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Neuburg-Schrobenhausen

23.02.2021

Mehr Gewerbe trotz Corona: Im Raum Neuburg lebt der Unternehmergeist

Die Zahl der Gewerbeanmeldungen ist im Kreis Neuburg-Schrobenhausen 2020 gestiegen - trotz Corona.
Bild: Patrick Pleul, dpa (Symbolbild)

Plus Im Raum Neuburg ist die Zahl der Gewerbeanmeldungen 2020 im Vergleich zu 2019 gestiegen - trotz Corona. Woran das liegen könnte und wie mutige Unternehmer zu ihrer Entscheidung kamen.

Mitten in der Corona-Krise einen Gastronomie-Betrieb übernehmen und neu eröffnen? Diese Entscheidung war „verrückt“, weiß Sebastian Bollinger. Er hat als Pächter das Tanzcafé Hertlein in Neuburg übernommen – trotz Pandemie, trotz der vielen Einschränkungen, und trotz der ungewissen Aussichten. Mit einem solchen Unternehmergeist steht Bollinger offenbar nicht alleine da. Laut Zahlen des Bayerischen Landesamtes für Statistik gab es im Kreis Neuburg-Schrobenhausen im Krisenjahr 2020 mehr Gewerbeanmeldungen als noch im Jahr 2019. Woran liegt das?

Neuburg-Schrobenhausen: Mehr Gewerbeanmeldungen trotz Corona

Insgesamt verzeichneten die Behörden im vergangenen Jahr 832 Gewerbeanmeldungen im Landkreis. 2019 waren es noch 725. Gleichzeitig nahm innerhalb der vergangenen zwei Jahre jedoch auch die Zahl der Gewerbeabmeldungen zu, von 579 auf 636. Trotzdem: Unter dem Strich bleibt ein Plus im Corona-Jahr 2020. Einen solchen Trend spiegeln auch die Zahlen für den ganzen Freistaat Bayern wider – und auch für die Stadt Neuburg. Wie ein Auszug aus dem städtischen Jahresbericht zeigt, haben sich die Gewerbeanmeldungen 2020 (240 Meldungen) im Vergleich zum Vorjahr (223 Meldungen) erhöht – es handelte sich sogar um den höchsten Wert seit 2015. Die Abmeldungen sind dagegen von 210 auf 195 Meldungen gesunken. Eine Erklärung für diese Entwicklung hat die Stadt nicht. Zwar führt sie genau Buch über die Anmeldungen. Wie Sprecher Bernhard Mahler mitteilt, sei in der Statistik jedoch nichts Besonderes aufgefallen.

Sebastian Bollinger
Bild: Stegmann

Auch Unternehmer Hartmut Beutler von der Bauer AG in Schrobenhausen, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Neuburg-Schrobenhausen, sagt: „Was genau hinter dieser Entwicklung steckt, kann man nur vermuten.“ Es sei schon immer so gewesen, dass bei einer Zunahme der Arbeitslosenzahlen auch die Zahl der Neugründungen nach oben gingen – nach dem Prinzip: Wer seine Arbeit verliert, versucht sein Glück auf eigene Faust. Auch vermutet Beutler, dass es gerade in der IT-Branche und im Bereich Lieferdienste Zuwächse gibt. Schließlich boomen in Corona-Zeiten Onlineshops noch mehr als ohnehin schon, und die Waren müssen schließlich ausgeliefert werden. Außerdem verweist Beutler auf einen Aspekt der Statistik: Das Plus an Gewerbeanmeldungen kommt auch zustande, weil mehr Geschäfts-treibende in die Region ziehen als wegziehen. „Der Landkreis liegt strategisch gut und ist sehr attraktiv“, begründet er den Zuzug.

Wirtschaft im Raum Neuburg: Zahl der Gewerbeanmeldungen ist gestiegen

Sebastian Bollinger, der neue Pächter des Hertleins, war schon vor Corona in Neuburg tätig. Seit mehr als zehn Jahren betreibt er die Sonderbar. Auch die Verhandlungen zum Hertlein seien bereits vor der Pandemie gelaufen. Unterschrieben hat er aber letztlich erst im Oktober. „Ich hatte sehr große Bedenken und habe lange überlegt, ob ich das mache oder nicht“, erzählt Bollinger. Das Risiko für Selbstständige sei immer gegeben – in Corona-Zeiten jedoch noch mehr.

Wilfried Greben
Bild: Greben

Letztlich wagte er den Schritt, das Hertlein zu übernehmen, weil er trotz der Umstände eine kleine Perspektive sah. „Der Impfstoff wurde in Aussicht gestellt“, so Bollinger. „Und ich bin kein Anfänger in der Branche.“ Er wusste um den Kult-Status des Tanzcafés, was ebenfalls in seine Entscheidung hineinspielte. „Das Hertlein hätte man nicht sterben lassen können.“ Dass sich Deutschland nach wie vor im Lockdown befindet, war nicht eingeplant, stört Bollinger aber nicht besonders. „Wir sind momentan eh mit dem Umbau beschäftigt.“ Er hofft, dass bis Anfang April die Gastronomie wieder öffnen kann – und auch er Gäste im neuen Hertlein begrüßen kann.

Warum eröffnet man ein neues Geschäft in Neuburg - trotz Corona?

Auch Wilfried Greben hat den Schritt gewagt und im Oktober 2020 ein neues Weingeschäft am Oswaldplatz in Neuburg eröffnet. Zuvor betrieb er bereits einen kleinen Weinfachhandel in Unterstall. Doch Greben wollte nach Neuburg, um für Kunden präsenter zu sein. „Das stand schon vor Corona fest“, sagt er.

Dass es ausgerechnet im vergangenen Herbst dann soweit war, habe sich spontan ergeben, weil die entsprechende Immobilie auf dem Markt war. Greben hat die Chance ergriffen – trotz der Pandemie. „Es gab schon immer Katastrophen. Aber das Leben geht weiter, so wie die Donau an Neuburg vorbeifließt.“

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