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Neuburg

16.02.2018

Liebe, Kunst und Leidenschaft

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7 Bilder
Die erste Neuburger Sommerakademie fand im August 1979 statt. Gemalt wurde im Kongregationssaal.
Bild: Inge Schneider

Die Neuburger Sommerakademie wird heuer 40 Jahre alt. Inge Schneider und Dieter Distl erinnern sich, Kathrin Jacobs blickt voraus.

Sie gilt als eine der größten und ältesten Akademien Deutschlands mit Meisterkursen auf höchstem Niveau: die Neuburger Sommerakademie. Heuer wird sie 40 Jahre alt. In dieser Zeit ist viel passiert – aber nicht nur künstlerisch. So manche Berühmtheit war zu Gast und der ein oder andere hat seine große Liebe gefunden. Es wurde gearbeitet – doch auch viel gefeiert. Und einmal musste der damalige Kulturamtsleiter Dieter Distl sogar selbst zum Putzeimer greifen und Wasser abschöpfen, um ein Konzert zu retten.

Inge Schneider war von Anfang an dabei, sie hat die Akademie mit initiiert – und nimmt heute noch an Kursen der Bildenden Kunst teil. Fast alle Dozenten kennt sie persönlich. Für die einen ist sie das „Herz“, für die anderen der „Engel“ der Sommerakademie. Fragt man sie nach ihren schönsten Erinnerungen, weiß sie gar nicht so recht, wo sie beginnen soll. Los ging es 1979 mit einem einzigen Malkurs und 13 Teilnehmern aus der Region. 250 DM mussten diese damals für 14 Tage Unterricht im Kongregationssaal bezahlen. Gefängnisinsassen sollen den Hobbykünstlern zwischendurch frisches Malwasser gebracht haben. „Das war nicht nur ein bisschen Bildchen malen, wir haben hart gearbeitet!“, betont Schneider. Professor Karl Haberl, der die Akademie bis 1985 leitete, habe sich viel Mühe gegeben. „Es war wie ein Kunststudium“, schwärmt die Neuburgerin, die eigentlich aus Essen kommt und erst seit 1968 hier lebt.

Natürlich gehörte neben dem harten Arbeiten auch das gemütliche Beisammensein zur Sommerakademie dazu. An vorderster Front sei hier die bekannte Schriftstellerin Eva Heller („Beim nächsten Mann wird alles anders“) gewesen, die von 2001 bis 2003 dabei war. An sie erinnert sich auch Dieter Distl, der von 1987 bis 2012 Kulturamtsleiter in Neuburg war. Heller sei immer mit ihrem goldenen Jaguar angereist, berichtet er. Meist saß sie beim „Luggi“ in der Blauen Traube. Dort habe die Dame gerne „einen zu viel getrunken“ – weit über die Sperrstunde hinaus – und sich mit dem Wirt angelegt, bis sie eines Tages Hausverbot bekam. Im Jahr darauf kam sie aber trotzdem wieder. Eva Heller habe auch stets in den Malkursen geraucht, obwohl das verboten war. Wies man sie darauf hin, habe sie nur gemeint: „Ich habe doch keinen Nichtraucher-Kurs gebucht!“, erzählt Inge Schneider und lacht. Eva Heller war nicht die einzige bekannte Persönlichkeit, die die Sommerakademie nach Neuburg lockte. Gerhard Polt kam zum Beispiel 1988 zum zehnjährigen Bestehen, 1999 feierte die Biermösl Blosn beim Abschlussfest mit.

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Im Laufe der Jahre sprach sich die Qualität und das attraktive Ambiente der Neuburger Sommerakademie herum. Die enge Verbindung zur Akademie der Bildenden Künste in München tat ihr Übriges. So reisten immer mehr Künstler und Musiker aus der ganzen Welt in die Ottheinrichstadt. „Kreativ-Tourismus“ nennt Distl dieses Phänomen. Namhafte Dozenten gaben sich die Klinke in die Hand. Auf Karl Haberl folgte Gerd Dengler, später waren als Dozenten und Künstlerische Leiter zum Beispiel Franz Billmayer, Georg Brunner, Herbert Wiedemann und Christian Frosch zu Gast. Letzterer hat unter den Teilnehmerinnen seine große Liebe gefunden, sagt Schneider. Und auch sonst habe es zahlreiche Liebeleien und Affären gegeben, fügt Distl hinzu. „Viele haben sich dort kennengelernt. Es gibt aber auch viele, die sich dort getrennt haben. Die Sommerakademie ist eine große Kontaktbörse.“

Noch etwas anderes ist dem ehemaligen Kulturamtsleiter besonders gut in Erinnerung geblieben: ein Dozentenkonzert 1994 auf Schloss Grünau. Wegen eines Unwetters gab es eine Überschwemmung und das Turmzimmer, in dem Werke von Haydn, Mozart und Schubert gespielt wurden, stand leicht unter Wasser. Distl und Fremdenverkehrschefin Marieluise Kühnl mussten mit Putzeimern und Schrubbern anrücken. Kerzen sorgten gezwungenermaßen für festliche Stimmung, weil der Strom ausgefallen war.

Gerade die Örtlichkeiten machten und machen das besondere Flair der Neuburger Sommerakademie aus: Früher gab es noch viele Ateliers für die Künstler in leer stehenden Gebäuden in der Altstadt, zum Beispiel im Loibl- und im Mockhaus. Schneider: „Das war schon abenteuerlich. Da kam teilweise der Putz von den Wänden und man musste aufpassen, wo man hintrat.“ Doch inzwischen sind fast alle dieser Häuser saniert und werden anderweitig genutzt. Während die Musiker in der Vhs oder in Schulen unterkommen, wird es für die Bildenden Künstler immer schwieriger, berichtet Kulturamtsleiterin Kathrin Jacobs. Ihrer Ansicht nach wird sich die Stadt bald Gedanken machen müssen, was sie langfristig möchte. Jacobs hat zwei Ideen, wobei sie betont, dass es noch keine konkreten Pläne gebe. Vorstellbar sei entweder eine ganzjährige Akademie oder man behält den zweiwöchigen Eventcharakter bei und überlegt sich ein ganzheitliches Nutzungskonzept mit einheimischen Künstlern. Allerdings werden in beiden Fällen Liegenschaften benötigt, die es – zumindest derzeit – nicht gibt. Die Raumsituation sei für die gesamte Kulturszene in Neuburg ein Problem, meint Jacobs. „Hier wird man irgendwann nicht mehr drum herum kommen, Geld in die Hand zu nehmen.“

Es gibt immer noch freie Plätze in den Kursen. Buchungen sind im Kulturamt bei Marina Gloßner möglich (Telefon: 08431/55234, E-Mail: kultur@neuburg-donau.de).

Mehr Infos gibt es unter www.sommerakademie-neuburg.de

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