahreshauptversammlung am Montag diskutiert werden.

Wie viel Gewicht das Ergebnis hat, ist fraglich. Der Stadtrat beschloss am Donnerstag bereits, die Romantic Outlet City nicht weiter zu verfolgen. Außer der SPD sprachen sich alle Fraktionen gegen den Vorschlag aus.

Thomas Fink (CSU/FWG), gab etwa zu bedenken, dass das Vorbild der ROC in Bad Münstereifel mittlerweile nicht mehr so gut laufe. Bernhard Raab (SLO) bezeichnete Bhattacharyyas Vorschlag als „Schaufensterantrag“.

Rudolf Oesterle (PWG) schlug stattdessen vor, eine Planungsgruppe ins Leben zu rufen, die sich mit der Entwicklung der Innenstadt im Allgemeinen befassen soll. „Es sollte auch um die Frage gehen, wie man das Leben für ältere Menschen in der Innenstadt wieder attraktiv gestalten kann“, sagte Oesterle. Darauf einigten sich die Oettinger Ratsmitglieder schließlich auch einstimmig.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

24.02.2018

Den lokalen Handel kann man nicht vor dem sterben retten. Er rentiert sich nicht mehr. Zu hohe Fixkosten, zu wenig Umsatz und Rendite im klassischen Einzelhandel.

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24.02.2018

Qualität setzt sich i.d.R. durch. Das gilt insbesondere auch für den Einzelhandel.

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24.02.2018

Die Gründung eines lokalen Online-Marktplätzes böte die Möglichkeit, online festzustellen, wo in Oettingen ein gesuchtes Produkt zu finden ist, um es auch gleich zu reservieren. Das Motto: "Online-Shoppen. Im Geschäft kaufen." Ähnlich wäre ein Angebot denkbar "Alle Produkte deiner Stadt auf einen Blick und Klick". Hier sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.

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24.02.2018

Warum nicht Online-City Oettingen - OCO statt ROC ?

Je kleiner sie Stadt, desto größer ist das Problem mit Leerständen. In machen Kleinstädten Deutschlands liegt die Leerstandsquote bereits bei 40%. Oettingen entwickelt sich genau dort hin. In vielen Geschäften des lokalen Handels ist das Problembewusstsein für den digitalen Wandel noch unzureichend ausgeprägt. Viele von ihnen betreiben ihr Geschäft noch wie vor 50 Jahren, während die Kunden schon im Digitalzeitalter angekommen sind. Oft verfügen die Händler noch nicht einmal über ein elektronisches Warenwirtschaftssystem.

Doch das Einkaufsverhalten der Kunden hat sich grundlegend geändert. Gleichzeitig wünschen die Kunden aber auch, dass auch die stationären Angebote der lokalen Händler im Netz verfügbar sind. Was nützt es, wenn der Kunde rund um die Uhr an jedem Ort der Erde die Angebote aller Online-Händler abrufen kann, der lokale Händler sein Geschäft aber geschlossen hat. Konventionelle Insellösungen wie Heimatgutscheine oder Bonuskarten helfen da eher wenig.

Warum bieten die lokalen Händler Ihre Produkte nicht gemeinschaftlich im Netz an? Beispielsweise als Online-City Oettingen - OCO statt ROC. Hier wäre etwas mehr "digitale Phantasie" unserer Stadtoberen und/oder Werbegemeinschaft schon wünschenswert. Einen entsprechenden Vorstoß gab es schon zu Agende-21-Zeiten im Jahre 2005 (Die Rieser Nachrichten berichteten).

"Die größte Trumpfkarte der lokalen Händler im Wettbewerb mit der Feuerwalze Amazon ist die rasche Verfügbarkeit der Produkte, die sie bieten können. Sie sind näher dran am Kunden. Sie können die bestellte Ware noch am selben Tag zustellen. Das schafft Amazon nicht", so der Handelsexperte Prof. Dr. Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein über den Vorteil des lokalen Handels.

2005 waren solche Konzepte sicherlich noch visionär. Aber nun ist die Zeit dafür. Sicherlich wird es einige Zeit dauern, bis ein solches Konzept trägt. Nur wer jetzt nicht beginnt, wird in 5 bis 10 Jahren weiterhin den Stillstand verwalten und behaupten "Wir haben doch alles getan". Und - auch Amazon hat am Anfang nur wenige Bücher verkauft.

Die ersten Städte in Deutschland (Mönchengladbach, Wuppertal, etc.) verfolgen dieses Konzept bereits um den lokalen Handel zu stützen. (siehe dazu auch: https://www.heise.de/newsticker/meldung/eBay-Lokaler-Online-Marktplatz-startet-in-Moenchengladbach-2836805.html). Vielleicht denkt der Stadtrat demnächst auch über eine solche Lösung nach. Eine Diskussion wäre es sicherlich wert.

Online shoppen - vor Ort abholen.

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