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Ingolstadt

05.05.2014

Merkel in Ingolstadt: Trassengegner zeigen Flagge

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Die neu gegründete BI Neuburg-Nord aus den Stadtteilen Gietlhausen, Laisacker, Ried, Bittenbrunn und Joshofen war auch präsent.

Beim Europawahlauftritt von Kanzlerin Angela Merkel demonstrieren 2500 Menschen gegen die umstrittene Stromleitung.

Alle waren sie da. 2500 Menschen standen am Montag beim Auftritt von Angela Merkel auf dem Ingolstädter Rathausplatz. In der großen Mehrzahl freilich wollten die nicht die Europawahlrede der Bundeskanzlerin hören, sondern Flagge zeigen. Aus ganz Bayern waren die Demonstranten angereist und reckten ihre Protestplakate gegen die geplante Gleichstromtrasse Süd-Ost in die Höhe. Und mittendrin waren die Bürgerinitiativen aus dem Landkreis Neuburg-Schrobenhausen.

Präsenz zeigen war das Motto der Betroffenen, vor deren Haustüren bis 2022 eine Stromleitung an 75 Meter hohen Masten aufgehängt werden soll. Das Mandat dafür hat die Bundesnetzagentur vergangenen Sommer vom Bundestag bekommen. Ihren Widerstand gegen dieses Projekt wollte Michaela Hermann, Sprecherin der BI Rennertshofen, Montag kundtun. Dass die Kanzlerin dabei über eine halbe Stunde weitgehend ungestört sprechen konnte, lag an Horst Seehofer. Er nahm gleich zu Beginn die Lärmenden geschickt mit ins Boot: „Wenn ihr jetzt zuhört, sage ich auch was zur Stromtrasse“. Vielen Demonstranten ging es offenbar weniger um Krawall, sondern um Präsenz. „Eigentlich war es anders geplant, wir wollten durchtrommeln“, erzählte Hermann. „Ich hoffe, das Signal ist bei der Kanzlerin angekommen. Ich finde, man sollte den guten Ton wahren und nicht ausflippen. Das habe ich vorher auch meinen Leuten gesagt.“ Zusammen mit den Kollegen aus Burgheim waren die Rennertshofener mit zwei Bussen nach Ingolstadt gekommen.

Die Gegner der Stromtrasse erhoffen sich einiges von ihrer Präsenz

Christoph Leinfelder aus Laisacker, der zusammen mit Siegfried Weiß aus Gietlhausen den Protest der fünf nördlichen Neuburger Stadtteile organisiert, verspricht sich einiges vom Auftritt. „Nach dieser Aussage kann der Seehofer nicht mehr zurück.“ Er freute sich über den Auftritt der noch jungen BI, die sich erst vergangenen Freitag gegründet hatte. „Und wir haben schon 189 Mitglieder. Ich bin begeistert.“ Dass die Kanzlerin sich in ihrer kurzen Stellungnahme zur Trasse sehr diplomatisch geäußert hatte, hatte er nicht anders erwartet. „Die Merkel hat natürlich nix versprochen.“

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So empfand das auch Roland Weigert. Der Landrat stand gestern nicht im abgesperrten Bereich unter dem CSU-Parteivolk vor der Bühne, sondern mitten unter den Demonstranten. „Der Seehofer ist ein Fuchs“, zeigte er sich von der Art beeindruckt, wie der Ministerpräsident einerseits den Protestierern den Wind aus den Segeln nahm und deren Erwartungen gerecht wurde, andererseits dem Gast aus Berlin das Gesicht wahren ließ. „Die Kanzlerin hat eine Volkstrauerrede gehalten, wie immer ist sie ausgewichen und hat nichts Konkretes gesagt.“

Dabei hätte sich Weigert, der den gesamten Prozess „im Kern als antidemokratisch“ gebrandmarkt hat, gerade von Merkel klare Worte gewünscht. Weigert fühlt sich schlecht informiert, vom Netzbetreiber Amprion, der Bundesnetzagentur und nicht zuletzt von den maßgeblichen Stellen in Berlin. Das fördere Verschwörungstheorien und beschleunige den Vertrauensverlust in der Bevölkerung, hatte er im Vorfeld kritisiert. „Ich habe den Eindruck, dass bewusst Vieles im Vagen gelassen wird. Man möchte das Ganze aussitzen. Aber das ist verheerend.“ Immer mehr Menschen würden sich nämlich organisieren, sich Fachwissen aneignen und juristischen Sachverstand. So werde eine gesellschaftliche Kultur des Widerstandes regelrecht herangezogen. „Jedes Großprojekt, und sei es noch so substanziell, wird in Zukunft nur mehr schwer durchsetzbar sein“, meint Weigert. „Wir bauen Skepsis bei den Menschen auf und Vertrauen ab.“

Die Schuldige für diese Entwicklung hat Weigert oben auf dem Podium verortet. Dabei hat Angela Merkel die Angelegenheit auf ihre Weise längst gelöst: „Horst Seehofer und ich haben schon viele Probleme vor uns gehabt. Und glauben Sie mir, wir haben immer einen Weg gefunden.“

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