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Neuburg-Schrobenhausen

13.01.2018

Macht sich der Landrat falsche Vorstellungen?

Der bayerische Landtag in München.
Bild: Sven Hoppe/dpa

Roland Weigert möchte mit einem Einzug in den Landtag von München aus den Landkreis unterstützen. Ob das gelingen kann? Stimmen von politischen Weggefährten.

Kandidiert Roland Weigert nun tatsächlich für den Landtag oder bleibt er Landrat? Diese Frage bleibt auch nach der Kreisvorstandssitzung der Freien Wähler gestern Abend (zumindest offiziell) offen. Zwar spricht sich der Kreisvorstand einstimmig für seine Kandidatur aus, wie Kreisvorsitzender Klaus Brems sagte. Doch der Bewerber selbst hat noch kein grünes Licht gegeben. Es gelte, wie Weigert tags zuvor der Neuburger Rundschau sagte, erst eine Reihe von politischen und privaten Fragen zu klären, ehe er sich für oder gegen eine Landtagskandidatur entscheide. Brems ist allerdings zuversichtlich, dass diese Entscheidung zugunsten des Landtags ausfallen wird: „Ich gehe davon aus, dass er zusagt.“ Weigert hat noch fünf Wochen Zeit, sich die Sache zu überlegen, denn am 16. Februar findet die Nominierungsversammlung der Freien Wähler in Langenmosen statt. Es ist allerdings nicht davon auszugehen, dass er wirklich bis zur letzten Minute mit seinem Entschluss hadern wird.

Dass die Freien Wähler mit dem ranghöchsten Politiker im Landkreis in die Landtagswahl ziehen wollen, sorgt über die politischen Gremien hinaus für Überraschung und Erstaunen. Mitunter ist die Rede davon, dass er mit diesem Schritt einen Verrat am Wähler begehe: Diese hätten ihn schließlich 2014 mehrheitlich gewählt, damit er sich um die Belange des Landkreises kümmere und nicht vorzeitig die Segel streiche. Argumente wie diese lässt Klaus Brems allerdings nicht gelten: Von einem „Verrat“ könne keine Rede sein, schließlich bleibe er ja weiterhin für den Landkreis tätig, und zwar auf übergeordneter Ebene.

Ob dem tatsächlich so ist, bezweifelt dagegen Alois Rauscher (CSU). Seinem Stellvertreter sind die hehren Ziele mancher Landtagsabgeordneter durchaus bekannt, von München aus „für den Landkreis etwas bewegen zu wollen“. Doch die Realität sehe anders aus, denn die Hauptaufgabe des Parlaments sei schließlich die Gesetzgebung. Unabhängig davon müsse Weigert aber für sich entscheiden, an welcher Stelle er sich am besten verwirklichen könne. „Wenn er als Landrat etwas sagt, dann wird das gemacht. Als Landtagsabgeordneter schaut das sicher anders aus“, mutmaßt Rauscher. Dass Weigert möglicherweise diesen Herbst schon nicht mehr Chef des Landratsamtes sein könnte und er über einen gewissen Zeitraum hinweg die Amtsgeschäfte übernehmen müsste, sieht er gelassen. „Das ist keine Sache, die mich beunruhigt.“

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Fragt man Oberbürgermeister Bernhard Gmehling (CSU) nach seiner Meinung zu den Plänen des Landrats, kommt er ein kleines bisschen in die Bredouille. Das mal mehr mal weniger gespaltene Verhältnis der beiden zueinander ist landkreisweit bekannt, weshalb wohl keiner der beiden Abschiedstränen vergießen dürfte. Doch unabhängig von persönlichen Empfindungen zollt Gmehling grundsätzlich jedem Respekt, der für ein politisches Mandat kandidiert. „Jeder, der damit zu tun hat, weiß, wie viel Arbeit damit verbunden ist.“

Ob Weigert im Landtag mit Hubert Aiwanger ein innigeres Verhältnis aufbauen kann, bleibt abzuwarten. Auf das Vorhaben Weigerts angesprochen, verteilte der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Landtag jedenfalls schon mal Vorschusslorbeeren. Roland Weigert sei ein sehr guter Politiker, weshalb er auch davon überzeugt sei, dass er auch ein sehr guter Landtagskandidat bzw. Landtagsabgeordneter wäre. Dass er den Einzug ins Maximilianeum schafft, daran zweifelt Aiwanger nicht. „Ich halte große Stücke auf ihn. Er wäre eine riesen Stärkung für uns in der Landtagsfraktion.“

Weniger euphorisch auf die Neuigkeiten reagierte dagegen Anton Krammer. Der Fraktionssprecher der SPD im Kreistag sei überrascht, dass sich Weigert überhaupt mit diesem Gedanken trägt. „Als Landrat kann er doch viel mehr bewegen als im Landtag irgendwo hinten drin.“ Seiner Meinung nach sei der Abgeordnetenposten keine berufliche Verbesserung – es sei denn, er hätte die Möglichkeit auf einen Spitzenplatz, etwa als Stellvertreter von Hubert Aiwanger. „Saugefährlich“ schätzt er darüber hinaus die Situation ein, sollte er den Einzug in den Landtag verpassen. „Dann einfach als Landrat weiterzumachen, ist doch blöd. Da müsste er ja zurückkommen wie ein reumütiger Sünder.“

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