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Neuburg

16.04.2016

Meidinger-Nachlass ist zu kostspielig

Die Neuburger Künstlerin Josy Meidinger ist heute noch für ihre filigranen Scherenschnitte bekannt. Eine Zeit lang lebte sie im Neuburger Schloss.

Aus dem Scherenschnitt-Museum im Schloss wird nichts. Warum auch andere Optionen in Neuburg nicht infrage kommen und wem Josy Meidingers Neffe die Schuld gibt.

Nach der Auktion am vergangenen Wochenende hat die Stadt Neuburg den Nachlass von Kurt Kessler weitestgehend verkauft. Doch was passiert mit der Sammlung von Elmar Gernert? Gernert ist der Neffe der Scherenschnittkünstlerin Josefine Meidinger (1899 bis 1971), die lange Zeit im Neuburger Residenzschloss und in Grünau lebte. Wie bereits berichtet, wollte der 88-Jährige der Stadt Neuburg seine wertvolle Sammlung von rund 2000 Schnitten vermachen – allerdings nur zu Bedingungen, die die Stadt nicht erfüllen kann.

Die Sammlung von Elmar Gernert enthält nicht nur 1500 Werke von Josy Meidinger, sondern darüber hinaus auch noch andere Objekte europäischer Schnittkunst, zum Beispiel von Pablo Picasso. „Es ist ein wirklich kunsthistorischer Schatz, eine geschlossene Sammlung“, sagt Kulturamtsleiterin Kathrin Jacobs. Sie hat Gernert zweimal in Nürnberg besucht und die Kunstwerke begutachtet. Leider stelle Meidingers Neffe sehr hohe Ansprüche, was den Umgang mit der Sammlung betreffe, so Jacobs. Gernert hätte gerne ein permanentes Scherenschnittkunstmuseum in einem repräsentativen Haus, am liebsten im Schloss. Angedacht war der bislang ungenutzte Südflügel. Doch laut Jacobs hat die bayerische Schlösserverwaltung inzwischen entschieden, den Südflügel mittelfristig nicht herzurichten. Dieser müsse, um als Museum geeignet zu sein, aber komplett saniert werden, sagt die Kulturamtsleiterin. „Der Betrieb eines neuen Museums kann zudem aus Ressourcengründen nicht geleistet werden“, äußerte sich die Presseabteilung der Bayerischen Schlösserverwaltung. Eine gelegentliche Präsentation im Rahmen von Sonderausstellungen wäre hingegen auch in den vorhandenen Veranstaltungsräumen des Schlosses möglich. Dieses Angebot lehnte Meidingers Neffe jedoch ab.

Eine – auch für den Neffen akzeptable – Alternative sei der Marstall gewesen, erzählt Jacobs weiter. Dieser wird nun aber als Kindergarten benötigt. Als letzte Lösung bliebe nur, ein neues Gebäude zu bauen. „Ein komplett neues Museum kann sich die Stadt nicht leisten“, winkt die Kulturamtsleiterin jedoch ab. Wie für die Schlösserverwaltung so seien auch für die Stadt die laufenden Kosten zu hoch, da man dann zum Beispiel einen Kurator, einen Papierrestaurator, Kassenpersonal und einen Museumspädagogen einstellen müsse. Gernert habe sogar noch eine zusätzliche Finanzspritze von 200000 bis 300000 Euro in Aussicht gestellt. Doch: „Es ist nicht die neue Einrichtung an sich, es ist der Betrieb“, so Jacobs.

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Die Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern hält ein Scherenschnittmuseum in Neuburg ebenfalls für schwer realisierbar: „Arbeiten aus und auf Papier haben die höchsten konservatorischen Ansprüche“, sagt Shahab Sangestan, Gebietsreferent für Oberbayern und Oberfranken. Die Arbeiten dürften immer nur drei Monate lang ausgestellt werden und müssten dann wieder ruhen. „Wenn die Anforderungen erfüllt werden können, halten wir ein Museum für gut. Wenn nicht, dann nicht.“

Dass seine Sammlung nun nicht in die Ottheinrichstadt kommen soll, findet Elmar Gernert sehr bedauerlich: „Meidinger gehört nach Neuburg. Aber wenn die Stadt sich so querstellt, dann eben nicht.“ Der Schuldige steht für Gernert fest: „Mit dem aktuellen Herrscher ist wenig zu machen.“ Oberbürgermeister Bernhard Gmehling habe seiner Ansicht nach „mit Kunst wenig im Sinn“. Das will der OB nicht auf sich sitzen lassen: „Man kann mir vorwerfen, keine x-tausend Euro dafür in die Hand zu nehmen, aber man kann mir nicht vorwerfen, ich hätte mich nicht gekümmert.“ Er habe von Anfang an Interesse an der Sammlung gezeigt und sei selbst in Nürnberg gewesen. Sogar mit Heimatminister Markus Söder und Ministerpräsident Horst Seehofer habe er Gespräche geführt. Vergeblich. Und ohne Unterstützung des Freistaats könne die Stadt eben kein weiteres Museum schultern.

Was wird nun aus der großen Scherenschnittsammlung? Elmar Gernert sucht nach einer Alternativlösung. Andere Angebote habe er durchaus, wie er sagt. Dass die Sammlung dann in ihrer Ganzheit bestehen bleibt, kann Meidingers Neffe allerdings nicht garantieren. Möglicherweise werde die Sammlung aufgeteilt. Gernert bemühe sich aber, zumindest die Schnitte seiner Tante zusammenzuhalten.

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