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24.06.2009

"Meine Leute schwimmen jeden Tag im Blutbad"

Neuburg Es ist ein Leben im Konjunktiv, das Rahman Hassan Zeraat führt. Wäre er kein politischer Flüchtling, er würde noch im Iran leben. Würde er in diesen Tagen noch im Iran leben, er würde auf den Straßen Teherans demonstrieren. Die Kette ließe sich endlos weiterspinnen.

Rahman Hassan Zeraat lebt in der Gemeinschaftsunterkunft der Asylbewerber. Ist er daheim, in seinem rund 13 Quadratmeter großen Zimmer, läuft der Fernseher den ganzen Tag. Zeraat ist ausgezeichnet über die aktuelle Lage im Iran informiert. "Meine Leute schwimmen jeden Tag im Blutbad", sagt er und blickt aus den Augenwinkeln auf die Bilder der Demonstrationen, die über den Bildschirm flimmern. Die Fernsehsender "Voice of America Persian" und "BBC" berichten zwar über aktuelle Entwicklungen, Hintergründe erfährt der Asylbewerber aber in erster Linie aus dem Internet. Auf einer Webseite hat er auch gelesen, dass die Ahmadinedschad-Gruppe arabische Schiiten und Hamas-Kämpfer in den Iran bringt. "Sie sind es, die unser Volk schlagen und das Land zerstören", ist sich Zeraat sicher.

Das Internet nutzt er aber auch, um seine privaten Kontakte zu pflegen. "Mit meiner Familie und meinen Freunden bleibe ich sowohl per Email, als auch über twitter, facebook und msn in Verbindung", erklärt der 34-Jährige. Bei einem Freund in der Stadt kann der Iraner an den Computer, wann immer er möchte.

Zwar kontrolliert das iranische Regime, "die Diktatur", wie Zeraat betont, die Medien, doch ist es nicht möglich, das Internet komplett zu blockieren. Gespannt verfolgt der politische Flüchtling die Lage in seinem Heimatland. Freunde des studierten Bauingenieurs wohnen zum Teil in Teheran, seine Familie lebt in einer kurdischen Stadt, zwischen Iran, Irak und Türkei. Das politische Interesse des Iraners reicht bis in seine Kindheit zurück: "Mein Vater hat immer Israel Radio und BBC gehört. Da habe ich mich neben ihn gesetzt", erzählt der 34-Jährige.

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Später hat er in Täbris (Aserbaidschan) studiert. Seit sechs Jahren ist der Asylbewerber Mitglied der kurdischen demokratischen Partei für den Iran (PDKI). Über die Türkei musste Rahman Hassan Zeraat deshalb nach Deutschland fliehen. Auslöser war sein Besuch am Grab eines kurdischen Exilpolitikers. Dieser wurde 1992 beim sogenannten "Mykonos-Attentat" erschossen. "Wenn ich zurück in den Iran reise, muss ich mindestens für zehn Jahre ins Gefängnis", beschreibt Zeraat seine ausweglose Lage.

Während seine Zukunft in Deutschland ungewiss ist, macht sich bei ihm in Bezug auf die Situation in seinem Heimatland Hoffnung breit. Akbar Haschemi Rafsandschani, der selbst von 1989 bis 1997 Präsident war, spricht sich für einen Führerrat aus. Dieser soll sich aus sechs Personen zusammensetzen. Rafsandschani ist Chef des Expertenrates und Gegenspieler des geistlichen Oberhaupts Ali Chamenei. Doch Zeraat, der Asylbewerber aus dem Iran, spricht von den zwei Lagern um Ahmadinedschad und um Mussawi lediglich von "einer radikalen und einer ruhigeren" Gruppe. "Die Opposition lebt nicht im Iran, sondern im Ausland", betont der 34-Jährige.

Rahman Hassan Zeraat bleibt nichts anderes, als zu warten. Warten auf ein Leben in Freiheit, auf ein Heimatland ohne diktatorische Regierung. "Die Menschen werden demonstrieren, bis es Neuwahlen gibt", sagt er kämpferisch. Doch momentan beneidet er die Deutschen: "Sie leben im Paradies."

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