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Natur

30.07.2020

Liebe macht blind – auch beim Rehwild

Das sonst so scheue Rehwild verliert während der Paarungszeit seine natürliche Scheu.
Bild: Erich Marek (Archiv)

Beim Rehwild beginnt die Brunft. Was Neuburgs Jagdvereinsvorsitzende erzählt und rät

In den nächsten Wochen herrscht wieder wildes Treiben in Feld und Wald. Das Rehwild hat Paarungszeit, die Brunft, „und da geht es im wahrsten Wortsinn rund“, erklärt Christine Liepelt, Vorsitzende des Jagdschutzvereins Neuburg.

In der Paarungszeit treibt der Bock die brunftige Geiß durch den Hochwald oder durch die Felder und liefert sich mit Rivalen Kämpfe und spektakuläre Verfolgungsjagden. In den Getreidefeldern sind dann oft sogenannte Hexenringe zu beobachten, runde Kreise überall dort, wo das Getreide beim wilden Liebesreigen niedergefegt wurde. Und da liebestolles Rehwild nicht zu bremsen ist, gilt vor allem auch für Autofahrer „Vorsicht!“

Das weibliche Reh sondert Duftstoffe ab und signalisiert so seine Paarungsbereitschaft. Ist es noch nicht ganz so weit und der Bock bedrängt die Geiß allzu aufdringlich, reagiert sie mit einem schrillen Fiebton und rennt davon. Beim Reh gibt es die sogenannte Keimruhe, eine wildbiologische Besonderheit. „Dabei nistet sich die befruchtete Eizelle über einige Monate in der Gebärmutterschleimhaut ein, ohne sich weiter zu entwickeln. Erst mit zunehmender Tageslichtlänge im Spätwinter setzt die Zellteilung ein und der entstehende Embryo wächst“, erklärt Liepelt. Durch eine solche „verlängerte“ Tragzeit beim Reh wird sichergestellt, dass die Jungtiere in der für sie optimalen Jahreszeit im Frühjahr geboren werden.

Da „Liebe bekanntlich blind macht“ – oder besser gesagt, weil die Tiere völlig hormongesteuert sind – jagen brunftige Rehe oft auch unvermittelt über die Straße. Da kann es schnell zu Wildunfällen kommen. Neuburgs Jagdvereinsvorsitzende appelliert daher an alle Verkehrsteilnehmer, auch im eigenen Interesse jetzt besonders vorsichtig zu fahren. Speziell bei Fahrten entlang unübersichtlicher Straßenränder, durch Waldstücke, entlang von Hecken oder zwischen Mais- oder Getreidefelder können unvermittelt Rehe auf der Straße auftauchen. Deshalb sollen Autofahrer auch immer den Fahrbahnrand im Auge behalten und stets bremsbereit sein.

Ein Reh kommt zur Paarungszeit selten allein. Meist folgt der Geiß ein Bock. Taucht auf der Fahrbahn ein Reh auf, sollen Autofahrer sofort abblenden und versuchen, kontrolliert zu bremsen. „Ist ein Zusammenstoß nicht mehr zu verhindern, muss das Lenkrad unbedingt gerade gehalten werden“, verdeutlicht Christine Liepelt. Keinesfalls sollten unkontrollierte Ausweichmanöver versucht werden, das könnte sonst schlimm enden. (nr)

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