1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Manfred Rehm: „Ich will mindestens noch zehn Jahre weitermachen“

Neuburg

29.11.2019

Manfred Rehm: „Ich will mindestens noch zehn Jahre weitermachen“

Manfred Rehm zusammen mit Bundeskulturministerin Monika Grütters bei der Verleihung des Spielstättenpreises „Applaus“ in Berlin.
Bild: Reinhard Köchl

Plus Für sein ehrenamtliches Engagement um den Birdland-Jazzclub hat Manfred Rehm als erster überhaupt einen Sonderpreis erhalten.

Es gäbe viele Ehrungen, die Manfred Rehm (78) verdient hätte. Aber nur ganz selten stellt er sich wirklich auf eine öffentliche Bühne und lässt Laudationes über sich ergehen. Denn eigentlich ist ihm dies höchst unangenehm. „Diesmal allerdings konnte ich nicht Nein sagen“, beschreibt der langjährige Motor des Birdland-Jazzclubs Neuburg sein Dilemma, das in Wirklichkeit gar keines war. Denn was ihm am vergangenen Mittwoch in Berlin bei der Gala anlässlich des bundesweiten Spielstättenpreises „Applaus“ widerfuhr, das besitzt Premierencharakter. Noch nie zuvor nämlich wurde ein Konzertveranstalter von Bundeskulturminsterin Monika Grütters (CDU) mit dem Sonderpreis für „Bestes Ehrenamt“ ausgezeichnet (wir berichteten im Hauptteil unserer Zeitung). Rehm ist der Erste in Deutschland, der überhaupt in den Genuss dieser Auszeichnung kommt. Neben 18.000 Euro als Spielstättenpreis für das Birdland durfte er weitere 5000 Euro im voll besetzten Festsaal Kreuzberg, einem ehemaligen Jazzclub aus der Nachkriegszeit, mit nach Hause nehmen.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Grütters wies eingangs auf die Monopolisierung des Konzertgeschäfts hin, die immer weiter voranschreite. In Deutschland würden mittlerweile drei Konzertveranstaltungsfirmen 85 Prozent der Liveeinnahmen unter sich ausmachen. „Umso wichtiger ist es, kleine, nischige Veranstaltungen und Clubs am Leben zu erhalten“, betonte die Staatsministerin. Wie das abseits der Megaplayer funktionieren kann, zeigt das Birdland seit über 60 Jahren in Neuburg an der Donau.“ Manfred Rehm organisiere seinen Jazzclub als gemeinnützigen Verein in der ehemaligen Hofapotheke und habe es geschafft, in einer bayerischen Kleinstadt eine Topadresse für nationale und internationale Jazzkünstlerinnen und -künstler zu formen. Die Staatsministerin: „Unter Rehm entstehen immer neue Ideen, Jazz am Leben zu halten und zu verbreiten. Kein Wunder, dass das Programm auch Gäste von weit außerhalb der Stadtgrenzen ins Birdland lockt.“

Für Manfred Rehm ist Monika Grütters „eine echte Verbündete“ geworden. 
Bild: Reinhard Köchl

Im NR-Interview spricht Manfred Rehm über die Verleihung des Preises, dessen Bedeutung für ihn selbst und das Birdland, Synergieeffekte für das Programm und eine Verbündete in der Bundesregierung, die 2020 in Neuburg vorbeischauen will.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Wie kommt man überhaupt dazu, zum ersten Mal in der Geschichte des Spielstättenpreises „Applaus“ eine Auszeichnung für „Bestes Ehrenamt“ zu bekommen? Muss man sich da bewerben? Gibt es ein Auswahlverfahren?

Manfred Rehm: Ob es ein Auswahlverfahren oder eine Vorselektion gibt, entzieht sich meiner Kenntnis. In der Bewerbung für den Spielstättenpreis „Applaus“ habe ich in diesem Jahr zum ersten Mal den Begriff „Ehrenamt“ gelesen. Aber wie soll ich das, was ich seit Jahrzehnten mache, überhaupt in einer gewinnbringenden Bewerbung formulieren? Das wäre ja Eigenlob und so etwas liegt mir überhaupt nicht. Also habe ich einfach einen Artikel aus dem Kulturteil Ihrer Zeitung genommen, der anlässlich des 60. Geburtstags unseres Clubs im vergangenen Jahr erschien, und habe den kommentarlos mitgeschickt. Das muss offenbar so überzeugend gewesen sein, dass ich den Zuschlag bekam. Die Jury-Entscheidung war einstimmig, und der Applaus, den ich bei der Verleihung quer durch alle Fraktionen – egal ob Jazz oder Pop, Jung oder Alt – bekommen habe, hat mich selbst überwältigt.

Die Auszeichnung ist auch eine Würdigung Ihrer Verdienste um das Birdland.

Rehm: Ja. Und darüber habe ich mich sehr gefreut. Gleichzeitig steht der Preis aber auch stellvertretend für alle anderen Konzertveranstalter, die sich viele Jahre ehrenamtlich für den Jazz und andere Musikrichtungen einsetzen. Sie leisten ebenso wertvolle Arbeit wie ich und waren diesmal leider nicht im Rampenlicht.

Welchen Stellenwert hat diese Auszeichnung aus den Händen von Kulturstaatsministerin Monika Grütters für Sie persönlich?

Rehm: Einen immens hohen! Wir machen schon seit Jahrzehnten regelmäßig Programm und haben in dieser Zeit außer den Zuschüssen der Stadt Neuburg und des Landkreises noch nie eine Förderung aus der Politik erhalten. Die Würdigung des Clubs und den Ehrenamtspreis verstehe ich nicht nur als Auszeichnung im materiellen Sinn, sondern vor allem als Anerkennung unserer Arbeit. Damit wird aber auch der Jazz im Besonderen aufgewertet, eine Musikrichtung, die primär keine kommerziellen Ziele verfolgt. Der „Applaus“ ist eine fantastische Einrichtung, die allen Konzertveranstaltern enorm weiterhilft. Es gibt ihn nun seit 2013, das Birdland war bislang fünf Mal dabei. Man spürt förmlich die von Jahr zu Jahr wachsende Ernsthaftigkeit und den Willen der verantwortlichen Initiative Musik um Professor Dieter Gorny und Ministerin Grütters, diesen Spielstättenpreis kontinuierlich aufzuwerten. 2019 wurden 1,8 Millionen Euro ausgeschüttet – so viel wie noch nie. Außerdem gab es neben dem „Ehrenamt“ diesmal Preise in der Kategorie „Gleichstellung“ und „Inklusion“. Da kann man nur den Hut davor ziehen! Monika Grütters hat mir außerdem versprochen, Neuburg und dem Club anlässlich des 10. Birdland Radio Festivals im November 2020 einen Besuch abzustatten. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Sie ist mittlerweile eine echte Verbündete für mich.

Wie wird sich der warme Geldregen auf das Programm im „Birdland“ auswirken?

Rehm: Wir wollen weiter Bands fördern, die Talent, aber noch keinen Namen besitzen. Für die ist ein Auftritt im Birdland ein willkommenes Karriere-Sprungbrett. Dazu zählen auch Konzertreihen wie „Jazz aus der Region“, in der wir regelmäßig regionalen Gruppen eine Chance geben wollen, sich in diesem großen Rahmen zu präsentieren. Denn wir sind kein elitärer Club! Konkret will ich diesmal den Schwerpunkt auf die Ausgestaltung des Radio Jazz Festivals setzen und zum Jubiläum ein richtig tolles Programm aufbieten, das auch legendäre Künstler wie Archie Shepp, die in der Geschichte unseres Clubs eine entscheidende Rolle einnehmen, nach Neuburg lockt. Der ist mittlerweile 82, spielt aber nach wie vor.

Ihr Arbeitsaufwand kommt dem eines hauptamtlichen Kulturmanagers gleich. Warum tun Sie sich das alles überhaupt an?

Rehm: Weil es mir einfach riesigen Spaß macht! Und weil ich sehe, wie sich die Dinge von Jahr zu Jahr zum Positiven entwickeln. Wir genießen inzwischen so viel Vertrauen bei unseren Gästen, dass unser Programm auch mit einer gewissen Vielfalt durchaus Akzeptanz findet. Der Keller ist fast immer gut gefüllt. Außerdem verstehe ich die Arbeit für den Club für mich persönlich als Medizin. Wenn man sich mit interessanten Dingen beschäftigt, regelmäßig schöne Musik hört und dann auch noch die Reaktion des Publikums spüren darf, dann entlohnt mich das mehr als reichlich.

Die Frage nach der Zukunft des Birdland spare ich mir ...

Rehm: ... weil sie überhaupt nicht angebracht ist. Ich bin doch noch da! Und ich will mindestens noch zehn Jahre so weitermachen!

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren